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Jimin Pov

„Und, Jimin, erzähl schon. Wie stellst du das heute Abend an?", ertönt die Stimme von Kihyun, einer meiner Freunde, welcher neben mir herläuft, während die anderen aus der Gruppe ein klein wenig vor uns her gehen und sich ebenso miteinander unterhalten. Meine Hände schiebe ich in meine Hosentaschen, ich hebe die Augenbrauen ein wenig an und schiele kurz zu ihm rüber, bemerke sofort, wie er mich so voller Hoffnung anschaut. Als wäre ich der Hüter, des riesen Geheimnisses, das er herauszufinden versucht. Nur weiß ich selbst noch nicht, um was für ein „Geheimnis" es sich hierbei handeln soll.

„Wie stelle ich was genau an?", erkundige ich mich deshalb und lenke meinen Blick wieder nach vorne. Man kann von unserem Standort aus bereits das Gebäude sehen, welches wir ansteuern. Zumindest halte ich es für das Gebäude, welches wir ansteuern. Es sieht nämlich ganz nach einem Studentenwohnheim aus, die kleinen Fenster gewähren zwar keinen ausgiebigen Einblick in das Innenleben, aber man erkennt genug, um zu wissen, dass dort viele Menschen drin sind. Und auch, dass einige von ihnen tanzen. Zudem befinden sich vor der Tür auch eine kleine Gruppe von Personen, die sich recht laut unterhalten und dabei auch was zu trinken in den Händen halten, demnach bin ich mir eigentlich schon fast sicher.

Ich bin irgendwo schon ziemlich aufgeregt. Natürlich habe ich bisher die eine oder andere Party besucht, aber auf einer Collegeparty war ich bisher noch nicht. Ich weiß nicht, wie sie ablaufen und wenn Kihyun nicht diesen einen Freund hätte, der aufs College geht und uns somit mehr oder weniger Zugang auf diese Party verschafft, würde ich es vermutlich auch niemals erfahren, da ich kein Student bin. Das liegt nicht einmal nur an meinem Alter, so ein Studium ist einfach überhaupt nichts für mich. Mich reizen nur die Partys. Ich habe sogar schon eine Vorstellung, wie die so sind. Ältere Leute, bessere Musik und vermutlich auch stärkeren Alkohol - also ein ganzes Stück interessanter, als das, was ich sonst so kenne.

„Ach komm, du weißt schon. So, wie man dich kennt, klärst du dir heute doch bestimmt eine heiße Studentin."

Ich hebe eine Augenbraue etwas an und schiele ein weiteres Mal zu meinem Kumpel, welcher amüsiert in meine Richtung schaut, doch ich muss ihn enttäuschen. Das steht heute nicht auf meiner To-do-List, so etwas plane ich eigentlich auch überhaupt nicht im voraus, es ergibt sich einfach. Und es ist auch nie meine Absicht gewesen, einen Ruf als, ich zitiere, „Frauenheld" bei meinen Freunden und sämtlichen anderen zu haben, es ist nur irgendwie, irgendwann einfach so passiert. Aber ich habe es auch nie abgeschritten, oder ihnen erklärt, wieso es immer unterschiedliche Frauen sind. Wieso ich noch nie mit einer geschlafen habe, in Wahrheit sogar noch Jungfrau bin. Es ist nämlich einfach nur noch nicht die Richtige für mich dabei gewesen. Mit den Frauen, mit denen ich bisher ausgegangen bin, hat nicht nur das sogenannte gewisse Etwas gefehlt. Es hat einfach von vorne rein überhaupt nicht gepasst.

„Naja, ich denke nicht, dass das passieren wird. Ich habe schon jemanden eingeladen, weil sie, als sie von der Party erfahren hat, unbedingt mit wollte", erkläre ich ihm.

