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Jimin Pov
Der Abend verlief besser, als erwartet, nachdem ich mich halbwegs beruhigt und zusammengerissen habe. Glücklicherweise konnte ich mir auch nichts anmerken lassen, sobald ich aus dem Bad kam. Wir saßen alle gemeinsam am Tisch, haben geredet und irgendwann tatsächlich sogar gelacht. Für eine klitzekleine Sekunde hat es sich wirklich so angefühlt, wie früher. So unbeschwert. Zwar ging es mir damals auch nicht wirklich gut, Schuld daran war unter anderem kein geringerer, als mein Vater, aber ich konnte wenigstens immer abschalten, als auch vergessen. Und ich hatte nicht das Gefühl, als würde ich daran kaputt gehen, so, wie es mittlerweile der Fall ist.
„Hyung, ich bin einfach nur erschöpft", seufze ich leise und schiele kurz zu Yoongi, welcher neben mir hergeht, während wir gemeinsam seine Wohnung ansteuern. Wir sind vor einigen Minuten gegangen, denn nicht nur Jungkook war mit der Zeit auf der Couch eingeschlafen und hatte sich an Yoongi gekuschelt, sondern auch Tae wurde irgendwann ganz schön müde. „Ich weiß, Baby. Jetzt sind wir ja da", erwidert er, haucht einen Kuss auf meinen Nacken, da er hinter mir steht, und streckt dann die Hand aus, um mit dem Schlüssel die Tür zu seiner Wohnung zu öffnen.
Drinnen angekommen ziehe ich meine Schuhe und Jacke aus, ehe ich mit meiner Tasche, welche über meine Schulter liegt, zum Bett gehe und diese schließlich drauf lege.
„Räum schon einmal deine Sachen in den Schrank, ich habe auch bereits Platz für dich gemacht. Ich springe in der Zeit schnell unter die Dusche", erklärt Yoongi mir und verschwindet einige Sekunden darauf auch schon ins Bad. Froh darüber, bereits heute Morgen geduscht zu haben und es dementsprechend jetzt nicht mehr zu müssen, ziehe ich mir zunächst mein Shirt über den Kopf und schmeiße es in eine Ecke - darum kümmere ich mich einfach morgen -, ehe ich meine Tasche öffne und meine Klamotten ausräume.
Bevor ich jedoch die gesamte Tasche ausräume und die Klamotten vorerst aufs Bett lege, schlüpfe ich auch aus meiner Jeans und ziehe mir ein frisches Shirt an. Dazu, anschließend meine ganzen Sachen in den offenen Schrank einzuräumen, komme ich gar nicht, denn als mein Blick auf etwas in meiner Tasche fällt, macht sich bereits ein ungutes Gefühl in meinem Bauch bemerkbar.
Es sind die Bögen für die SOPA.
Ich nehme sie in die Hand und setze mich langsam aufs Bett. Diese Zettel erinnern mich nicht nur daran, was mein Onkel mir angetan hat, daran, dass ich die Briefe gefunden und eine unglaublich große Wunde aufgerissen habe, von der ich selbst nicht einmal etwas wusste. Es lässt mich auch etwas realisieren. Etwas, das ich die ganze Zeit über nicht bemerkt hatte.
Ich hatte ihm diese Bögen gegeben, damit er sie unterschreiben kann. Und als ich sie, bevor ich heute von dort abgehauen bin, noch gegriffen habe, habe ich keinen Gedanken daran verschwendet, ob er es auch schon getan hat.
Die Unterschrift, um die ich meinen Onkel nämlich vor dem Ganzen gebeten hatte, hat er nie gesetzt.
Ob er es vergessen hat, weiß ich nicht, ähneln würde es ihm jedenfalls, aber das spielt ohnehin keine besondere Rolle. Denn Fakt ist: ohne seine Unterschrift, kann ich nicht die SOPA besuchen. Ich bin nach wie vor noch nicht volljährig, zwar habe ich bald Geburtstag, aber die Frist für die Abgabe ist davor, so muss nach wie vor ein Erwachsener für mich unterschreiben. Und es kann nicht irgendjemand sein, es müssen mein Vater oder mein Onkel sein.
