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Player: Jungkook

Ich kralle mich mit den Händen an den Armlehnen des Rollstuhls fest und versuche meinen Körper zu beruhigen. Mein Kiefer ist angespannt, meine Augen weit aufgerissen. Ich zitter unkontrolliert und Stellen, auf die mein Vater den heißen Tee gekippt hat, brennen noch viel mehr als sie es in dem Moment des Geschehens getan haben. Mein ganzer Körper wehrt sich gegen den Gedanken die Wahrheit zu sagen und ich kann es ihm nicht verübeln. 

Mein Verstand schreit mich quasi an es ihm zu sagen und all dem die Möglichkeit für ein Ende zu geben, aber mein Körper, der sich an nichts anderes erinnert als an die Schläge und die Schmerzen dieses Mannes, fleht mich an es nicht zu tun. Ein falscher Schritt, eine falsche Entscheidung und das alles könnte noch schlimmer werden als es ohnehin bereits ist. 

Er sagte es selber, sollte ich mich jemals dazu entscheiden irgendjemandem davon zu erzählen, würde er zuerst meine Mutter umbringen und danach wahrscheinlich auch mich. Ich schäme mich das zugeben zu müssen, aber meine Angst vor ihm ist groß, in manchen Momenten sogar größer als die Vernunft, aber gerade verspüre ich neben dieser noch etwas anderes. Wenn ich Seokjin ansehe, ist da auch noch Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es erst gar nicht so weit kommen muss. 

"Ich habe es nicht getan", sage ich leise, kaum hörbar und schüttle den Kopf. Die Mädchen hinter mir fangen an zu tuscheln, werden aber durch eine simple Handbewegung von Jin zum schweigen gebracht, der sich vor mich hockt und mich sanft ansieht. 

"Was hast du nicht getan?", fragt er vorsichtig, überhaupt nicht drängend. Er redet mit mir, als könnte ich mir alle Zeit der Welt lassen und es ist wahrscheinlich genau diese sanfte und vorsichtige Art von Umgang, die in mir das Gefühl von Vertrauen weckt. 

Ich balle die Hände zu Fäusten und sehe zu ihm hinauf, direkt in seine Augen. "Ich habe nicht versucht mich umzubringen." 

Erneut fangen die Mädchen hinter mir an zu tuscheln und dieses mal bleibt es nicht bei einer simplen Handbewegung von Jin. Er sieht die beiden wütend an, als wäre er kurz davor aufzustehen und den beiden eine zu verpassen. Tatsächlich wird es nun vollkommen Still im Raum und nach einer Weile vergesse ich sogar die beiden Tussen vollkommen. Alles woran ich denken kann sind die letzten Tage, Monate und Jahre. Alles was mich bis hierher gebracht hat.

Die Geschichte meines Vaters klang Glaubwürdig, das muss ich trotz allem zugeben. Er hat dafür gesorgt das die Geschichte in sich schlüssig wird. Ich wollte mich umbringen, habe mir eine Glasscherbe ins Bein gerammt um ihn davon abzuhalten zu mir zu kommen und mir das eigene Gesicht aufgeschlitzt während er, der Vater der Hilflos zusehen musste wie ich das tat, mich zu meinem eigenen Schutz mit einer Flasche bewusstlos geschlagen hat. 

Er hat sogar meine vielen Versäumnisse in der Schule eingebracht um die Blutergüsse auf meinem Körper zu erklären. Er sagte, dass ich von meinen Mitschülern gemobbt werde, das sie mich zusammen schlagen und das ich deswegen nicht mehr die Schule besuche. Es ist beinahe faszinierend wie er sich aus allem heraus reden konnte, ich würde sogar fast schon sagen genial, aber in diesem Fall ist es viel mehr Krank. 

"Ich wollte nur meiner Mutter helfen." Ich senke den Kopf noch weiter um durch meine Haare zu verdecken, dass ich angefangen habe zu weinen. Ich bin kein Mensch von großen Gefühlen, war ich auch nie, was vielleicht daran liegt, das mein Vater mir stets einredete das Gefühle die schwäche von Menschen sind und das Tränen nur den Erfolg der Qual zeigen, die jemand anderes dir zufügt. Ich hasse es zu weinen, ich hasse es so sehr das ich mich am liebsten selber dafür bestrafen würde, aber ich tue es nicht. Mein Vater hat das lange genug getan. 

"Das reicht, Jungkook. Ich gehe den Arzt holen damit er sich deine Wunden ansehen kann und danach werde ich die Polizei kontaktieren. Wärst du bereit ihnen das gleiche zu erzählen, was du mir eben gesagt hast?"

Mein ganzer Körper fängt an stärker zu zittern als er es ohnehin bereits getan hat und ich schüttle panisch den Kopf. "Er wird sie umbringen, wenn er das heraus findet."

"Wer ist sie?" Er geht vor mir in die Hocke und versucht mir in das Gesicht zu sehen, aber ich ertrage es nicht mit Tränen im Gesicht gesehen zu werden, also drehe ich den Kopf weg und kralle mich mit den Händen an meinen Haaren fest. 

"Meine Mutter. Er wird sie umbringen."

All die Schmerzen, mit denen wir all die Jahre gelebt haben, die Beleidigungen und die Schläge, die Physische und Psychische Misshandlung, die wir bis jetzt ertragen haben, werden umsonst gewesen sein, wenn er die Chance bekommt seine Worte tatsächlich wahr zu machen. Wenn er meiner Mutter mehr antut als ohnehin schon, würde ich mir das niemals verzeihen. Ich würde lieber sterben als mit dem Gedanken leben zu müssen, dass sie wegen meiner Dummheit gestorben ist. 

"Er wird nicht wissen, dass sie kommen. Sie werden ihn verhaften bevor er überhaupt verstehen kann was vor sich geht. Möchtest du dem ganzen nicht auch ein Ende setzen, Jungkook?"

Diese Frage hallt eine Weile in meinem Kopf wieder, nachdem er sie gestellt hat. Es ist ein Frage, die ich mir so oft auch schon selber gestellt habe, aber auf die ich niemals selber eine Antwort erhalten habe. Es gibt für alles ein Ende, aber für mich war eines in dieser Angelegenheit unvorstellbar. Es war wie die Suche nach dem Sinn des Lebens. 

Auch jetzt noch glaube ich nicht wirklich an ein Ende, obwohl Jin es mir mit solch einer einer Aufrichtigkeit bei zu bringen versucht. Das alles zieht sich schon so lange hin, dass es für mich zum Alltag geworden ist, ein Ende wäre viel zu unwirklich und doch möchte ich ihm glauben. Ich möchte an die Gerechtigkeit glauben, von der ich so wenig kosten durfte. 

Ohne mir vorher die Tränen aus dem Gesicht zu wischen sehe ich zu ihm hinauf, lass die Hände langsam sinken und sehe ihm in die Augen, trotz dem unangenehmen Gefühl in diesem Zustand der Schwäche gesehen zu werden. "Ich will, dass es endet."

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