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Taehyung Pov
Das ganze ist mir zwar nicht wirklich geheuer und mein Verstand schreit mir eigentlich warnend entgegen, dass ich mich nicht von der Vorstellung einer Heizung und trockener Socken locken lassen sollte, aber mein Körper möchte etwas anderes.
Die Daunenjacke, die ich vor einigen wenigen Tagen aus der Altkleidersammlung entwendet habe, spendet mir schon lange keine Wärme mehr, da hilft auch die dünne Decke, in die ich mich eingewickelt habe nicht.
Bevor er gekommen ist dachte ich jede Minute in der ich dort saß an zwei Sachen, zwei Dinge die mir mein bereits sowieso vergessenes leben ruinieren könnten.
Zum einen war da diese Kälte, die sich ohne erbarmen und Gnade bis in meine Knochen hindurch gefressen hat. Man könnte meinen, dass es mit der Zeit besser wird, das der Körper sich daran gewöhnt und die Taubheit in den Gliedern es ignoriert, aber die Wahrheit ist, dass es schlimmer wird, das die Kälte dir immer bewusster wird und du mit jeder Minute, in der sie dein Begleiter ist immer mehr die Hoffnung verlierst, sie jemals wieder los zu werden.
Hinzu kommt der Hunger, der das ganze nur noch schlimmer macht und dich an die miserable Situation, in der du dich befindest erinnert. Die Blicke der Menschen, abschätzig, fast vorwurfsvoll. Manche von ihnen sagten ich solle mir einen Job suchen, einer von ihnen hat den Becher, in dem ohnehin nur einige wenige Münzen waren, weggetreten und den Inhalt auf der ganzen Straße verteilt.
Ich war sogar zu schwach um mir die Mühe zu machen sie zwischen den ganzen Menschen aufzuheben. All meine Energie habe ich dafür verbraucht überhaupt bei Bewusstsein zu bleiben und die Wunde an meiner Brust bereitet mir nur noch mehr Probleme.
Also tut mir leid, Verstand, ich weiß dass du nur das beste für mich willst, aber der Mensch ist nun mal ein Triebgesteuertes Wesen und gerade jetzt möchte ich es mir so gut gehen lassen wie es mir diese scheiß Situation nun mal erlaubt.
"Jetzt können wir in Ruhe reden. Mach es dir gemütlich, das könnte länger dauern."
Ich hänge die Jacke an den haken, der sich an der Tür befindet und ziehe die nassen Socken auf dem weg zur Couch aus bevor ich mich rauf schmeiße.
Wie lange ist es her, seit ich so glücklich war?
Na ja, eigentlich ist es das erste mal. Zumindest das erste mal an das ich mich erinnern kann.
Lächelnd schnappe ich mir ein Kissen und drücke es ganz fest an meine Brust. Erleichtert vergrabe ich mein Gesicht darin und genieße den weichen Stoff auf meiner Haut.
Die letzten Tage diente immerhin die nasse Pappe als mein Kissen, da ist ein simples Kissen wie das hier, selbst wenn es nicht aus Seide ist, wie purer Luxus für jemanden wie mich.
"Ich möchte nicht lange fackeln, es liegt im Interesse von uns beiden das ganze so schnell wie möglich aufzuklären."
Leicht beleidigt ziehe ich meine Knie an meinen Oberkörper heran und beobachte ihn während er seinen teuren, zumindest sieht er so aus, Mantel auszieht und über die Lehne der Couch hängt, bevor er sich erschöpft mir gegenüber auf seinen Platz fallen lässt.
Was weiß ich über diesen Kerl? Seinen Namen jedenfalls kann ich nicht vergessen. Jeon Jungkook.
Er arbeitet als Arzt, zumindest behauptet er er hätte mich operiert und auf seinem Kittel steht auch sein Name.
Und dieser Jeon möchte mich so schnell wie möglich los werden, zumindest ist es das was sein Ton mir verrät. Er spricht mit einer kühlen Gleichgültigkeit, die ich in meinem Leben, also den letzten Tagen, so noch nicht gehört habe.
Normalerweise können Menschen ihre Gefühle nur schwer abschalten, aber er spricht wie ein Roboter, der so konstruiert wurde. Selbst seine Mimik verrät nichts über ihn.
Es nervt und fasziniert mich zur gleichen Zeit.