Meine Kapazität ist inzwischen so sehr ausgeschöpft, ich habe nicht einmal die Energie dazu, um eine Miene zu verziehen, geschweige denn mich darüber aufzuregen oder auch einfach nur traurig darüber zu sein. Mein Arm lockert sich, ich halte das Blatt noch gerade so zwischen meinen Fingern und starre schließlich einfach nur Löcher in die Luft.
Die SOPA ist mein großer Traum, aber niemals könnte ich zurück in dieses Haus und mich all dem nochmal stellen. Mein Vater würde in erster Linie sowieso nicht unterschreiben, es ist ihm egal, was aus mir wird und er hält sowieso alles, was ich tue, für Dreck. Vermutlich hat er nicht einmal mitbekommen, dass ich schon eine ganze Weile nicht mehr da bin, so egal, wie ich ihm bin. Und meinen Onkel würde ich niemals mehr um etwas bitten, außerdem könnte ich es nicht ertragen, ihm noch einmal gegenüberzustehen.
Keine Ahnung, wie lange ich da so sitze und einfach nichts tue, aber irgendwann lege ich mich mit dem Rücken aufs Bett und setze das Ganze einfach in dieser Position fort; starre also an die Decke.
Vermutlich liege ich einige Minuten so da, denn irgendwann vernehme ich die Tür zum Bad, welche geöffnet wird, und kurz darauf höre ich auch Yoongis Schritte. „Gott, tat das gut", höre ich ihn sagen, bis er schließlich auch bei mir ist. „Du hast ja überhaupt nichts eingeräumt. Bist du etwa eingeschlafen?", bemerkt er sofort, wobei er seine letzten Worte leise und eher zu sich spricht, wirft schließlich einen genaueren Blick auf mich, doch meine geöffneten Augen verraten ihm sofort, dass ich keineswegs schlafe.
„Jimin?"
„Er hat sie nicht unterschrieben." Ohne meinen Blick von der Decke zu nehmen, hebe ich meine Hand, in welcher ich den Zettel halte, und kurz darauf wird mir dieser auch aus der Hand genommen. „Was ist das?" Zwar schaue ich ihn nicht an, aber aufgrund der kurzen Stille, die darauf folgt, kann ich mir bereits denken, dass er sich die Bögen durchliest und die Frage selbst beantwortet. Somit erspare ich mir auch eine Antwort.
Ich vernehme zunächst das rascheln der Blätter wahr, kurz darauf jedoch eine Schublade, welche er öffnet, vermutlich die Bögen hineinlegt, und sie schließlich wieder schließt. „Darüber musst du dir keine Sorgen machen. Ich lasse mir da etwas einfallen."
„Hyung, ich weiß, du meinst es nur gut. Aber was möchtest du denn tun? Wir wissen beide, dass es ein Erziehungsberechtigter unterschreiben muss und du deshalb nicht in Frage kommst. Ich müsste also nochmal zu meinem Onkel und da ich das nicht tun werde, kann ich die SOPA ganz einfach abschreiben", erwidere ich etwas gereizt, da spüre ich aber auch schon, wie die Matratze sich ein wenig senkt, als er sich direkt über mich beugt und ich nicht länger an die Decke, sondern direkt in sein Gesicht blicke.
Meine Stimmung ändert sich zugegebenermaßen schlagartig, bei seinem Anblick, denn als mein Herz zu flattern beginnt, vergesse ich sogar kurz, was mich vor einer Sekunde noch so aufgeregt hat.
Er ist, da er eben aus der Dusche gekommen ist, Oberkörper frei und trägt lediglich eine Boxershorts. Seine Strähnen sind nicht mehr klitschnass, aber eben noch feucht, sie hängen ihm etwas in Gesicht, aber nicht genug, um dieses komplett zu verdecken. Seine helle Haut kommt in dem Licht perfekt zur Geltung, sie glänzt nämlich ein wenig, vermutlich, weil er sich nach der Dusche noch eingecremt hat.
Und Gott, ich weiß nicht wieso, aber seine Lippen sahen noch nie einladender aus.
„Meinst du wirklich, das lasse ich zu? Du wirst die SOPA besuchen und deinen Onkel wirst du dafür nicht sehen müssen, keine Angst, Jimin. Wenn du mir vertraust, betrachte dieses Problem bereits als gelöst."
***
Partnerstory written by @riawinchesterx & @elijeon
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