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Jimin Pov
Yoongis Stimme kommt mehr als überraschend und ich muss mir ein lautes Schluchzen verkneifen, als ich seine Finger um mein Handgelenk spüre. Sofort füllen sich meine Augen wieder mit Tränen und ich traue mich nicht einmal ihn anzuschauen, aus Angst, in seiner Miene lesen zu können, dass ich hier mehr als nur unerwünscht bin.
„Jimin", wiederholt er seine Worte, diesmal sanfter und ich überwinde mich, meinen Kopf zu heben und seinen Blick zu erwidern. „Hyung", erwidere ich, versuche meine Stimme dabei so sicher, wie möglich klingen zu lassen, wobei ich erheblich scheitere. Ich presse meine Lippen aufeinander und versuche wenigstens meine Tränen zurück zu halten.
Ich habe kein Recht, mich wie das Opfer aufzuführen. Yoongi ist das Opfer, er ist derjenige, der sich das Leben nehmen wollte. Jungkook hat das Recht zu trauern, er stand ihm, bevor ich kam, am nähesten und auch er war derjenige, der ihm das Leben gerettet hat.
Wir starren uns eine Weile in die Augen, bis Jungkook aus seiner Starre erwacht und dem ein Ende bringt. „Hyung", kommt es nun auch von ihm, und er tritt näher an das Bett heran. „Oh Gott, ich bin so erleichtert", schluchzt er und vergräbt das Gesicht in Yoongis Schulter. „Ich dachte du stirbst, Hyung. Wie konntest du mir das antun?", bringt er hervor, hebt sein Gesicht nicht von Yoongis Schulter, während er den Tränen freien Lauf lässt. Bis eben hat er noch ziemlich gefasst gewirkt, aber nun merke auch ich, wie sehr ihm das alles zugesetzt hat.
„V-vielleicht sollte ich euch mal alleine lassen", bringe ich unsicher hervor und möchte Yoongis Hand von meinem Handgelenk lösen. Er lässt es zwar zu, allerdings nur, um nach meiner Hand zu greifen und mich näher an das Bett ranzuziehen.
„Nein, bitte bleib", sind seine Worte, die mich vom Gehen hindern und ich habe auch keine Kraft, ihm zu widersprechen. Um ehrlich zu sein will ich nichts lieber, als mich in seine Arme zu kuscheln und zu weinen. Aber Jungkook hat das viel dringender nötig, als ich, weswegen ich einfach nur nicke und stumm bleibe.
„Jungkook", höre ich Yoongi sagen, während er ihm durch die Haare streicht. Mit der anderen Hand hält er nach wie vor meine und ich spüre, wie er seinen Daumen sachte über meinen Handrücken wandern lässt.
„Guck mich an, Jungkook. Bitte." Es fühlt sich falsch an, hier zu sein, als würde ich stören und ich passe hier im Moment auch absolut nicht rein. Allerdings hat Yoongi mich gebeten, hier zu bleiben und diesen Wunsch möchte ich ihm nicht abschlagen.
Jungkook hebt seinen Blick und schaut ihn durch nasse Augen an. „Es tut mir leid, ich hab nicht nachgedacht. Ich würde dich niemals freiwillig zurück lassen, okay? Es tut mir leid."
Mit diesen Worten senkt er seine Lippen auf Jungkooks Stirn, ehe er meine Hand loslässt und ihn in eine Umarmung zieht. „Verlass mich nie wieder mehr, Hyung. Ich hatte so große Angst."
Eine ganze Weile verweilen die beiden so, zumindest bis Jungkook sich irgendwann aufrichtet und sich peinlich berührt die Tränen wegwischt. „Ich sollte mal ein wenig an die frische Luft. Ihr beide habt auch noch einiges zu klären", sagt er, nachdem er einmal tief ein und aus geatmet hat und zwingt sich ein Lächeln auf, ehe er auch schon durch die Tür verschwindet.
Mit einem Mal ist es komplett still und es ist nur noch das nervige Piepen zu hören, was mich bisher aber ziemlich beruhigt hat, da es der einzige Beweis dafür war, dass Yoongi noch lebt.
„Es tut mir leid, Hyung", breche ich die Stille. „Alles, was ich an dem Tag gesagt habe, habe ich nicht so gemeint. Ich weiß auch nicht, ich war einfach so wütend und es wurde mir alles zu viel. Das war es nicht wert. Du bist viel wichtiger und es hätte niemals so weit kommen sollen", sage ich, kann die Tränen auch nicht länger zurück halten.
„Du musst dich für nichts entschuldigen, Jimin. Es war nicht deine Schuld." Er seufzt und greift erneut nach meiner Hand, diesmal zieht er mich aber zu sich auf's Bett, sodass ich in seinen Armen liege.
