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KAPITEL 12

Dahlias Blick war in diesem Moment kaum zu beschreiben.

Wut.
Verletzung.
Aufregung.

Und tief in ihr drin brannte etwas, das sie selbst nicht verstehen wollte.

Ihr Herz schlug noch immer viel zu schnell von seiner Nähe und genau das machte sie nur noch wütender. Sie hasste es, dass ihr Körper überhaupt auf ihn reagierte, obwohl ihr Kopf ihr die ganze Zeit sagte, wie falsch das alles war.

„Was soll das, Hades?", fragte sie schließlich.

Ihre Stimme war nicht leise. Sie klang sicher, kontrolliert und voller unterschwelliger Wut.

Hades stand einfach regungslos vor ihr und blickte sie weiterhin mit diesen kalten blauen Augen an, die sie gleichzeitig anzogen und abstießen. Keine Reaktion war in seinem Gesicht zu erkennen. Nicht einmal ein kleines Zucken.

„Du kennst mich gerade mal einen Monat", sagte Dahlia weiter und trat langsam einen Schritt auf ihn zu. „Und trotzdem glaubst du, du kannst solche Spielchen mit mir spielen?"

Hades sagte weiterhin nichts.

„Hör auf mit diesem Scheiß", sagte sie schärfer und hob ihr Kinn leicht an. Sofort trafen sich ihre Blicke wieder. Intensiv. Schwer. Keiner wich zurück. „Ich hab nichts gespürt außer Hass und Ekel."

Die Worte waren hart. Absichtlich hart. Dahlia wollte ihn verletzen.

Wollte, dass er verstand, wie sehr sie seine Art verabscheute. Doch Hades zeigte weiterhin keinerlei Reaktion.

Nicht einmal seine Augen veränderten sich.

„Ich wollte dich nur testen", sagte er wieder mit seiner ruhigen, emotionslosen Stimme. Dahlia lachte bitter auf.

„Natürlich wolltest du das."

Sie schüttelte ungläubig den Kopf und trat noch näher auf ihn zu, bis nur noch wenig Abstand zwischen ihnen war.

„Ist ja nicht so, als würden unsere Teams sich hassen oder als wärst du komplett gestört." Ihre Stimme wurde sarkastisch.

„Natürlich ist da irgendetwas zwischen uns. Ich merke doch, wie du mich anschaust." Wieder hielt sie den Blickkontakt standhaft.

Und Hades erwiderte ihn ohne zu blinzeln.

Dahlia hasste es, wie intensiv seine Augen waren. Es fühlte sich jedes Mal an, als würde er sie langsam auseinandernehmen, ohne auch nur ein Wort zu sagen.

„Aber weißt du was, Hades?", sagte sie und trat noch einen kleinen Schritt näher. „Ich schaue dich auch an."

Keine Reaktion.

Nicht einmal jetzt. Und genau das machte sie verrückt.

„Deine blauen Augen ziehen mich an", gab sie ehrlich zu. „Und gleichzeitig stoßen sie mich weg."

Ihre Stimme blieb fest. „Ich versuche wirklich, nicht in deine Richtung zu schauen. Ich versuche es jedes verdammte Mal."

Jetzt stand sie direkt vor ihm und musste leicht zu ihm hochsehen.

„Aber ich kann nicht." Hades blieb vollkommen ruhig.
Doch innerlich wurde seine Abneigung gegen sie nur größer.

Er hasste diese Gespräche. Hasste dieses emotionale Hin und Her. Und vor allem hasste er es, dass Dahlia ihn trotzdem immer wieder beschäftigte, obwohl sie für ihn eigentlich nur eine Belastung sein sollte.

Dahlia hob langsam ihre Hand und drückte ihren Zeigefinger gegen seine Brust.

Nicht fest.

Aber bestimmt.

„Aber genau mit diesem Verhalten...", sagte sie ruhig weiter. „Mit deiner Art zu reden." Sie stieß ihm erneut leicht gegen die Brust.

„Mit deiner Art, über Frauen zu sprechen."

Noch einmal.

„Und mit der Art, wie du über Gefühle hinweggehst und Menschen opfern würdest..." Ihre Augen wurden dunkler vor Wut.

„...zeigt mir das alles genug über deinen Charakter."

Hades blieb regungslos stehen und sah sie einfach nur an. Diese Ruhe machte Dahlia wahnsinnig.

„Denn egal, wie wunderschön deine Augen sind...", sagte sie und deutete direkt auf ihn. „Oder wie anziehend deine Stimme ist." Ihr Blick glitt kurz über sein Gesicht.

„Oder wie hübsch dein Gesicht ist."

Jetzt presste Hades minimal den Kiefer zusammen.
Die kleinste Reaktion bisher. Und Dahlia bemerkte es sofort.

„Dein Charakter macht dich trotzdem zum hässlichsten Mann hier."

Stille.

Nur der Regen draußen war zu hören.

Dahlia trat langsam einen Schritt zurück. Ihr Herz raste immer noch viel zu schnell und sie hasste sich dafür.
Nicht weil sie etwas für ihn fühlte.
Sondern weil sie überhaupt auf jemanden wie ihn reagierte.

Auf jemanden, den sie eigentlich nur verachten wollte.

Hades sagte weiterhin nichts.

Er blickte sie einfach nur an.

Diese braunen Augen machten ihn langsam aggressiv. Diese Wut in ihrem Blick. Diese Stärke. Die Tatsache, dass sie ihm direkt ins Gesicht sagte, was sie dachte, obwohl sie wusste, wie gefährlich er war.