Natürlich habe ich irgendwann angefangen mir mal einige Gedanken zu machen, ich denke oft daran, dass das Problem ganz wo anders liegt. Dass ich dieses Problem bin, aber ich halte dann doch lieber an dem Gedanken fest, dass ich bisher einfach nur nicht mein passendes Gegenstück gefunden habe. Dass ich deshalb nichts Festes anfangen und keine von ihnen deshalb auch für kein einziges Gefühl in mir sorgen konnte. Denn dieser Gedanke gefällt mir deutlich besser. „Wie? Du hast echt jemanden eingeladen?", klingt auch Tae - mein bester Freund - sich in das Gespräch ein, dreht sich um und läuft kurz rückwärts, ehe er sich neben mich hinstellt. „Die Kleine, mit der du heute Morgen auf dem Flur geflirtet hast und deshalb auch zu spät zum Englischunterricht gekommen bist?", legt er nach.

Auch ihn muss ich enttäuschen, weshalb ich den Kopf schüttle. „Nein, nicht sie. Eine andere, ihr kennt sie nicht", sage ich knapp. Vielleicht wäre es mir sogar lieber gewesen, wenn das Mädchen aus dem Flur mich gefragt hätte, bei uns ist der Funken zwar auch nicht übersprungen, aber Jeongyeon - meine Begleitung - hat eine nervige Art an sich, mit der ich nicht so ganz klarkomme. Dennoch wollte ich sie nicht abblitzen lassen und ihr eine Chance geben, weshalb ich einfach zugesagt habe.

Sobald wir auf der Party sind und mir die Musik in die Ohren dringt, erblickt Jeongyeon mich auch schon und kommt auf mich zu, begrüßt mich und all das Drum und Dran und klebt dann auch ab dem Moment die ganze Zeit an mir. Nach einer Weile - ich weiß gar nicht, wie es dazu gekommen ist - stehen meine Freunde auch ganz woanders und sie und ich sind alleine, was meine erste Collegeparty zu der vermutlich qualvollsten macht.

„Es ist echt klasse hier!", lächelt sie glücklich und bewegt dabei ihren Körper zur Musik, wobei sie mir wirklich sehr nah ist, um mich vermutlich anzutanzen, nur kann ich von mir nicht unbedingt behaupten, dass es mir gefällt. Aber auch jetzt lasse ich es einfach erst einmal zu. „Mhm", gebe ich nur von mir und lasse sogleich auch meinen Blick ein wenig durch den Raum gleiten.

Die meisten reden miteinander, tanzen oder trinken, aber es gerät nichts außer Kontrolle. Würde ich ein wenig mehr Freiraum haben, könnte ich vermutlich auch mehr Spaß haben, denn die Leute hier scheinen ganz in Ordnung zu sein. Man sieht vielen an, dass sie bereits älter sind. Anhand von Kleidung, Verhalten und all das kann man es zumindest bei einigen erkennen und ich frage mich schließlich, ob man mir ansieht, dass ich gerade einmal siebzehn bin.

Während ich so meinen Blick durch die kleine Menge schweifen lasse, sticht mir jemand ins Auge, der mich plötzlich in den Bann zieht, weshalb ich ihn erstmal genau unter die Lupe nehme. Unbewusst lege ich den Kopf dabei sogar etwas schief und beginne damit, ihn ausgiebig zu mustern. Es sind nicht seine hellblonden Haare - die nahezu perfekt sitzen -, oder seine Kleidung - welche unglaublich gut gewählt ist -, die mich anspricht. Nicht nur. Irgendwie ist es sein ganzes Auftreten, dabei tut er nichts weiter, als sich direkt neben dem Stand mit den Getränken an die Wand zu lehnen, ein Getränk in der Hand zu halten und hin und wieder an diesem zu nippen.

Ich kann mir selbst nicht unbedingt erklären, wieso ich meinen Blick kaum von ihm abwenden möchte, aber er strahlt einfach etwas unglaublich Verlockendes aus. Er wirkt so tiefenentspannt, als würde ihn nichts stören, aber dennoch schafft er es, dabei nicht unfreundlich zu wirken. Viel eher anziehend. Er steht alleine dort, spricht mit niemandem, ich weiß nicht, woran es liegt, ob er alleine hier ist, aber ich weiß, dass er mit Abstand der Interessanteste hier ist. Seine Ausstrahlung ist fesselnd, er sieht wirklich gut aus, aber das bedeutet nicht, dass mein Interesse für ihn auf sexueller Ebene beruht. Man kann jemanden auch attraktiv finden, ohne ihn in dieser Hinsicht anziehend zu finden. Das glaub ich zumindest. Oder ich hoffe es.

