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🔱Dreiundfünfzig🔱

Jungkook

Mit einem hellen Lachen beobachte ich Tiramisu dabei, wie sie sich auf meinem Oberschenkel auf ihre Hinterpfötchen stellt und ihre Vorderpfoten dafür auf meinem Bauch abstellt, während sie mich eifrig beschnuppert. Ich habe Taehyungs Haustier in den letzten Tagen immer mehr angefangen zu mögen und von der Unsicherheit, mit der ich der Ratte anfangs begegnet bin, ist nichts mehr übrig. Ich liebe das kleine Tierchen und seit ich realisiert habe, wie goldig Tiramisu tatsächlich ist, verstehe ich meine frühere Meinung über Hausratten gar nicht mehr.

Sie sind nicht eklig, oder krank, nur weil es viele freilebende Ratten gibt. Sie sind wie andere Haustiere, einfach Ratten und sie sind verdammt süss. 

Das sanfte, tiefe Lachen von Taehyung reisst mich aus meinen Gedanken und lässt mich von Tiramisu, die noch immer auf meinem Schoss herumkrabbelt, aufsehen, nach links sehen, nur um Taehyung zu erblicken, der gerade das kleine Wohnzimmer betritt und zu mir kommt. Er hat zwei Dosen in der Hand, und als er neben mir in die Hocke geht und mich und seine Hausratte kurz mit einem zufriedenen Lächeln auf den roten Lippen betrachtet, reicht er mich schliesslich die Coladose und behält den Energydrink für sich. "Sie mag dich", meint er leise und mein Blick fällt wieder auf Tiramisu, die mittlerweile versucht, an meinem Oberkörper raufzuklettern. Ich lächle leise und nehme die Hausratte vorsichtig in meine Hand, bevor ich die Coladose neben mir auf dem Boden abstelle und die Ratte richtig festhalte. "Sie ist so süss", wiederhole ich wohl zum tausendsten Mal, was Tae mit einem amüsierten Lachen zur Kenntnis nimmt.

Der Rothaarige legt auf einmal eine Hand an meine Wange und dreht meinen Kopf so ein wenig zu sich. Aumerksam mustere ich ihn und beginne wie von selbst zu lächeln, als er sich zu mir hinlehnt. Meine Augen fallen zu und ich komme ihm entgegen, damit ich nur Sekunden später seine Lippen auf meinen spüren kann. Mein Herz macht einen aufgeregten Sprung bei dem sanften Kontakt und schlägt dann doppelt so schnell wie zuvor weiter, während ich meine Lippen langsam gegen seine bewege, was er mir gleichtut. Das ist wohl etwas, woran ich mich einfach nicht gewöhnen kann; seine Küsse, sie sind sanft und voller Liebe, lassen mir wohlig warm ums Herz werden und mich gleichzeitig auch erschaudern. Ich liebe es, wie er küsst und ich glaube nicht, dass ich je genug davon kriegen kann. 

Taehyung neigt seinen Kopf leicht und vertieft den Kuss dadurch und ich spüre, wie sein Daumen leicht über meine Wange streichelt, bevor er sich auch schon wieder von mir löst und mir ein kleines Lächeln schenkt, welches ich atemlos erwidere. Der Rothaarige richtet sich wieder auf und begibt sich dann zum Sessel, der hier steht, nimmt im Vorbeigehen seine Zigaretten und das Feuerzeug vom Kaffeetisch, ehe er sich auf das Fauteuil fallen lässt und mit einem Seufzen eine Kippe aus der Packung fischt, sich diese zwischen die Lippen steckt und sie dann mit der Flamme des Feuerzeugs entzündet. Ich beobachte ihn dabei, wie er einen tiefen Zug von der Zigarette nimmt und den Rauch dann langsam ausbläst, welcher sich durch das weit geöffnete Fenster verflüchtigt, neben dem der Sessel steht. Einige Sekunden betrachte ich den Älteren einfach nur, wie er so da sitzt, mit geschlossenen Augen und seinen Gedanken nachhängend, bevor ich mit Tiramisu in den Händen auf die Beine komme und das Tierchen zurück in ihren Käfig bringe, wo sie die Nacht wohl verbringt.

"Hast du Stifte und Papier hier irgendwo?", will ich an den Älteren gerichtet wissen, während ich den Käfig wieder schliesse und höre Tae daraufhin brummen. "Im Schrank neben der Tür", murmelt er träge und ich begebe mich zum Schrank neben der Wohnzimmertür und öffne dessen Türe, nur um einen Stapel Papier und einige Sets von Stiften vorzufinden. "Zeichnest du oft?", will ich über die Schulter von ihm wissen, während ich ein Papier vom Stapel nehme und mir dann auch das Set mit den Kohlestiften unter den Nagel reisse. "Nur zwischendurch", höre ich ihn sagen, während ich die Tür des Schrankes wieder schliesse und dann den Raum durchquere, bevor ich vor dem Kaffeetisch Halt mache, mich vor ihm hinsetze und die Utensilien darauf ablege. Ich nehme mir einen der spitzen Kohlestifte hervor und mustere dann Taehyung eingehend, bevor ich anfange, das Fauteuil auf das Papier zu übertragen. "Nicht bewegen", weise ich den Älteren dabei konzentriert an, als er wieder seine Kippe zu seinem Mund führen und einen Zug davon nehmen will. Ich höre ihn leise auflachen und als ich das nächste Mal aufsehe, um mir die Details des Bildes anzusehen, das ich nachzeichnen will, kreuzen sich unsere Blicke.

"Was tust du da?", will er wissen und trotz meiner Worte nimmt er wieder einen Zug von seiner Zigarette und lässt den Rauch dann langsam durch seinen Mund entweichen, der nur einen kleinen Spalt geöffnet ist. Ich zucke unschuldig mit den Schultern. "Sieht man das nicht? Und jetzt hör auf, dich zu bewegen."

Er grinst amüsiert, doch tatsächlich kommt er meiner Anweisung nach, nachdem er die Zigarette kurz im Aschenbecher ausdrückt, welcher auf dem Fensterbrett steht. Er lehnt sich im Sessel wieder zurück und schliesst erneut seine Augen, während ich weitermache. Eifrig und voller Konzentration lasse ich die Kohle über die raue Oberfläche des Papieres vor mir auf dem Tisch streichen, zeichne Linien und Schatten, konzentriere mich auf kleine Details, wie zum Beispiel die drei Ohrringe an Taehyungs rechtem Ohr und die vielen Tattoos, die ich dank des weit geschnittenen Tanktops, das er trägt, erkennen kann.

"Ein Künstler versucht immer ein perfektes Kunstwerk zu erschaffen, nicht wahr?", will ich plötzlich leise von ihm wissen, während ich dabei bin, die Falten seines Oberteils zu zeichnen. Taehyung brummt. "Selbst wenn er das niemals hinkriegt, ist es wohl das, was er versucht, ja", erwidert der Rothaarige leise. Ich nicke. "Du auch, oder?", hake ich nach. "Ich auch", bestätigt er mir, "Wieso?"

"Ich habe mich nur gefragt... Während du das perfekte Kunstwerk zu kreieren versucht hast... hast du dabei auch jemals bemerkt, was für ein atemberaubendes Kunstwerk du selbst bist?"

Für mich ist er tatsächlich das schönste Kunstwerk, das ich je gesehen habe.

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