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Jimin Pov

Das Auto, welches wie immer Yoongi fährt, parkt direkt vor der Haustür meines Hauses. In meinem Hals bildet sich ein Kloß, als ich das Auto meines Onkels in der Einfahrt sehen kann. Am liebsten würde ich Yoongi sagen, er soll einfach weiterfahren, aber ich möchte mich der Situation nicht nochmal stellen. Jetzt, wo ich schon einmal hier bin, möchte ich es auch endlich hinter mich bringen und meine Sachen holen, damit ich das alles hinter mir lassen und nach vorne blicken kann.

Die ganze Zeit über habe ich mich mit dem Gedanken auseinandergesetzt, ein letztes Mal einen Fuß in dieses Haus zu setzen und womöglich in das verräterische Gesicht meines Onkels zu blicken. Jetzt, wo das Ganze jedoch so unfassbar real wird, möchten meine Beine sich einfach nicht bewegen. Ich weiß nicht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Die Wut, die Enttäuschung, einfach all die Gefühle ihm gegenüber, möchte ich nicht zulassen. Ich fühle mich einfach viel zu erschöpft, um darüber zu reden, ich will all das in die hinterste Ecke meiner Gedanken schieben und es vergessen und ihn sowieso seine verlogene Art einfach nie wieder sehen.

Die ganze Zeit über gaukelt er mir den netten Onkel vor. Er gab mir das Gefühl, er wäre für mich da, aber letztendlich bin ich ihm egal. Er wollte mich genauso wenig wie mein Vater, genauso wenig wie meine Mutter, denn jeder von ihnen hat mich weitergereicht wie ein Ding, das keine Gefühle besitzt.

Mir entweicht ein Seufzer, als ich den Kloß in meinem Hals hinunterschlucke und meine inzwischen schwitzigen Hände an meiner Hose trocken reibe. Natürlich bemerkt Yoongi, dass ich im Moment mit mir selbst kämpfe, allein schon, weil wir schon gut zwei Minuten parken und ich nicht aus dem Auto steige.

„Bist du dir sicher, dass ich nicht mit rein kommen soll?", fragt er mich, weshalb ich meinen Blick zu ihm lenke und noch einmal tief durchatme, mich zu einem leichten Lächeln zwinge und schließlich mit dem Kopf nicke. „Ich brauchte nur ein paar Sekunden, Hyung, warte bitte hier auf mich. Das schaffe ich schon alleine", versichere ich ihm. Er bedeckt mich mit einem sanften Blick, nickt schließlich und beugt sich zu mir, um mir einen kurzen Kuss zu geben, der mich schließlich auch ein ganzes Stück entspannt. „Okay. Ich warte hier auf dich", haucht er.

Letztendlich finde ich dann auch den Mut, nicke noch einmal, ehe ich aus dem Auto steige und mich zur Tür begebe. Immer wieder spreche ich mir innerlich Mut zu, gehe alles in meinem Kopf durch, damit alles ganz schnell über die Bühne geht, ich meine Sachen hole und einfach verschwinde.

Doch so einfach scheint mir das Leben es nicht machen zu wollen, denn als ich bereits die Tür öffne und das Haus betrete, kann ich seine Stimme hören.

„Jimin? Bist du es?", höre ich ihn rufen. Was ein verdammter Zufall, dass er gerade jetzt hier ist. Würde ich auf dem Stand vor den Briefen sein, wäre ich unfassbar glücklich über seine Anwesenheit, aber an der Stelle kann ich nichts von Glück verspüren. Ich muss mich stattdessen zusammenreißen und all meine negativen Gefühle runterschlucken, um jeglicher Konfrontation aus dem Weg gehen zu können.

Seine Frage ignoriere ich einfach, ohne irgendetwas zu erwidern, oder einen Blick ins Wohnzimmer zu werfen, benutze ich die Treppen nach oben in mein Zimmer. Bevor ich dieses jedoch betrete, nehme ich eine riesige Tasche aus dem Schrank im Flur, welche ich dann auch auf meinem Bett ausbreite und schließlich meinen Kleiderschrank öffne.

„Chim?", höre ich ihn ein weiteres Mal rufen. Auch jetzt ignoriere ich ihn einfach, beginne damit, meine Klamotten auszuräumen und in meine Tasche zu packen. Eine ganze Weile herrscht Stille, ich denke sogar, dass er jetzt einfach nachgegeben hat. Als ich jedoch meine Kulturtasche schnappe und ins Bad verschwinde, kann ich seine Schritte vernehmen, höre, wie er die Treppen nach oben steigt und ein weiteres Mal nach mir ruft.

