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Jimin Pov

𝔾𝕖𝕘𝕖𝕟𝕨𝕒̈𝕣𝕥𝕚𝕘

Das sind mit Abstand die schwersten und schlimmsten Stunden, die ich je durchlebt habe. Meine Gedanken sind ein einziges Chaos und körperlich geht es mir auch nicht besonders gut. Wobei ich nicht erwähnen muss, wie es um den seelischen Part steht. Während ich in diesem Flur sitze, nehme ich nur halb wahr, was um mich geschieht, meine Konzentration liegt im Keller, das Einzige, worüber ich nachdenke, ist einzig und allein Yoongi. Jedes Mal wenn die Tür sich öffnet und ein Arzt, eine Krankenschwester oder sonst wer hinausspaziert, zucke ich zusammen, aus Angst, gleich die Nachricht zu hören, vor welcher ich mich unfassbar dolle fürchte.

Was, wenn er das nicht überlebt? Wenn es bereits zuspät ist?

Unruhig tippe ich mit dem Fuß auf und ab, fixiere einen Punkt auf dem grauen Boden und stütze mein Gesicht auf meinen Händen ab. Ohne es zu realisieren, beginne ich damit an meinem Fingernagel zu kauen und ein weiteres Mal spüre ich, wie meine Augen sich, wie so oft an diesem Abend, mit Tränen füllen. Ich kann sie nicht zurückhalten und ich versuche es auch gar nicht erst.

„Wollt ihr vielleicht irgendetwas trinken oder essen? Dann hole ich etwas", höre ich Taehyung sagen, reagiere aber, anders als Jungkook, nicht drauf. Es ist nicht mal absichtlich, mein Körper und mein Geist können einfach nicht, ich bin viel zu aufgebraucht, um über sowas wie Trinken oder Essen nachzudenken. Ich habe keinen Appetit, habe keinen Durst oder sonst irgendein Bedürfnis, ich möchte doch einfach nur zu Yoongi, möchte ihn umarmen, seine Hand halten und in seine Augen sehen. Tausend Fragen schwirren in meinem Kopf herum und dennoch bin ich gerade nicht dazu in der Lage antworten zu suchen, ich möchte erst einmal nur wissen, ob sein Herz überhaupt noch schlägt.

„Jimin?" Ich spüre eine warme Hand auf meinem Nacken und zucke leicht zusammen. Ich bin momentan wirklich schreckhaft. Sobald ich den Kopf zur Seite drehe, blicke ich in das Gesicht meines besten Freundes. „Möchtest du auch etwas trinken?" In seinen Augen ist deutliche Sorge zu erkennen und ich weiß, er macht sich große Sorgen um Yoongi, aber genauso auch um Jungkook und mich. Er möchte nur helfen. So geht er mit schwierigen Siutarionen um, weil er nicht stillsitzen und nicht einfach nichts tun kann. Deshalb nicke ich auch. „Ein Wasser wäre gut", gebe ich mit kratziger Stimme von mir.

„Okay, ein Wasser. Bring ich dir", nickt Tae und streicht mir einmal seufzend durchs Haar, ehe er sich Jungkook widmet. „Schreib mir, wenn es in der Zwischenzeit etwas Neues gibt, ja?", meint er zu diesem. Während ich meine gereizten Augen schließe und meinen pochenden Kopf an die Wand lehne, höre ich den Jüngeren sagen: „Mach ich, Hyung. Bis gleich."

Es vergehen weitere Minuten, die sich wie Stunden anfühlen, aber während Taehyungs Abwesenheit geschieht es endlich. Eine Ärztin kommt hinaus, fragt nach Jeon Jungkook, da er es wahrscheinlich gewesen ist, der ihn hierhergebracht hat und wir erheben uns beide und schütteln die Hand der Frau. Sie beginnt schließlich damit uns zu erklären, was gewesen ist, was sie unternommen haben, aber davon verstehe ich in meiner derzeitigen Lage eh so gut wie nichts. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, ich könnte jeden Moment wieder in Tränen ausbrechen, weil die ausschlaggebenden Worte nicht fallen. Wie steht es um ihn? Lebt er noch? Hat er es geschafft?

