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Player: Jungkook
Ich presse die Lippen aufeinander um zu verhindern das mir erneut etwas ausrutscht, was ich bereuen könnte. Er scheint die Vorsicht, die ich plötzlich an den Tag lege zu bemerken und grinst zufrieden mit dem, was er erreicht hat. Die Hand, die bist jetzt auf meiner Wange lag und mit deren Daumen er mir über das Auge gestrichen hat, lässt er wieder sinken.
Zu behaupten seine Drohung mir gegenüber würde mich kalt lassen wäre gelogen. Ich traue ihm durchaus zu, dass er mich sogar auf diese Weise verletzen würde, ein Auge zu verlieren wäre für ihn die gerechte Strafe für das, was ich eben gesagt habe, aber das ist es nicht, was meine Wut ins unermessliche steigert. Es ist die erste Aussage, die er getätigt hat. Die Drohung meiner Mutter gegenüber, dass er sie umbringen würde wenn ich den Mund auf mache.
Anfangs dachte ich, dass der ganze Albtraum irgendwann ein Ende finden würde. Manchmal, wenn ich in das Zimmer meiner Mutter kam und sah wie sie die Wunden und Blutergüsse in ihrem Gesicht zu verdecken versuchte, nahm sie mich in den Arm als würde sie mich trösten wollen. Sie sagte mir, dass das alles nur eine Phase ist, dass mein Vater gestresst wäre und das er kein böser Mensch ist.
Damals war ich ein Kind, ich habe es ihr geglaubt, weil es meine Mutter war, die es sagte und weil ich an das gute in meinem Vater glauben wollte, aber heute weiß ich es besser. Ich weiß, dass sie damals nicht mich tröstete und das sie sich mit ihrer Umarmung an mich klammerte, als versuche sie sich verzweifelt an dieser Welt fest zu halten. Ihre Worte waren zwar dazu da mir zu erklären, was das alles zu bedeuten hatte, aber sie waren auch eine Art sich selber Mut zu machen, in dem sie sich einredete das es sich lohnt das alles zu ertragen, weil es besser werden würde. Sie wusste, dass es gelogen war, aber wir Menschen reden uns selber Lügen ein, weil es manchmal der einzige Weg ist zu überleben.
Spätestens jetzt, während ich in die Augen dieses Mannes blicke, weiß ich, dass es niemals ein Ende geben wird. Er wir sie so lange prügeln bis sie irgendwann wirklich stirbt und wenn es soweit ist, wird er sich nur wieder irgendeine Ausrede einfallen lassen. Er wird niemals erwischt werden und er wird uns ewig in der Hand haben.
"Mr. Jeon?"
Mein Vater dreht sich überrascht nach hinten als der Krankenpfleger, der vorhin bereits auch bei mir im Zimmer war, auftaucht. Ich sehe nicht hinauf, alles worauf ich mich zu konzentrieren versuche ist diese Bodenlose Wut, die mit jeder Sekunde wächst. Meine Hände sind zu Fäusten geballt, die zittern weil sie verlangen benutzt zu werden, aber in mir herrscht ein Konflikt, den ich nicht lösen kann.
Ich weiß, dass es Konsequenzen haben wird wenn ich ihm gegenüber wieder etwas tue, was seine Autorität untergraben könnte, aber ich weiß auch, dass ich das nicht mehr lange aushalte. Meine Mutter hat bereits vor langer Zeit aufgehört zu leben, sie ist nur noch eine leere Hülle ihrer selbst für die das Leben nichts weiter ist als ein Kampf. Ich ertrage es nicht mehr sie so zu sehen und ich ertrage den Gedanken nicht, dass das auch meine Zukunft sein wird wenn wir uns nicht von diesen Ketten befreien, die er uns angelegt hat.
"Was ist passiert?", fragt der Krankenpfleger, schiebt meinen Vater zur Seite und sieht mir kurz in die Augen bevor er das Hemd hochhebt und sich meine rote, verbrühte Haut ansieht.
Mein Vater sieht den Pfleger hilflos an, Tränen haben sich in seinen Augen gebildet und seine Lippen zittern. "Er ist mit dem Rollstuhl gegen das Bein des Tisches gefahren und hat dabei die Tasse mit heißem Tee umgestoßen. I-Ich wollte helfen, aber er wollte mich nicht lassen." Er streicht sich die Haare nervös aus dem Gesicht und wischt sich die Tränen weg, die er tatsächlich anfängt zu vergießen.