„Meine Güte, Chim, wirst du mit dem Alter etwa schon schwerhörig? Ich rufe dich die ganze Zeit", sagt er lachend, als ich im Bad stehe und dabei bin meinen ganzen Kram in die Tasche zu räumen. Seine sonst so lockere Art, welche ich immer so gemocht habe, erscheint mir ironischerweise genau in diesem Moment wie ein rotes Tuch. Allein nämlich dieser Satz lässt die Wut in mir ansteigen.

„Hey, Kleiner, hörst du mich etwa immer noch nicht? Muss ich mir Sorgen machen?", meint er nun, während er gegen die Tür lehnt, was ich durch den Spiegel im Bad bemerke. Sobald ich jedoch meine Sachen fertig gepackt habe, möchte ich einfach an ihm vorbei laufen, ihn weiter ignorieren, mein restliches Zeug packen und einfach verschwinden. Doch zu meinem Versagen versperrt er mir den Weg, als er sich so in den Türrahmen stellt, dass es keinen Weg dran vorbei gibt. Damit zwingt er mich auch dazu, ihm Beachtung zu schenken.

„Könnte ich mal bitte durch?", versuche ich ruhig hervorzubringen, kann jedoch nicht verhindern, unglaublich angepisst zu klingen. Er zieht eine Augenbraue hoch und bedeckt mich mit einem verwirrten Blick. „Auf was für einen Trip bist du denn, Kleiner? Ist alles okay?", fragt er mich.

„Ja, alles super. Du stehst mir gerade im Weg und ich will verdammt nochmal durch. Also kannst du mal Platz machen?", bringe ich nur noch genervter hervor und versuche schließlich durch eine Lücke zu entkommen, doch auch das verwehrt er mir, indem er eine Hand auf meinen Brustkorb legt und mich leicht zurück drängt, mich nun nicht nur noch verwirrt sondern schon fast empört anschaut und schließlich auch eine ernstere Miene auflegt.

„Stop mal. Wie redest du gerade mit mir? Ich lasse vieles durchgehen, aber wenn du respektlos wirst, müssen wir mal ein ernstes Wörtchen miteinander reden."

Bei seinen Worten kann ich mir einen verächtlichen Lacher nicht verkneifen. „Ach und für wen hältst du dich, dass du mir irgendetwas vorschreiben kannst? Meinen Vater? Ah nein, sorry, diese Bürde möchtest du ja nicht auferlegt bekommen." Mit diesen Worten schaffe ich mir schließlich auch den Freiraum, den ich brauche, um endlich aus dem Bad gehen zu können. Er scheint nämlich für eine Sekunde ziemlich perplex, weshalb er auch keinen Widerstand mehr leistet.

Doch spätestens als ich wieder im Zimmer stehe und meine Tasche weiterpacke, scheint er wieder bei Sinnen zu sein und folgt mir auch.

„Wovon zum Teufel sprichst du da?", spielt er den Ahnungslosen, woraufhin ich mir gerade so noch einen weiteren Lacher verkneife. „Und was machst du überhaupt? Wieso packst du deine Sachen?", hakt er weiter nach, wobei ich jetzt schon fast Verzweiflung aus seiner Stimme heraus hören kann. Aber so etwas wie Mitleid empfinde ich kein bisschen. Es kümmert ihn nicht, dass ich hier ausziehe - ausgesprochen habe ich es zwar nicht, aber er ist zumindest schlau genug, um eins und eins zusammenzählen zu können. Viel mehr stört ihn wohl, dass sein kleines, schönes Kartenhaus mit einmal Mal zusammenbricht und die verdammte Wahrheit ans Licht kommt.

Er weiß genau, dass ich es weiß, aber er möchte es entweder nicht wahrhaben, oder will auf Nummer sicher gehen und hakt deshalb nach. Es könnte ja die wunderbare Möglichkeit bestehen, dass ich doch von was ganz anderem rede.

Meine eigenen Gedanken treiben mich zur Weißglut und seine Stimme, die ein weiteres Mal fragt, wovon ich rede, kippt nur noch Öl ins Feuer. Ich beginne damit meine Sachen aggressiver einzupacken und sie regelrecht in meine Tasche zu stopfen.

