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Jimin Pov
Meine Augen sind zwar geschlossen, aber schlafen tue ich nicht mehr. Dennoch kriege ich es nicht sofort hin aus dem Bett zu steigen. Der Tag heute war mal wieder viel zu anstrengend, ich weiß gar nicht, wie ich es geschafft habe, nach der Schule noch Essen auszuliefern. In den letzten Tagen scheint auch das nicht mehr so einfach zu sein. Tatsächlich spiele in inzwischen sogar mit den Gedanken, damit aufzuhören. Unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass ich vor wenigen Wochen noch dachte, ich würde Yoongi nicht mit allem hängen lassen wollen. Das möchte ich eigentlich nach wie vor nicht, aber ich fühle mich ziemlich beschissen.
Nicht körperlich, sondern mental. Mittlerweile fällt mir alles schwer, ich komme morgens nicht aus dem Bett, abends bin ich einfach nur erschöpft, bekomme aber wegen der Albträume kaum Schlaf und tagsüber bin ich schließlich zu nichts zu gebrauchen. So wie heute, als ich nach meinem Nebenjob nach Hause gekommen bin und mich sofort hingelegt habe.
Seufzend drehe ich mich auf den Rücken und öffne die Augen, blinzle mehrmals und drehe den Kopf zum Fenster. Es ist bereits dunkel draußen, ich muss also einige Stunden geschlafen haben. Und Yoongi müsste inzwischen auch hier sein.
Zwar ist mir danach mich einfach auf die andere Seite zu drehen und weiter zu schlafen, aber ich möchte unbedingt Yoongi sehen, also motiviere ich mich dazu aufzustehen. Nachdem ich in der Küche ein kaltes Glas Wasser getrunken und mein Gesicht etwas nass gemacht habe, gehe ich also ins Wohnzimmer, wo ich ihn auch gleich finde.
Er sitzt auf der Couch, trägt mal wieder seine Brille und schielt auf seinen Laptop, welcher auf dem Couchtisch ruht. Neben dem Laptop liegen Papiere, Blöcke und Stifte. Er macht also wieder Uni Kram.
„Hi, Hyung", begrüße ich ihn mit einer kratzigen Stimme, weshalb ich mich räuspere und mich zu ihm auf die Couch geselle. „Baby", meint er, als er mich bemerkt, schielt von seinem Laptop zu mir und setzt sich etwas aufrechter hin. „Du bist wach", stellt er fest. Während ich neben ihm Platz nehme und mich sofort an seine Seite kuschele, nimmt er die Brille von seiner Nase und legt sie beiseite. „Wieso hast du mich nicht geweckt, als du nach Hause gekommen bist? Wir wollten doch heute gemeinsam kochen", frage ich ihn.
Ich lege meinen Kopf auf seiner Schulter ab und umklammere seinen Arm, schließe die Augen und atme tief durch. Obwohl ich so lange geschlafen habe, fühle ich mich absolut nicht erholt. Viel eher so, als hätte mich ein Auto überfahren. „Du schläfst in letzter Zeit nicht gut, ich wollte dich deshalb nicht wecken", sagt er mit einer ruhigen Stimme, hebt seine freie Hand und legt sie auf meine Wange, über welche er mit seinem Daumen streichelt. Obwohl ich ihm nicht erzählt habe, dass ich nicht gut schlafe, scheint er es bemerkt zu haben. Ich nicke einfach nur und schlucke leer, bleibe noch kurz in dieser Position, ehe ich den Kopf ganz leicht drehe und einen Kuss auf seine Hand drücke.
„Jimin?", sagt Yoongi meinen Namen nach einer kurzen Stille, in der wir nichts weiter tun, als die Nähe des jeweils anderen zu genießen, weshalb ich den Kopf von seiner Schulter hebe und die Umarmung um seinen Arm etwas lockere, um ihn anzusehen. Wir schauen uns schließlich an, er sagt zunächst nichts, schaut mich eine ganze Weile an. Es ist keineswegs unangenehm ihm direkt in die Augen zu sehen, ganz im Gegenteil sogar. Und obwohl er nichts sagt, erkenne ich, was er wissen möchte. Ich sehe in seinem Blick, zu was er mich auffordert, da wir in den letzten Wochen nicht darüber gesprochen haben. Einfach, weil ich versuche selbst damit fertig zu werden und ihn nicht damit zu belasten.
Für einen kurzen Moment überlege ich, ob das vielleicht auch nicht das Beste wäre, aber spätestens, als er seine Hand ein weiteres Mal hebt und seine warme Hand auf meine Wange platziert, zweifle ich an diesem Gedanken. „Jimin", sagt er nochmal, diesmal auffordernder und sicherer, weshalb ich mir leicht auf die Unterlippe beiße und versuche nicht sofort die Fassung zu verlieren. Was für ein blöder Gedanke, mal wieder zu glauben, er würde nicht merken, wie es mir die letzten Wochen geht. Und ein blöderer, ihn davon fernhalten zu wollen.
„Du weißt doch, dass du mit mir rede-", möchte er sagen, da unterbreche ich ihn bereits. „Ich weiß", nicke ich und spüre bereits, wie meine Augen glasig werden. Ich möchte nicht lügen, er hat öfters versucht, das Thema anzusprechen, ich habe jedoch immer wieder abgeblockt. „Aber es ist bescheuert. Obwohl du all das für mich; für uns getan hast, hierher gekommen bist, empfinde ich wieder so, wie als wir noch in Seoul waren. Es ist genau dasselbe. Und das ist dir gegenüber nicht fair. Am Anfang dachte ich, es ist besser geworden, aber irgendwann fing es wieder an. Ständig diese Gedanken, diese Sorgen und diese Angst. Die Albträume jede Nacht. Ich will das nicht, Hyung, ich will nicht so denken und möchte stark sein, für dich, für mich, für uns. Aber irgendwie-", möchte ich sagen, bekomme aber keinen anständigen Satz auf die Reihe, da ich nicht genau sagen kann, was das Hauptproblem ist.