Fassungslos über dieses Perfekte Schauspiel sehe ich ihn an während ich zu begreifen versuche, wie ein Mensch nur so skrupellos sein kann. Der Pfleger schenkt ihm nur kurz Beachtung, stellt sich dann hinter mich und greift nach den Griffen des Rollstuhls. "Wir müssen die Verbrühungen sofort kühlen. Es tut mir leid, aber ich werde Sie wohl nach Hause schicken müssen, Mr. Jeon."
"Wann kann ich meinen Sohn wieder besuchen?", fragt er sofort und hält mit dem Krankenpfleger mit als dieser mich mit schnellen Schritten aus dem Besucherraum durch die Gänge in die Richtung meines Zimmer schiebt.
"Wir rufen Sie an, wenn er entlassen wird. Davor wird er wohl Ruhe benötigen."
Erleichtert über die Worte des Pflegers schließe ich die Augen und lege meine Hände flach auf meinen Schoß. Vielleicht bedeutet das, dass ich einige Tage lang Pause von ihm habe. Der Besuch hätte sicher nur wieder dem Grund gedient, mir weiter vor Augen zu führen wer von uns beiden die Leine in der Hand hat. Er hätte nur wieder versucht mich einzuschüchtern und vielleicht hätte ich beim nächsten Mal nicht die Kraft gehabt meinem Verlangen auf ihn einzuschlagen zu unterdrücken.
Ich atme erleichtert aus als wir endlich wieder das Zimmer betreten und von meinem Vater keine Spur mehr ist. Ich werde von dem Pfleger mit dem Rücken zu den Mädchen gedreht bevor er mir mein Hemd auszieht und die Wunden begutachtet, die mein Vater durch das vergießen des heißen Tees verursacht hat.
"Es ist keine schlimme Verbrühung, lediglich die erste Hautschicht wurde verletzt. Ich werde gleich etwas zum Kühlen holen und den Doktor rufen, es könnte trotzdem sein, dass es einige unschöne Narben gibt. Möchtest du darüber sprechen, bevor ich gehe?" Er sieht mich mit einer hochgezogenen Augenbraue an und zum ersten mal ist mir ein richtiger Blick in sein Gesicht erlaubt.
Er wirkt nach wie vor freundlich, ganz wie zu Anfang, aber das Dauergrinsen ist verschwunden und einem besorgten Ausdruck gewichen. Sein Namensschild verrät mir, dass sein Name Kim Seokjin lautet, aber besonders viel sagt es mir dennoch nicht über seine Person.
"Ich wüsste nicht, was es zu besprechen gäbe", sage ich, aber er legt seine Hände nur auf die Armlehnen des Rollstuhls und sieht mir eindringlicher in die Augen.
"Der Tisch ist nicht so hoch als das der Tee sich auf deine Brust ergießen würde. Ich möchte niemandem etwas unterstellen, also frage ich dich noch einmal bevor ich dich in Ruhe lasse. Gibt es etwas, worüber du sprechen möchtest?"
Ich senke den Blick und starre die Hände in meinem Schoß an, die ebenfalls rot sind, weil sie etwas vom heißen Tee abbekommen haben. Er sagte, das würde vielleicht Narben hinterlassen, sicher keine schönen, aber das sind Narben nie, weil sie ein Zeichen dafür sind, dass man verletzt wurde. Ich würde diese hier mein Leben lang als Erinnerung mit mir herum schleppen, dass ich gegen meinen Vater gehandelt habe.
Er sagte, er würde meine Mutter umbringen wenn ich jemals jemandem davon erzählen würde und jetzt, da er vom Krankenpfleger nach Hause geschickt wurde, wird er dort alleine mit ihr sein. Wenn ich es ihm erzähle, wird er seine Worte wahr machen sollte er es heraus finden und wer weiß, ob dieser Mann mir überhaupt helfen kann.
Ich weiß nicht was ich tun soll. Vielleicht hätte ich meinen Vater nie in das Zimmer lassen sollen, dann würde ich jetzt auch nicht in dieser Situation stecken, vielleicht hätte ich ihn angreifen sollen, als das Spiel mich vor die Wahl stellte, aber das alles hilft mir im Moment nicht weiter.
Ich habe nämlich eine weitere Entscheidung zu treffen.
× × × × ×
Oder besser gesagt, ihr trefft sie für ihn ☻
Denkt genau darüber nach, was ihr wählt:
Soll er die Wahrheit sagen?
oder
Soll er lügen?
ABSTIMMUNG BEENDET
Ergebnis:
➮Wahrheit (21 Stimmen)
Lüge (5 Stimmen)
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