🔱Zweiundfünfzig🔱
Jungkook
"Ich hab dir doch gesagt, dass er einen Crush auf dich hat", meint Yoongi mit zufriedener Stimme und ich lache leicht, während ich die Augen verdrehe und von der Staffelei vor mir wegschaue, zu ihm. Mein bester Freund liegt wie so oft auf dem Sofa in meinem kleinen Arbeitszimmer und lässt die Füsse lässig von der Armlehne baumeln, während er auf dem Rücken liegt und meinen Blick erwidert, indem er den Kopf in meine Richtung dreht. Ich habe ihn erst heute wieder gesehen, da er die letzten Tage beschäftigt war mit seiner Arbeit und dem Studium, da wollte ich ihm nicht noch unnötig Zeit wegschnappen, indem ich ihn besuche. Doch nun hat er wieder etwas Zeit und ist zu mir gekommen, vermutlich um mir unter die Nase zu reiben, wie sehr er doch Recht gehabt hat, vor einigen Wochen, da ich ihm eine Nachricht geschickt habe, in der steht, dass Tae und ich jetzt eine Beziehung führen.
Eine Beziehung; der Gedanke daran sorgt dafür, dass sich wie von selbst ein Lächeln auf meinen Lippen ausbreitet und mit diesem ein warmes Gefühl in meiner Brust, dass durch meinen gesamten Körper strömt. Ich kapiere den Begriff Wolke sieben nicht - das fühlt sich nicht wie eine Wolke an, vielmehr wie ein schöner Sommerabend, mit warmen Temperaturen, während es bereits dämmert und man die ersten Sterne am Himmel sieht und sich an dem schönen, einzigartigen Anblick erfreut.
"Ich hab es dir gesagt, oder nicht?", hakt Yoongi dann mit einem selbstgefälligen Lächeln nach und reisst mich so wieder aus meinen Gedanken. "Hast du", gebe ich zu und neige den Kopf und er macht ein zufriedenes Geräusch und sieht wieder an die Decke.
"Und du wolltest mir das nicht einmal glauben", meint er hörbar amüsiert, "'Meinst du wirklich, Hyung?'", imitiert er mich dann und ich verdrehe erneut die Augen. "Ist ja gut", antworte ich, doch er lacht nur belustigt. "Ich weiss noch, wie sehr du dich anfangs vor ihm gefürchtet hast. Völlig übertrieben und bescheuert", bemerkt er mit einem Grinsen auf den Lippen und ich nicke zustimmend. Wenn man bedenkt, wie sehr ich Kontakt zu dem rothaarigen Punk gescheut habe, den ich damals zum allerersten Mal auf der Brücke gesehen habe, dann ist eine Beziehung schier unmöglich sich vorzustellen. Und trotzdem ist es soweit gekommen und ich habe wirklich keine Ahnung, was alles geschehen ist, damit das überhaupt passiert ist. Doch ich beschwere mich nicht; ich bin glücklich, ziemlich glücklich sogar. Wenn Taehyung nicht griesgrämig und fies zu einem ist, ist er ein guter Freund, aber wenn er dich wirklich liebt, dann wird er sanft und behutsam. Es ist auf jeden Fall nicht gesund für mein armes Herz.
Er scheint jemand zu sein, der Liebe und Nähe braucht und sobald er jemanden vertraut und sie kriegt, scheut er sich nicht, sie zurückzugeben. Und ich geniesse es. Ich geniesse jede Umarmung, die er mir gibt, jeden Kuss, jedes Lächeln, dass ich zu Gesicht kriege, und welches mir sagt, dass er glücklich ist.
Ich höre Yoongi Hyung seufzen, während ich mich wieder auf die Leinwand vor mir konzentriere, die auf der Staffelei steht und weiter zeichne. "Ich bin zufrieden, solange du glücklich bist", meint mein bester Freund ich sehe kurz zu ihm, um ihm ein Lächeln zu schenken. Ich schätze seine Worte, er hat immer einen Rat für mich, ist für mich da, wenn ich ihn brauche und akzeptiert meine Entscheidungen, solange sie für mich gut sind.
Er ist der beste Freund, den ich mir je hätte wünschen können.
"Wenn er etwas falsches macht, dann kann er trotzdem was erleben", fügt er dann auf einmal hinzu und entlockt mir damit ein amüsiertes Lachen. "Natürlich Hyung", stimme ich ihm zu und nicke dabei, während ich nebenbei weiter die Vorlage mit Bleistift auf die Leinwand zeichne, um später das ganze mit Acrylfarben zu bemalen.
Wir verfallen wieder in Schweigen und während ich konzentriert meiner Arbeit nachgehe, höre ich Yoongi auf einmal leise Gähnen. Mein Blick huscht von der Leinwand zum Älteren, der noch immer auf der Couch liegt, in derselben Position wie die ganze Zeit schon und welcher inzwischen seine Augen geschlossen hat und wohl bald vor sich hin döst. "Du solltest echt nicht mehr so lange aufbleiben, um an deiner Musik zu arbeiten", bemerke ich leise und arbeite dann weiter, woraufhin er schnaubt. "Das ist die einzige freie Zeit, die ich momentan habe, um daran zu arbeiten", erwidert er spitz und ich seufze tief. "Du bist vollkommen erschöpft! Gönn dir eine Pause", antworte ich nur, doch daraufhin sagt er nichts mehr.
Ich verstehe ihn ja, das tue ich wirklich, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass er gar nicht mehr auf seine Gesundheit achtet, sondern einfach nur noch arbeitet. Es mag seine grosse Leidenschaft sein, aber zu allererst sollte er gesund und fit sein, dazu zählt nun einmal auch sein Schlaf. Ich habe meine Lektion vor ein paar Wochen auch gelernt, als ich so müde war, weil ich kaum zwei Stunden geschlafen habe in der Nacht. Danach bin ich auch nicht mehr bis fünf Uhr mit Taehyung draussen gewesen und ausserdem spraye ich auch nicht permanent bis drei Uhr morgens. Sollte nicht eher Yoongi so sein und mir die Anweisungen geben?
Mit einem leisen Lachen schüttle ich den Kopf und mit einem letzten Blick auf ihn, fahre ich dann mit meinem Bild fort.
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