„Lass uns tanzen!" Die hohe Stimme meiner Begleitung reißt mich aus meiner kleinen Schwärmerei - ich nenne das jetzt einfach mal so - und stellt sich mir direkt gegenüber, womit sie mir dann auch den Blick versperrt. „Nicht jetzt", erwidere ich nur, erhoffe mir damit, dass sie nun auch locker lässt, aber das wäre zu schön, um wahr zu sein. Stattdessen nimmt sie meine Hände in ihre und zieht mich rauf und trotz leichtem Widerstand meinerseits, gibt sie nicht nach. Ein weiteres Mal schiele ich zu ihm, dem jungen Mann neben dem Stand, und schließlich sage ich: „Ich hole uns mal etwas zu trinken."

Kaum spreche ich es aus, entferne ich mich auch schon von ihr. Keine Ahnung, ob sie noch etwas darauf erwidert, aber ich glaube aus dem Augenwinkel gesehen zu haben, dass sie genickt hat. Und da sie mir nicht folgt, muss sie damit auch einverstanden sein.

Ich weiß selbst nicht, was ich mir im Moment erhoffe, ich habe nämlich nicht vor in anzusprechen oder so. Stattdessen stelle ich mich an den Stand und beginne damit etwas in einen Becher zu gießen und allein die Tatsache, dass er direkt neben mir steht, macht mich, um ehrlich zu sein, ein klein wenig nervös. Dabei falle ich ihm wahrscheinlich nicht einmal auf, richtig? Um mich zu vergewissern, drehe ich den Kopf in seine Richtung.

Mir stockt für einen Moment der Atem - was man mir hoffentlich nicht anmerkt -, als unsere Blicke sich zu meiner Überraschung treffen und so schnell, wie ich den Kopf zu ihm gedreht habe, drehe ich ihn auch wieder nach vorne und konzentriere mich auf den Becher. Oder ich versuche es. Leider handelt mein Körper von alleine und sobald ich einen zweiten Becher nehme und diesen neben dem Ersten stelle, erlaube ich mir einen weiteren Blick. Und er schaut mich immer noch an. Und diesmal wende ich den Blick auch nicht so schnell ab, weshalb ich vermutlich zu starren beginne.

Dann zwinkert er mir plötzlich zu und meine Reaktion, das Abwenden und plötzliche Rot werden, bringen ihn zum Schmunzeln. Ich weiß gar nicht mehr, was ich hier in die Becher kippe, das einzige worauf ich mich konzentrieren kann, ist diese plötzliche, unerträgliche Hitze in meinem Gesicht, die ich mir nicht so ganz erklären kann.

„Das solltest du lieber keinem geben. Und selber trinken solltest du es genauso wenig." Eine recht tiefe, kratzige Stimme dringt mir ins Ohr und eine Hand greift schließlich nach einem der vollen Becher und stellt ihn weg. Ich hebe den Blick und schaue auf den blonden, jungen Mann, welcher nun etwas neben mir steht und leicht amüsiert wirkt. „Das ist hochprozentig", fügt er als Erklärung hinzu. „Es reicht nur ein klein wenig davon, den Rest kannst du mit Saft füllen und es schmeckt genauso gut."

Ich schlucke leicht, weiß nicht so genau, was ich antworten soll, stattdessen fühle ich mich mit einem Mal komplett eingeschüchtert. Aber nicht unbedingt im negativen Sinne. Von Nahem wirkt er nur noch schöner, als von Weitem, und seine Stimme, die Art, wie er spricht und selbst seine angehobenen Mundwinkel, haben eine besondere Wirkung auf mich.

„Ich...", bringe ich ein klein wenig verloren hervor, schaffe es dennoch nicht meine Augen von ihm abzuwenden. „Glaubst du mir etwa nicht?", meint er nun, dann hält er mir auch schon seinen eigenen Becher hin. „Hier. Probier ruhig und überzeug dich selbst." Und auch jetzt liegt wieder dieses unscheinbare Schmunzeln auf seinen Lippen.

***
Partnerstory written by @riawinchesterx & @elijeon

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