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Jimin Pov

Auch, als ich zurück ins Auto steige, wirke ich ziemlich gefasst und vielleicht sogar gleichgültig. Natürlich erzähle ich Yoongi alles und er reagiert dementsprechend besorgt, aber ich versichere ihm mehrmals, dass alles in Ordnung ist und für den Moment glaube ich das sogar selber. Deshalb bleiben wir auch bei unserem kleinen Plan Taehyung und Jungkook - welcher auch extra bei ihm ist -  zu besuchen und Zeit mit Ihnen zu verbringen. Die ganze Zeit über habe ich meinen besten Freund vermisst und genau aus diesem Grund möchte ich es nicht mehr aufschieben und noch länger darauf warten, ihn wieder zu sehen.

„Wir können auch erst einmal nach Hause oder etwas essen gehen, wenn du dich sammeln möchtest", meint Yoongi, sobald wir aus dem Auto steigen und er mir gegenübersteht, seine Hand hebt und sanft über meine Wange streichelt. Seine Sorge weiß ich durchaus zu schätzen, aber dennoch besteht kein Grund dazu, zumindest empfinde ich es in dem Moment nicht so, also schüttel ich den Kopf. „Ich muss mich nicht sammeln, mir geht es wirklich gut", gebe ich ihm zu verstehen, kann jedoch nach wie vor sein Misstrauen spüren.

„Jiminie, versteh mich nicht falsch, aber ich glaube nicht, dass es dir so gut geht. Nachdem, was du mir erzählt hast, kann ich das einfach nicht glauben, ich kenne dich doch. Im Moment wirkst du so, als würde das einfach an dir abprallen und das bereitet mir schon irgendwie ziemliche Sorgen, weil das nicht wirklich nach dir klingt."

Während er spricht, lege ich den Kopf etwas schief und beobachte ihn genau. Ich betrachte seine Lippen, die ein wenig trocken werden, weswegen er sie immer wieder mit seiner Zunge befeuchtet. Ich beobachte das Fältchen zwischen seinen Augenbrauen, das entsteht, wenn er besorgt die Augenbrauen zusammenzieht. Und er hört auch nicht auf über meine Wange zu streicheln, was eine Wärme durch meinen ganzen Körper jagt.

Im nächsten Moment hebe ich meine Arme und lege meine Hände auf seinen Nacken, lehne mich gegen das Auto und schaue ihm direkt in die Augen, bevor ich meine nächsten Worte ausspreche. „Bitte, Hyung, glaub mir. Mir geht es gut, ich bin einfach froh dich bei mir zu haben. Das mit meinem Onkel, oder meinem Vater, was auch immer, ich möchte es einfach hinter mir lassen. Du bist jetzt wichtig und ich brauche einfach eine kleine Pause von all dem. Deshalb möchte ich auch wirklich Taehyung und Jungkook wieder sehen."

Unsicher wirkt er auf meine Worte hin zwar immer noch, aber er beschließt, mir zu glauben, sodass wir kurze Zeit später auch endlich hinein gehen.

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„Stehen genug Gläser auf dem Tisch?", ruft Taehyung aus der Küche, weswegen wir ihm nahezu im Chor ein Ja zurufen. Dann gesellt auch er sich endlich zu uns, lässt sich direkt neben mir auf der Couch nieder und legt die zwei Colaflaschen auf den Couchtisch. Zusätzlich zum ganzen Essen, dass die beiden auch noch bestellt haben. Als ich all das Essen gesehen habe, war ich nur noch glücklicher darüber gewesen, nicht vorher essen gegangen zu sein.

„Das ist verdammt viel, wer soll das denn alles essen?", bringe ich lachend hervor, beuge mich vor und greife die Cola, um mir etwas von dieser in mein Glas schenken zu können. „Keine Sorge, es wird schon nichts weggeschmissen", versichert Jungkook fröhlich und bedient sich auch schon am Essen, was mich und die anderen in der Runde schmunzeln lässt.

„Gott, ich habe dich gefühlte Jahre nicht mehr gesehen, Jimin", beschwert Tae sich nach einer Weile und als Yoongi und Jungkook ebenso in ein Gespräch verfallen, widme ich mich vollkommen meinen besten Freund.

„Tut mir echt leid, Tae. Es ist ganz schön chaotisch gewesen in letzter Zeit." Auf meinen Lippen ruht ein müdes Lächeln, ehe ich auch noch seufze, was ihn natürlich sofort hellhörig werden lässt. Er zieht die Augenbrauen zusammen und legt seinen Teller beiseite, um mir seine komplette Aufmerksamkeit schenken zu können. „Bereits als du rein gekommen bist, habe ich gemerkt, dass es dir nicht gut geht. Was ist denn nur los, Jiminie, du redest überhaupt nicht mehr mit mir."

Bei seinen Worten muss ich ein weiteres Mal seufzen, ich schaue zu Boden und ziehe die Schultern leicht hoch. „Wo soll ich nur anfangen, Tae", murmle ich und entschließe mich dazu, einfach mit der Tür ins Haus zu fallen. „Mein Onkel Byun, ich habe erfahren, dass er nicht mein Onkel, sondern mein leiblicher Vater ist und das auch nur durch einen blöden Zufall. Das hat mich unfassbar überrumpelt, deshalb sind wir auch einige Tage aus Seoul raus", erkläre ich ihm, was bei ihm bereits totale Verwirrung auslöst. „Halt, was?", erwidert er. „Erzähl mir keinen Scheiß", fügt er fassungslos hinzu.

