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Es ist soweit. Es gibt kein Zurück mehr.

Mit schweren Schritten gehe ich den kahlen Flur entlang, wünsche mir nichts sehnlicher, als wieder im Wartezimmer zu sitzen und dem Ticken der Uhr zu lauschen. Vor der beschriebenen Tür bleibe ich stehen, richte meinen Blick auf und lese den Namen meines Psychiaters, welcher neben der Tür hängt. Immer und immer wieder, bis ich den Mut aufbringe und anklopfe.

Die Tür wird von einem Mann mittleren Alters mit einem weißen Kittel geöffnet und sowie auch die Krankenschwester, schenkt auch er mir ein aufmunterndes Lächeln, als er mich in sein Büro bittet. „Setz dich doch", bietet er mir an, lässt sich daraufhin ebenfalls auf seinem Stuhl nieder.

Er überschlägt seine Beine und greift nach einem Stift, ehe er seinen Blick wieder auf mich lenkt.

„Erzähl mir doch erst einmal, wieso du dich einweisen lassen möchtest."

[...]

„Und dann hab ich mit Yoongi geredet und wir sind gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass eine stationäre Aufnahme vielleicht doch besser wäre."

Mit diesen Worten beende ich meine Erzählung, welche der Psychiater aufmerksam verfolgt hat und nebenbei damit beschäftigt war, einige der Informationen auf Blatt zu bringen.

„Also, wenn ich das richtig verstanden habe; du und dein Freund..." - er macht eine Pause und wirft einen Blick auf seine Notizen - „Yoongi habt einiges durchlebt und wolltet einen Neuanfang wagen, weswegen ihr nun hier seid. Aber die Sachen, vor denen du verzweifelt versucht hast wegzurennen, lassen dich trotzdem nicht los."

Fasst er nochmal kurz meine Erzählung zusammen, woraufhin ich als Antwort nicke. „Nun, Jimin... es ist typisch, dass man versucht, von den Ereignissen wegzurennen. Du magst jetzt vielleicht fern von alldem sein und damit nicht mehr konfrontiert werden, allerdings sitzt das Problem viel tiefer. Das alles hat Narben hinterlassen und die kann man selbstverständlich nicht einfach so zurück lassen. Schön wäre es, aber so läuft das leider nicht. Sonst hätte ich schließkich keinen Job mehr. Ich find's gut, dass du dich dafür entschieden hast, die Hilfe in Anspruch zu nehmen und es ist gut, dass du jemanden an deiner Seite hast, der dich unterstützt. Das macht die Sache ein wenig einfacher. Schließlich ist dein Freund mit alldem auch schon vertraut, aufgrund seiner eigenen Krankengeschichte."

Ich muss zugeben, dass ich mich ein wenig dumm dabei fühle, ihm das alles erzählt zu haben. Sogar jedes kleine unnötige Detail, was wahrscheinlich nicht mal wichtig war. Aber er gibt mir nicht das Gefühl, als wäre es unnötig oder dumm gewesen. Stattdessen fühle ich mich sehr verstanden und normal; nicht lächerlich.

„Ich stimme zu, dass eine stationäre Aufnahme das Beste für dich wäre. Das mit dem Neuanfang müsst ihr nicht in die Tonne werfen, das könnt ihr euch hier immer noch erfüllen. Aber das wird sich um einige Monate verschieben müssen, bis es dir besser geht. Allerdings kann ich dir versprechen, dass es besser wird. Es gibt keinen Grund, die Hoffnung zu verlieren. Zurzeit klingt deine Situation nämlich stark nach Depressionen. Genaueres kann ich aber auch noch nicht sagen. Ich würde dir gerne noch einpaar Fragen stellen und anschließend werde ich dir einige Bögen mitgeben, die du ausfüllen sollst. Aber bevor ich damit beginne; hast du noch Fragen?"

Seine Worte geben mir wirklich Kraft und tatsächlich steigt die Hoffnung in mir, in wenigen Monaten das Leben mit Yoongi führen zu können, was wir uns hier in Japan erhofft haben. Es motiviert mich, weiter zu kämpfen. Für Yoongi, für mich. Für uns.

„Wie genau läuft das jetzt ab? Ich meine, werde ich direkt aufgenommen und wie lange sind einpaar Monate?", frage ich, was mir als erstes in den Kopf kommt.

„Nun ja, normalerweise werden die Patienten nach einem Gespräch auf eine Warteliste gesetzt. Allerdings sind auf unserer Station einige Plätze frei geworden und sollten auf der Liste nicht viele Leute stehen, kann es gut sein, dass die Einweisung schon heute erfolgt. Versprechen kann ich dir aber noch nichts, dafür müsste ich mich erstmal mit einigen Leuten in verbindung setzen. Und normalerweise ist man 3 Monate in Behandlung, das ist jedoch von Person zu Person unterschiedlich. In der Therapie wird das dann auch nochmal deutlich."