„Jimin, ich glaube es wird Zeit, dass ich ehrlich dir gegenüber bin", sagt er und ich merke deutlich, wie schwer es ihm fällt. „Ich wollte es dir nie sagen, keine Ahnung wieso. Vielleicht wollte ich dich nur beschützen oder ich wollte einfach nicht, dass du mich als schwach siehst. Du hast mich gebraucht und ich hatte Angst, dass du mich mit anderen Augen sehen wirst, wenn du es weißt."
Gespannt schaue ich ihn an, traue mich nicht, ihn zu unterbrechen, auch, wenn ich im Moment ziemlich verwirrt bin. „Ich bin krank, Jiminie. Psychisch. Ich war schon immer labil und habe mir Gedanken um den Tod gemacht. Unser Streit war nicht der Auslöser dafür. Aber danach hat alles für mich einfach keinen Sinn mehr gemacht, ich dachte, es sei aus zwischen uns und du hast mir in der Zeit, in der wir zusammen waren, einen Grund gegeben, leben zu wollen. Nach dem Streit bin ich einfach in alte Muster verfallen, so, wie es auch schon war, bevor wir uns kennen gelernt haben. Hätte ich dich nicht kennen gelernt, hätte ich es wahrscheinlich schon viel früher getan. Du hast mir nur geholfen, länger durchzuhalten. Du trägst keine Schuld an alldem."
Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll. Genauso wenig weiß ich, was ich denken oder wie ich reagieren soll. Er hatte all die Zeit psychische Probleme und ich habe von all dem nichts gemerkt. Ich habe es nicht mal in Frage gestellt, ich war viel zu sehr mit mir selber beschäftigt und habe ihn mit all meinen Problemen belastet, statt ihn mal zu fragen, wie es ihm denn geht. Oh Gott, ich bin ein schrecklicher Freund und auch, wenn Yoongi das Gegenteil behauptet, kann ich dem gerade keine Beachtung schenken. Viel zu groß sind die Schuldgefühle.
„Ich bin noch nicht fertig. Normalerweise bin ich in Therapie, die lief bisher auch ganz gut. Aber irgendwann hat das mit unseren Treffen nicht mehr geklappt und ich bin immer zu spät gekommen. Das war, weil ich in Therapie war, Jiminie. Es tut mir leid, dass ich es dir nicht gesagt habe, aber ich habe mich einfach nicht getraut. Ich bin ein Feigling. Deswegen hab ich die Therapie irgendwann abgebrochen und zwischen uns lief alles wieder gut, bis du den Zettel gelesen hast."
Mit jedem Wort wachsen die Schuldgefühle in mir immer mehr. Er hat die Therapie wegen mir abgebrochen. Weil ich ihm jedes Mal vorgeworfen habe, dass ihm irgendjemand oder irgendetwas wichtiger als ich ist. Und es stimmt - die Therapie war wichtiger als ich und ich wünschte, dass hätte Yoongi auch gesehen und hätte einfach mit mir gesprochen.
„Ich habe mich an der Uni angemeldet, bevor wir uns kennen gelernt haben. Ich hatte schon komplett vergessen, dass ich noch auf der Warteliste stehe, bevor ich diese Zusage bekommen habe. Und ich wollte es dir sagen. Fuck, Jiminie, das Erste, was mir nachdem ich den Zettel gelesen hab, in den Kopf kam, warst du. Ich hätte dir das niemals verschwiegen und ich hätte dich auch niemals einfach so verlassen. Als du an dem Tag da warst, hab ich die ganze Zeit überlegt, wie ich es dir sagen soll und mir war klar, dass ich das ablehnen würde. Du bist mir nämlich viel wichtiger, Jimin. Wichtiger, als die Therapie und wichtiger, als irgendeine Elite Universität. Unsere Zukunft ist mir am wichtigsten. Und ich verstehe, wenn du nicht mehr mit mir zusammen sein möchtest, aber du bedeutest mir trotzdem noch die Welt, Baby."
Mittlerweile laufen mir die Tränen unkontrolliert über die Wangen und ich fühle mich unglaublich schlecht. „Oh Gott, was redest du da? Ich liebe dich, Yoongi. Ich liebe dich so sehr, dass es schon weh tut."
Es ist das erste Mal, dass diese Worte zwischen uns fallen, aber es ist mir egal, dass es nicht unbedingt der romantischste Zeitpunkt ist, um ihm das zu sagen. Denn es stimmt - ich liebe ihn und es ist mir wichtig, dass er es weiß.
„Es tut mir so leid. Ich hätte mir denken sollen, dass es für alles eine Erklärung gibt. Ich bin so ein schlechter Freund, oh Go-"
Weiter komme ich nicht, da mich Yoongis Lippen, die ich so sehr vermisst habe, unterbrechen. Der Kuss hält nicht lange, aber als wir uns lösen, bemerke ich, dass auch er weint.
„Ich liebe dich auch, Jimin. So unglaublich sehr."
***
Partnerstory written by @riawinchesterx & @elijeon
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