„Verdammt, Jimin, rede jetzt mal gefälligst mit mir und hör auf zu packen!" Nun wird auch er etwas lauter, seine Stimme schneidender und als er seine Hand auf meine Schulter legt, um mich dazuzubringen, eine Pause vom Packen einzulegen, platzt mir schließlich auch der Kragen und ich drehe mich um; klatsche seine Hand schlagartig weg und schaue ihn nicht nur wütend, sondern auch verletzt an. „Fass mich nie wieder an!", bringe ich lauter hervor und versuche meine bebenden Lippen zu beruhigen. Nein, ich werde sicher nicht anfangen zu weinen und ihm diese Genugtuung geben.

„Du weißt genau, wovon ich rede, also hör endlich auf mich zu verarschen und hab endlich mal die Eier, ehrlich zu mir zu sein!", bringe ich hervor und balle die Hände zu Fäusten, bohre mir meine Fingernägel in die Handinnenflächen, sodass ich mich selbst ermahne; nicht komplett den Verstand verliere und meine Wut irgendwo herauslassen kann. So etwas, wie Respekt wird bei mir immer großgeschrieben, aber vor diesem Menschen habe ich jeglichen Respekt verloren.

„Als wüsstest du nicht, wovon ich spreche!", bringe ich hervor, hebe die Hände und schubse ihn leicht nach hinten. „Ich habe diese scheiß Briefe gefunden und die verfluchte Wahrheit erfahren!" Ein weiteres Mal schubse ich ihn, es ist nicht wirklich dolle, aber dennoch stolpert er zurück. „Die ganze Zeit über hast du mir den verständnisvollen, coolen Onkel vorgespielt, aber letztendlich bin ich dir von Anfang an einfach nur egal gewesen. Du wusstest die ganze Zeit, dass er mich wie Dreck behandelt, dass ich ihm egal bin. Du wusstest, wie sehr ich darunter litt und wie sehr mir elterliche Liebe in meinem Leben gefehlt hat. Aber du hast nur an deinen eigenen Arsch gedacht, es hat dich nie interessiert, was mit mir war."

Ich lege eine kurze Pause ein, schüttle den Kopf verletzt und entferne mich wieder ein ganzes Stück von ihm. „Seitdem ich auf dieser Welt bin, werde ich von niemanden gewollt und nur rumgeschubst. Bin ich wirklich so schlimm? Bin ich so eine Belastung für jeden, dass man mich wie einen Gegenstand weitergibt?" Auch jetzt schaffe ich es gerade noch mir die Tränen zu verkneifen, ich möchte diesen Schmerz nicht zulassen und ich möchte vor allem nicht, dass er mich so sieht.

„Jimin." Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen, und obwohl ich noch lange nicht dazu in der Lage bin, ihm das zu verzeihen, erhoffe ich wenigsten die Worte „Es tut mir leid" aus seinem Mund zu hören. Doch das Leben hält nur einen weiteren Schlag für mein Gesicht bereit, denn so ist es von Anfang an gewesen und so wird es vermutlich auch immer sein.

„Wie bist du nur an diese gottverdammte Kiste gekommen, Jimin? Wieso hast du nur diese Briefe gelesen?"

Spätestens nach diesen Worten realisiere ich es. Die Hoffnung darauf, dass ich zumindest ihm doch noch etwas bedeuten könnte, erlischt mit einem Mal. Ich weiß nicht, ob es die Fassungslosigkeit ist oder die plötzliche Leere, die sich in mir ausbreitet, weil mir vermutlich all das hier egal ist. Es ist, als würde jemand einen Schalter in mir umlegen, der für meine Gefühle steht. Ich starre ihn noch kurz an, drehe mich dann aber um und ziehe den Reißverschluss meiner Tasche zu, um diese über meine Schulter zu werfen.

„Eine Mutter, die dich weggibt und sich nicht für dich interessiert. Einen Vater, der dich wie scheiße behandelt und dem du schlichtweg egal bist und einen Onkel, der dir vorgaukelt, du wärst ihm wichtig, aber im Grunde genommen kein Stück besser ist, als die anderen beiden. So eine tolle Familie wünscht sich doch jeder, hab ich recht?", fasse ich knapp und mit einem deutlichen Unterton zusammen, ehe ich noch ein letztes Mal in sein sprachloses Gesicht blicke, schließlich einfach nur noch an ihm vorbei gehe und endlich aus diesem verdammten Haus verschwinde.

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Partnerstory written by @riawinchesterx & @elijeon

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