Nachdem er mir also einige Fragen gestellt hat, verabschieden wir uns und ich begebe mich zurück ins Wartezimmer. Er meinte, dass ich gleich wieder aufgerufen werde und er mir dann eine Tour durch die Station geben wird und anschließend entschieden wird, ob ich auf die Warteliste komme oder direkt aufgenommen werde.

Mein Blick fällt auf die drei Bögen, die er mir in die Hand gedrückt hat, mit welchen ich meine Wartezeit sinnvoll nutzen kann. Bevor ich jedoch dazu komme, die Fragen zu beantworten, spüre ich wie mein Handy in meiner Hosentasche vibriert.

Ich greife sogleich danach und als Yoongis Name auf dem Display erscheint, muss ich lächeln. Gerne hätte ich das gemeinsam mit ihm erlebt, er wurde heute aber spontan zu einer Schicht ins Krankenhaus gerufen, die er nicht verschieben konnte. „Hi", sage ich, sobald ich den Anruf entgegen genommen habe.

„Hi, Baby", kommt es von ihm und es hört sich an, als wäre er außer atem. „Bist du schon fertig? Ich hatte früher aus und hab mich so schnell wie möglich auf den Weg zu dir gemacht." Seine Worte lassen das Lächeln auf meinen Lippen breiter werden. „Ich war schon dran, aber ich muss noch auf eine Antwort warten und wir schauen uns danach noch die Station an. Es würde mich freuen, wenn du dabei wärst, Schatz", erzähle ich ihm.

„Ich wäre auch liebend gerne dabei, Baby", sagt er und diesmal klingt seine Stimme ziemlich nah. Überrascht hebe ich den Blick und springe auf, als ich Yoongi plötzlich an der Tür des Wartezimmers wahrnehme. „Wie hast du mich so schnell gefunden?", frage ich überrascht.

Er zuckt daraufhin mit den Schultern und setzt sich auf den freien Platz neben mich. „Ich arbeite hier, Baby. Außerdem ist der psychiatrische Teil des Krankenhauses nicht unbedingt groß", sagt er.

Ein weiterer Vorteil daran ist, dass Yoongi im selben Krankenhaus arbeitet und mich somit während seiner Pausen immer besuchen kommen kann, da ich immer in der Nähe sein werde. So wird das Gefühl, von ihm fern zu sein, hoffentlich auch nicht unerträglich werden. Genauso wie das Gefühl von Heimweh. Schließlich hab ich bereits lange nicht mehr ohne Yoongi geschlafen und mittlerweile frage ich mich sogar, ob das überhaupt noch möglich ist. Wer wird für mich da sein, wenn ich von einem Albtraum wach werde? Wer wird mich im Arm halten und streicheln, bis ich wieder einschlafe?

Mit einem Mal spüre ich, wie die Trauer in mir aufkommt. So intensiv habe ich darüber nämlich noch gar nicht nachgedacht. Heute wird sich einiges verändern, aber ich weiß, dass ich das für uns tun muss und keinen Rückzieher machen kann.

„Ich werde dich vermissen, Schatz", gestehe ich. Er ergreift daraufhin meine Hand, verschränkt unsere Finger und führt diese zu seinem Mund, um einen Kuss auf mein Handrücken aufdrücken zu können.

„Ich dich auch, aber es wird dir danach viel besser gehen, Baby. Denk nur daran. Ich werde so oft, wie mir nur möglich ist, bei dir sein."

„So...", unterbricht uns der Arzt, in dessen Büro ich eben noch saß. Er macht eine kurze Pause, als er Yoongi bemerkt und reicht ihm seine Hand. „Sie müssen wohl der Ehemann sein, wie passend. Freut mich."

Nachdem sie einen kurzen Händedruck ausgetauscht haben, wendet er sich wieder mir zu.

„Ich kann euch herzlich mitteilen, dass es uns freut, Jimin bereits heute bei uns aufnehmen zu können", teilt er uns lächelnd mit. „Wollen wir uns nun die Station ansehen?"

Bis zu diesem Zeitpunkt ist mir nicht so ganz bewusst, was diese Worte eigentlich bedeuten. Ich realisiere nicht, dass ich mit diesen Worten den Weg einschlagen werde, der mich wieder zu mir selbst führen wird. Ich realisier nicht, was es für mich; für Yoongi bedeutet.

Wenn ich es wissen würde, würde es zwar nichts an der Situation ändern, aber ich würde vermutlich deutlich dankbarer und glücklicher für diese Chance sein.

Ende

Nächstes Kapitel: Epilog

***
Partnerstory written by @riawinchesterx & elijeon

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