Und genau deshalb wollte er sie loswerden. Weil sie ihn provozierte, ohne es überhaupt richtig zu versuchen.

Dahlia drehte sich schließlich ohne ein weiteres Wort um und ging Richtung Badezimmer. Diesmal blickte sie nicht mehr zurück. Nicht ein einziges Mal.

Und trotzdem folgte Hades ihr mit seinem Blick, bis sie endgültig verschwunden war. Die Zigarette zwischen seinen Fingern brannte langsam herunter, doch er bemerkte es kaum. Er dachte nur daran, wie sehr sie ihn aufregte.

Wie sehr er ihre Art hasste.

Und wie sehr ihn diese verdammten braunen Augen mittlerweile nervten.

_____

Die Zeit verging und Dahlia würdigte Hades nicht einmal mehr eines Blickes. Sie sprach nicht mit ihm, lief nicht neben ihm und tat so, als würde er überhaupt nicht existieren. Früher hatte sie ihn wenigstens provoziert, jetzt behandelte sie ihn wie Luft.

Dahlia selbst verstand nicht einmal richtig, warum sie so   Übertrieben reagierte.

Vielleicht, weil sie wütend auf ihn war oder weil sie doch auf mehr gehofft hatte.

Oder einfach wütend auf sich selbst.

Denn sie hatte sich fast auf ihn eingelassen und genau dieser Gedanke widerte sie an. Hades war arrogant, kalt und herzlos. Die Art, wie er über Frauen sprach oder Menschen einfach opfern würde, machte Dahlia krank. Sie wollte niemanden wie ihn überhaupt interessant finden.

„Wir sollten losziehen", sagte Dahlia schließlich in die Runde, bevor sie erneut von ihrem Apfel abbiss.

„Mit vollem Mund spricht man nicht", kam es sofort belustigt von Ares.

Dahlia verdrehte grinsend die Augen und schlug ihm spielerisch gegen den Arm.

„Halt die Klappe."

Dabei musste sie lachen und für einen kurzen Moment wirkte alles fast normal.

Hades stand etwas weiter entfernt neben Kai und beobachtete die Szene schweigend. Sein Blick glitt automatisch wieder zu Dahlia. Zu der Art, wie sie lachte. Wie entspannt sie bei ihren Freunden wirkte.

„Warum nicht einfach unbemerkt?", fragte Atila plötzlich und riss Hades aus seinen Gedanken.

Hades blickte ihn kalt an.

„Was meinst du?"

Atila verschränkte die Arme.

„Warum willst du unbedingt mit ihr spielen und sie dann sterben lassen?"

Seine Stimme klang ehrlich verwirrt.

Mittlerweile verstanden weder Kai noch Atila, was genau Hades überhaupt wollte. Wenn er Dahlia so sehr hasste und verabscheute, warum ließ er sie nicht einfach direkt sterben? Warum dieses Spiel?

Kai beobachtete Hades aufmerksam, sagte jedoch erstmal nichts.

Atila hingegen blickte kurz zu Liliana hinüber. Mittlerweile fand er sie nach den letzten Gesprächen wirklich attraktiv, selbst wenn sie ihn ständig „Vaterloser" nannte und behauptete, er hätte keinerlei Erziehung genossen.

Doch jedes Mal lachte Atila nur darüber.

Weil er es irgendwie mochte.

Allein der Gedanke daran ließ ihn kurz grinsen, doch das Lächeln verschwand genauso schnell wieder, wie es gekommen war.

Denn plötzlich stellte er sich vor, wie Liliana reagieren würde, wenn Dahlia wirklich sterben sollte.

Und zu seiner eigenen Überraschung gefiel ihm dieser Gedanke überhaupt nicht.

Hades bemerkte davon nichts.

Sein Blick wanderte wieder automatisch zu Dahlia.

Sie stand mittlerweile neben Violet und Dorothy und aß ihren Apfel, während sie mit den anderen redete. Das Sonnenlicht fiel leicht auf ihr Gesicht und ließ ihre braunen Augen heller wirken.

Hades verzog angewidert das Gesicht.
Er wollte sie verletzen.

Und er wusste selbst nicht einmal genau warum.

Ihre Freunde zu verletzen wäre eine Möglichkeit gewesen. Doch mittlerweile war ihm klar geworden, dass Ares viel gefährlicher war, als er nach außen zeigte. Sollte irgendjemand den Mädchen etwas antun, würde Ares vermutlich jeden Einzelnen von ihnen töten.

Nein.

Die einzige Möglichkeit war Dahlia selbst.

Gefühlsmäßig.

Hades wollte ihre Fassade zerstören. Dieses ständige „Ich schaffe alles allein" ging ihm mittlerweile gewaltig auf die Nerven. Sie provozierte ihn, widersprach ihm und sah ihn nie mit Angst an.

Er war es gewohnt, dass Frauen Angst vor ihm hatten.
Dass sie zurückwichen.

Doch Dahlia?

Sie stellte sich direkt vor ihn und sah ihm in die Augen, als wäre sie genauso gefährlich wie er.

Und vielleicht war genau das das Problem. Hades wollte, dass sie Angst bekam.

Er wollte sehen, wie ihre selbstsichere Art zerbrach. Wollte sehen, wie sie ihn endlich so ansah wie alle anderen.

Mit Furcht.

Und genau das wurde mitten in dieser verdammten Apokalypse zu seinem Ziel.

Dahlia emotional zu zerstören.

Und sie dazu zu bringen, ihn zu fürchten.

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