Das sind die Fragen, die ich beantwortet bekommen möchte, ich würde sie ihr am liebsten ins Gesicht schreien, aber ich bringe nichts über meine Lippen. Umso dankbarer bin ich, als Jungkook es endlich tut.

„Geht es ihm denn gut?"

Ich schaue den Jüngeren an und blicke schließlich verzweifelt zur Ärztin, dessen Miene ich nicht einordnen kann. Ihre Augenbrauen sind leicht hochgezogen, sie presst die Lippen aufeinander und wirkt angespannt. Hat sie Mitleid mit uns? Weil sie ihn nicht retten konnten?

„Genaueres kann ich ihnen leider nicht sagen, sein Zustand ist immer noch kritisch, aber inzwischen zumindest stabil", erklärt sie. „Was bedeutet das?", hakt Jungkook nach, womit er mir aus der Seele spricht. „In diesem Moment steht noch alles offen. Es kann besser werden, er könnte in den nächsten Stunden oder sogar Minuten wach werden, aber es könnte eben auch das Gegenteil passieren, sein Zustand könnte sich rapide verschlechtern. So genau kann man nichts sagen, aber eins ist gewiss: Wären sie einige Minuten später hier gewesen, wäre das Ganze vermutlich anders ausgegangen. Wir haben getan, was wir konnten, jetzt liegt es an dem Patienten selbst."

Sobald sie die ausspricht fällt mir tatsächlich irgendwie ein Stein vom Herzen.

Sein Zustand ist immer noch kritisch, das weiß ich, aber sein Herz schlägt noch und das ist momentan das Wichtigste, richtig? „Können wir zu ihm?", bringe ich hervor, was sie schließlich nicken lässt. Sie sagt uns dann auch, in welches Zimmer man ihn gebracht hat und nachdem wir uns bedankt haben, machen wir uns auch schon auf den Weg zu diesem.

Ich bin es, der als Erstes durch die Tür geht, der erste, der den Raum betritt und einen Blick auf Yoongi wirft. Mit dem, was ich zu Gesicht bekomme, zerbricht in mir jedoch etwas und so schnell, wie ich hineingestürmt bin, so schnell erstarre ich, als ich vor seinem Bett stehe. Jungkook schließt die Tür hinter uns, womit der Raum in eine Stille getaucht wird, lediglich das Piepen des Gerätes, welches seinen Herzschlag überwacht, ist zu hören.

Seine Augen sind geschlossen, es wirkt, als würde einfach nur friedlich schlafen, als wäre nichts, aber die Bandagen um seine Handgelenke holen mich in die Realität zurück. Wie ein Damm, der bricht, beginne ich wieder zu schluchzen, gehe ums Bett und betrachte ihn. Wie konnte es nur soweit kommen? Wieso bin nicht für ihn da gewesen? Er muss sich, vor allem in den letzten Tagen, so einsam gefühlt haben, so alleine und verlassen. Ich will ihn umarmen, will ihn küssen oder seine Hand halten, aber ich habe Angst davor, ihn zu berühren. Als wäre er aus Porzellan, so unfassbar zerbrechlich.

„Yoongi", gebe ich leise von mir und hebe doch eine Hand, welche ich ganz sachte auf seinen Brustkorb lege, welcher sich hebt und senkt. Ich kann seinen Herzschlag spüren. „Es tut mir so leid, ich wollte das doch alles nicht", flüstere ich schon fast und presse meine zitternden Lippen aufeinander. Das ist allein meine Schuld, ich habe es soweit kommen lassen, habe nichts unternommen oder gesehen, sondern dazu beigetragen, dass es ihn schlechter geht.