"Fangen wir an", sagt er mit Stift und Zettel in der Hand, bevor er sich zurücklehnt und mich forschend ansieht. "Welches Ereignis liegt in deiner Erinnerung am weitesten zurück?"
Verwirrt runzle ich die Stirn und lehne mich, immer noch mit dem Kissen fest umklammert, nach vorne. "Was?", frage ich und versuche seine Worte irgendwie zu verstehen.
Es ist nicht so, dass die Worte für mich nicht zu begreifen sind, aber ich mit ist trotzdem nicht so ganz klar, was er eigentlich von mir möchte.
Fragt er nach der letzten Sache die ich getan habe, bevor er zu mir auf die Straße kam oder von der ersten an die ich mich erinnere seit ich aufgewacht bin?
"Verstehst du die Frage wirklich nicht oder willst du sie einfach nicht beantworten?"
Vielleicht habe ich zusammen mit meinen Erinnerungen auch den Rest an intelligenz verloren, aber ich kann lesen, ich kann schreiben, nur diese Frage habe ich nicht verstanden.
"Wir machen das anders." Er legt den Stift und den Block auf den Tisch und verschränkt seine Hände im Schoß als er mich wieder ansieht. "Erzähl es mir."
"Was?", frage ich noch verwirrter als vorher.
"Erzähl mir alles woran du dich erinnerst. Viel kann das ja nicht sein, wenn du nicht einmal mehr weißt wo du wohnst."
"Das stimmt... Es ist nicht viel und ich weiß nicht ob es weiter helfen wird."
"Überlass das beurteilen mir."
Selbst wenn ich jetzt noch irgendwelche Zweifel an seiner Geschichte, er sei Arzt Zweifel hatte, sind sie jetzt endgültig beseitigt. Ich meine, alleine die Art wie er da sitzt, die Hände im Schoß verschränkt und den Blick, wie ein Computerprogramm zur Analyse auf mich gerichtet, da steht es außer Frage, dass er entweder Anwalt oder Arzt ist.
"Na schön", sage ich und spiele mit dem Reißverschluss des Kissens herum während ich mich auf seine Lippen konzentriere über die er sich immer wieder mit der Zunge fährt.
"Es tut mir leid, aber alles woran ich mich erinnere ist, das ich mich aus irgendeinem Grund in dieser Seitengasse aufgehalten habe, als mir plötzlich jemand aufgelauert und auf mich geschossen hat."
"Einfach so?", fragt er und runzelt misstrauisch die Stirn.
"Was erwartest du? Einen Dialog mit einem dramatischen Abschied und einer Herz zereissenden Erklärung für das ganze? Die gab es nicht."
Er schnalzt unzufrieden mit seiner Zunge und streicht sich die hellbraunen Haare aus dem Gesicht.
"Hast du das Gesicht der Person gesehen?"
"Nein, aber..."
Ich beende den Satz nicht, sondern schließe die Augen und versuche mich ganz genau an das Bild zu erinnern, dass sich mir in dieser kalten Nacht geboten hat.
Es ist wie ein Film, den man sich vor Jahren angesehen hat und den man jetzt mit aller Mühe versucht zu rekonstruieren, aber da sind nur Fetzen, die sich nicht zu einem einheitlichen Bild zusammenfügen wollen.
"Als ich da so lag, tauchte plötzlich jemand anderes auf."
"Jemand anderes?", fragt er und beugt sich vor. "Wer war es? War es ein Mann oder eine Frau?"
"Keine Ahnung."
"Welche Haarfarbe hatte die Person?"
"Keine Ahnung."
"Weißt du wenigstens ob sie...-"
"Verdammt, ich habe keine Ahnung!", schreie ich und klammere mich hilflos an das Kissen.
Ich weiß nicht, was genau es ist, was plötzlich solche Verzweiflung in mir auslöst. Ob es sein gefrage ist, auf das ich keine Antworten weiß oder diese Bilder, wie kleine Puzzleteile, von denen der Rest aber fehlt.
Alles was ich weiß ist, dass ich nicht mehr gefragt werden möchte und auch er scheint das zu verstehen. Stumm nickt er, geht in sein Zimmer aus dem er eine Decke holt, wirft sie mir hin und verschwindet wieder dort, dieses mal allerdings schließt er allerdings hinter sich ab.
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