„Ich sag's dir, Tae, das ist so abgefuckt. Letztens habe ich ein Dokument gesucht, welches ich für die SOPA brauchte, dabei bin ich auf eine Kiste in seinem Zimmer gestoßen. Ich habe mir nichts dabei gedacht, als ich sie geöffnet habe und da tausende Briefe gesehen habe. Anfangs war ich natürlich total verwirrt, insbesondere, als ich realisierte, dass die Briefe von meiner Mutter waren. In einem der Umschläge war schließlich meine Geburtsurkunde und ja.. so habe ich es dann erfahren", seufze ich, kann nun doch wieder dieses komische Gefühl in meinem Brustkorb wahrnehmen, was mir an der Stelle überhaupt nicht passt. Dennoch spreche ich weiter. „Bevor wir hierher gefahren sind, waren wir auch kurz dort, damit ich meine Sachen abholen kann, weil ich keine Minute mehr dort bleiben wollte."

„Du bist ausgezogen?", fragt er nach, was ich mit einem Nicken bestätige. „Ich wohne jetzt erstmal bei Yoongi", bestätige ich. „Und war dein Onkel zu Hause, als du dein Zeug geholt hast?"

Auch jetzt nicke ich. „Ich habe ihn damit konfrontiert, obwohl ich es gar nicht vorhatte. Seine Reaktion hat mir schließlich gezeigt, wie scheiß egal ich ihm bin, er hat sich nicht einmal bei mir entschuldigt, gar nichts. Wundern tut es mich eigentlich nicht wirklich, gewohnt bin ich es ja, aber naja."

„Jimin...", murmelt er, die Fassungslosigkeit nach wie vor in seinem Gesicht geschrieben. Er hebt zunächst eine Hand und legt sie auf meinen Rücken, rutscht näher zu mir und zieht mich schließlich in eine Umarmung. „Das tut mir so leid, fuck. Wenn du irgendetwas brauchst, bin ich für dich da." Er drückt mich noch fester und natürlich erwidere ich seine Umarmung, muss dann aber leicht lachen. Wieso, kann ich selbst nicht sagen, vielleicht, weil ich die Traurigkeit nicht zulassen möchte.

„Alles gut, Tae, ich komme schon damit zurecht. Danke."

Er schaut mich an und seufzt nur, fährt mir durchs Haar und beißt sich leicht auf die Unterlippe, wobei ich tatsächlich irgendwann sogar einen Schimmer in seinen Augen erkennen kann.

„Nein, Taehyung, mir geht es wirklich gut. Lass uns nicht in diese Stimmung verfallen, ich bitte dich", bitte ich ihn, hebe die Hand und tippe kurz gegen sein Kinn, merke jetzt jedoch doch wieder diesen widerlichen Kloß in meinem Hals. Statt jedoch in Tränen auszubrechen, lache ich wieder leicht, um dieses Bedürfnis zu überspielen. „Ich gehe kurz ins Bad und wenn ich wiederkomme, essen wir gemeinsam und genießen das hier einfach, ja? Tu mir bitte diesen Gefallen."

„Wenn du das möchtest, Jiminie, dann können wir das so machen", stimmt er zu, nickt und wischt sich mit den Händen über seine Augen und reißt sich wegen mir zusammen. Natürlich kann ich ihn verstehen. Wenn ich merken würde, dass es ihm nicht gut geht, dann würde es mir nicht anders ergehen, aber ich möchte einfach wirklich nicht darüber reden oder ihn so sehen. Nicht deswegen.

Wie ich es zuvor gesagt habe, mache ich mich schließlich auf dem Weg ins Bad, versuche mich die ganze Zeit zusammenzureißen, auch, als ich die Tür hinter mir schließe und mich ans Waschbecken stelle. Den Kloß in meinem Hals versuche ich runterzuschlucken, ich presse die Lippen aufeinander und versuche dagegen anzukämpfen, aber es überrollt mich einfach. Nicht nur das, was heute passiert ist. Auch Taehyungs trauriges Gesicht, als ich ihm eben davon erzählt habe. Oder die Albträume, die ich nachts nicht mehr loswerde und deshalb kaum Schlaf bekomme. Oder die unermessliche Angst Yoongi endgültig zu verlieren. Es ist alles zusammen. Weil es sich so anfühlt, als würde mich die Last, die sich in den letzten Wochen langsam und schleichend gebildet und sich über meinem Herzen ausgebreitet hat, erdrücken.

Meine Augen füllen sich mit Tränen, ehe meine Hände fester das Waschbecken greifen, ich meine Augen zusammenkneife und die Tränen schließlich einfach über meine Wangen kullern.

Ich will nicht vor meinen Freunden weinen, nicht vor Yoongi. Er wird sich nur wieder Sorgen machen, wird mich trösten wollen und dann wird der Schmerz nur noch realer und intensiver. Viel lieber verdränge ich ihn, denn ich fühle mich einfach nicht in der Lage, um mich ihm zu stellen. Keine Ahnung, wann ich an diesem Teil meines Lebens gekommen bin. Ich stehe im Badezimmer meines besten Freundes und heule mir die Augen aus, weil ich mit meinem Leben nicht zurechtkomme und ich frage mich langsam, wie lange das noch so weitergehen kann und wie lange ich das überhaupt noch aushalte.

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Partnerstory written by @riawinchesterx & @elijeon

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