„Hyung, wieso entschuldigst du dich? Das ist nicht wegen dir passiert", höre ich Jungkook leise sagen, wobei das leichte Zittern in seiner Stimme mir verrät, dass ihm dieser Anblick auch schwerfällt. Seine Hand legt sich auf meine Schulter, ich drehe mich zwar nicht zu ihm, aber antworte ihm trotzdem. „Doch. Das ist meine Schuld, ich habe ihn in diese Lage gebracht", bestehe ich schluchzend und nehme die Hand von Yoongis Brustkorb. Ich verdiene es nicht zu weinen.

„Jimin, sieh mich an", meint Jungkook und obwohl ich den Kopf schüttle, schafft er es mich zu ihm zu drehen und auch die zweite Hand auf meine andere Schulter zu legen. Somit werde ich von ihm gezwungen ihn anzusehen, direkt in seine Augen, dessen Lider mindestens genauso rot sein müssen, wie die meine. „Yoongi Hyung ist krank. Hör bitte auf dir die Schuld zu geben, du kannst nichts dafür, niemand kann etwas dafür. Lass uns für ihn da sein, er braucht uns, wenn er aufwacht", fleht er mich schon nahezu an.

Ich schlucke schwer, einige Tränen kullern immer noch über meine Wangen, aber die Leere in meinem Inneren schwindet nicht. Sie wird, ganz im Gegenteil, sogar größer und größer. „Jungkook, ich muss es wissen", beginne ich nun. „Was hat er? Wieso hat er versucht sich umzubringen?", sprech ich nun einer der Fragen aus, die ich bereits schon die ganze Zeit beantwortet bekommen haben möchte, aber viel zu aufgebracht war, um sie zu stellen.

Seine Miene verändert sich ein wenig, er schaut mir in die Augen, dann blickt er zu Yoongi und schließlich wieder zu mir. „Tut mir leid. Das... das kann ich dir einfach nicht sagen. Dazu habe ich kein Recht, er muss es tun, Hyung...", schluckt er, nimmt seine Hände von meinen Schultern und blickt zu Boden. Es ist ihm unangenehm, die Tatsache, dass er denkt, er dürfe mir diese Frage nicht beantworten, das spüre ich deutlich. Wäre ich in einer anderen Situation, würde Yoongi nicht in diesem Moment im Krankenhaus liegen und in Lebensgefahr schweben, würde ich vermutlich deshalb auch nachgeben. Aber so, wie die Dinge stehen, kann ich es einfach nicht.

„Bitte. Ich muss wissen, was los ist, wieso er hier ist, wieso es soweit gekommen ist. Er könnte... er könnte sterben, Jungkook. Ist dir das nicht bewusst?" Die Worte schaffe ich gerade so auszusprechen, sie schnüren mir die Atemwege zu und treiben mir die Tränen in die Augen. „Sag das nicht... er wird nicht sterben, nein." Jungkook schüttelt den Kopf, leugnet, dass auch das eintreffen könnte, weil er es nicht wahrhaben möchte. „Er wird aufwachen", legt er deshalb auch leise nach.

„Falls er aufwacht, wird nichts so sein, wie vorher. Du sagst mir, dass er krank ist, aber wieso habe ich die ganze Zeit über nichts davon gesehen? Wieso habe ich es nicht bemerkt? Ich hätte ihm doch helfen können, oder? Stattdessen habe ich ihm noch mehr Probleme bereitet. Ich habe alles schlimmer gemacht, ob ich es wollte, oder nicht. Vielleicht verdiene ich keine Antworten, aber ich brauche sie im Moment, andernfalls überstehe ich all das nicht."

Jungkook kneift die Augen zusammen und vergräbt kurz darauf sein Gesicht in seinen Händen. Ihn unter Druck setzen ist nicht die Lösung, es fühlt sich auch alles andere als richtig an, nur kann ich gerade nicht richtig denken. Wie bereits erwähnt, herrscht in mir das reinste Chaos.

Und ich kann nicht einschätzen, was mit mir geschieht, als ich plötzlich seine Stimme höre. Als er kaum hörbar meinen Namen ausspricht. Ich hätte niemals gedacht, dass ich diesen Klang so schnell wieder hören würde. „Jimin."

***
Partnerstory written by @riawinchesterx & @elijeon

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