„Hyung, ich... verstehe einfach nicht, wieso es nicht verschwindet. Wieso muss ich jeden Tag so fühlen und wieso kann ich dagegen nichts tun? Es frisst mich einfach auf und allmählich glaube ich, dass ich es niemals da raus schaffen werde", bringe ich nun deutlich gebrochener hervor, wobei mein Blick nun auch gesenkt ist. Die erste Träne kullert bereits aus meinem Auge. So schlimm, wie es zurzeit ist, war es gefühlt noch nie. Obwohl ich mich von allem, was mir in meinem Leben schlecht tut, gelöst habe, kann ich nicht damit abschließen und das macht es schlimmer. Es verfolgt mich einfach.
„Hey", meint Yoongi und dreht sich nun komplett zu mir, hebt mein Gesicht und nimmt es schließlich in beide Hände, um mich direkt anschauen zu können. Er wischt mit seinen Daumen meine Tränen weg. „Du bist nicht alleine, Jimin. Das wirst du nie wieder sein, ich habe versprochen, mich um dich zu kümmern und für dich da zu sein. Du musst nicht immer stark sein, du darfst auch traurig sein, das ist nichts, wofür du dich schämen musst. Du musst dich deswegen auch nicht schlecht fühlen, es kann nicht alles immer perfekt laufen, egal, wie die Umstände um einen herum sind. Aber wenn ich sehe, dass du daran zerbrichst, ist es etwas anderes. Da werde ich nicht einfach nur zu sehen."
Meine Lippen zittern und ich kann deutlich spüren, wie ein komisches Gefühl in meinem Brustkorb entsteht.
„Hör mir zu", beginnt er schließlich und schluckt auch. Obwohl er so gefasst wirkt und mir immer Sicherheit verleiht, kann ich momentan auch die Angst in seinen Augen sehen.
„Denk keine Sekunde daran, dass es nicht besser werden kann. Es muss nicht für immer so sein, du kannst es überwinden, glaub mir bitte. Aber ich werde nicht lügen und dir sagen, dass es einfach ist, denn das ist es absolut nicht. Es ist ein steiniger Weg, doch er ist überwindbar. Jimin, du möchtest doch wieder glücklich sein, oder?"
Ohne darüber nachzudenken, nicke ich. „Aber ich weiß nicht, wie, Hyung", bringe ich hervor.
„Jetzt weißt du es noch nicht und wenn du es alleine nicht herausfinden kannst, ist es auch nicht schlimm. Denn genau deshalb gibt es Hilfen, die man beanspruchen kann. Es gibt Möglichkeiten und Wege, aber du musst es wirklich wollen. Du musst dazu bereit sein, etwas zu unternehmen", erklärt er mir und ich presse die Lippen aufeinander, als ich realisiere, was er mir sagen will. Anfangs zweifle ich tatsächlich kurz an seinen Worten, ich denke mir, dass ich keine Hilfe benötige, dass ich es alleine schaffe, dass Yoongi mir immerhin zur Seite steht, aber schnell wird mir bewusst: ich lüge mich damit doch nur selbst an.
„Ich soll zu so etwas wie einem Psychologen gehen?", frage ich Yoongi unsicher, weshalb er leicht nickt und schließlich die Hände von meinem Gesicht nimmt. Er schaut mich an, während ich schließlich den Blick senke und überlege. Ich überlege, ob das der richtige Weg für mich ist, ob ich das wirklich tun möchte.
Letztendlich habe ich doch nichts zu verlieren, oder? Immer wieder sage ich mir, ich möchte diese Gefühle loswerden, möchte glücklich sein. Für Yoongi und für mich. Ich will das Leben genießen können und jede Sekunde, die ich mit ihm habe. Zu verlangen, dass es einfach so verschwindet, ist unrealistisch. Also muss ich dafür kämpfen. Bisher habe ich nie daran gedacht mir Hilfe zu suchen, aber er hat recht, es gibt immer noch Möglichkeiten und Wege. Wieso soll ich die Hoffnung verlieren und aufgeben, obwohl ich keiner dieser Möglichkeiten in Betracht gezogen habe?
„Glaubst du wirklich, ich kann das überwinden? Glaubst du wirklich, ich kann wieder glücklich werden, Hyung? Sagst du das nicht einfach nur so?" Mein Blick ist nach unten gerichtet, als ich ihm diese Frage stelle. Meine Stimme ist leise und ich spiele unsicher mit meinen Fingern.
„Ja, Jimin, ich glaube an dich. Das habe ich schon immer getan und ich werde nie damit aufhören."
In den letzten ganzen Monaten habe ich nach und nach gemerkt, wie ich nur ein Schatten meiner selbst wurde. Ich habe gemerkt, wie jeden Tag ein Stück von mir verloren gegangen ist, bei all dem, was auf mich eingebrochen ist. Aber es wird Zeit, all das wieder zurückzuholen.
„Okay... ich denke, ich werde mir die Hilfe suchen, die ich benötige...", sage ich und hebe den Blick und obwohl mir erneut die Tränen über die Wangen laufen, schaue ich ihn diesmal sogar mit einem kleinen Lächeln an.
***
Partnerstory written by @riawinchesterx & @elijeon
Wir werden ab jetzt eine sehr kleine Lesenacht beginnen, womit die Story dann heute enden wird. 😊
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