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KAPITEL 13
Nachdem alle ihre Sachen gepackt hatten, machten sie sich gemeinsam auf den Weg Richtung Wien Mitte. Niemand wusste wirklich, was sie eigentlich tun sollten. Es gab keinen Sammelpunkt wie in Filmen, keinen sicheren Stützpunkt, keine Menschen, die auf Überlebende warteten. Nur leere Straßen, kaputte Gebäude und dieses ständige Gefühl, jederzeit sterben zu können.
Also liefen sie einfach weiter.
Ohne Ziel.
Ohne Plan.
Nur mit der Hoffnung, irgendwo noch ein bisschen Sicherheit zu finden.
Die Gruppe bewegte sich entlang der Donau. Von dort wollten sie durch die Vorgartenstraße weiter Richtung Wien Mitte und später zum Praterstern. Dort wollten sie für eine Weile bleiben und ein Lager aufschlagen.
Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, obwohl es noch nicht einmal Mittag war. Der Wind zog leicht über das Wasser und brachte wenigstens ein kleines bisschen Ruhe in diese kaputte Welt.
Ganz vorne liefen Ares, Violet, Atila und Liliana. Man hörte zwischendurch sogar leises Lachen von ihnen. Dahinter liefen Kai, Dorothy und die restlichen Mitglieder der Gruppen. Und ganz hinten...
...war Dahlia.
Wie immer hielt sie eine Hand locker an ihrer Katana, jederzeit bereit, falls etwas passieren sollte. Während die anderen redeten, beobachtete sie lieber die Umgebung. Die leeren Straßen. Die verlassenen Häuser. Die Schatten zwischen den Bäumen.
Und manchmal...
...beobachtete sie Hades.
Auch wenn sie sich selbst dafür hasste.
Hades lief einige Meter vor ihr und bemerkte natürlich sofort, dass Dahlia ihm seit Tagen nicht einmal mehr einen einzigen Blick schenkte. Kein provozierender Kommentar. Kein Streit. Nicht einmal genervtes Augenverdrehen.
Nichts.
Denn wenn Dahlia ihn ignorierte, konnte er sein Vorhaben nicht durchziehen. Er wollte ihre Aufmerksamkeit. Wollte ihre Fassade brechen. Wollte endlich sehen, wie sie Angst bekam.
Doch stattdessen behandelte sie ihn mittlerweile wie Luft.
Hades blickte kurz über die Schulter nach hinten.
Dahlia hatte für einen Moment die Augen geschlossen und ließ den Wind über ihr Gesicht streichen. Die Sonne fiel leicht auf ihre Haut und für einige Sekunden wirkte sie beinahe friedlich.
Als sie die Augen wieder öffnete, traf ihr Blick direkt seinen.
Sofort erstarrte Dahlia für eine Sekunde.
Nur ganz kurz.
Doch Hades bemerkte es sofort.
Dann fing sie sich wieder und sah demonstrativ weg.
Das ließ Hades den Kiefer leicht anspannen.
⸻
Nach langem Gehen kamen sie schließlich im Prater an. Die Fahrgeschäfte standen still, der Wind bewegte leicht die alten Schilder und alles wirkte wie eine verlassene Erinnerung an eine andere Zeit.
Gemeinsam gingen sie Richtung Hauptgebäude beim Museum.
„Packt eure Sachen aus", sagte Hades ruhig zu den anderen.
Sofort begannen mehrere, Taschen und Decken abzulegen.
„Ich geh schauen, ob wir etwas zu essen finden", sagte Dahlia plötzlich und blickte kurz zu Ares. „Kommst du mit?"
Ares wollte gerade antworten, doch Atila unterbrach ihn sofort.
„Ich brauch dich hier, Ares. Lass Hades mit Dahlia gehen."
Dahlia reagierte augenblicklich.
„Ich gehe alleine."
Ihre Stimme klang kalt.
„Ich brauche niemanden, der meine Sachen für mich schleppt."
Atila zog leicht die Augenbrauen hoch.
„Du bist eine Frau—"
„Und du klingst wie ein Mann aus dem letzten Jahrhundert", unterbrach Dahlia ihn sofort, ohne auch nur den Blick zu heben. „Wenn ich Hilfe brauche, sag ich's. Bis dahin trag ich mein eigenes Zeug — und eure Geduld gleich mit."
Für einen Moment herrschte komplette Stille.
Atila war so sprachlos, dass er nur Hades anstarrte. Er öffnete den Mund, schloss ihn wieder und wusste offensichtlich nicht einmal, wie er darauf reagieren sollte.
„Das tat weh", murmelte Kai grinsend dazwischen und versuchte sichtbar, nicht laut loszulachen.
Ares sah Dahlia überrascht und gleichzeitig belustigt an.
Violet, Dorothy und Liliana brachen sofort in Gelächter aus.
Nur Hades lachte nicht.
Er beobachtete Dahlia einfach nur schweigend.
Und dachte sich dabei nur eines:
Ich werde diesen verdammten Willen brechen.
Dahlia drehte sich bereits um und ging alleine weiter Richtung Gebäude davon.
Hades' Blick folgte ihr automatisch.
Dann blickte er kurz zu Ares.
„Ich geh mit ihr."
Ares hob nur leicht eine Augenbraue.
„Auf eigene Gefahr."
Hades antwortete nicht darauf und ging Dahlia einfach hinterher.
⸻
Natürlich bemerkte Dahlia sofort, dass Hades ihr folgte. Seine Präsenz war unmöglich zu übersehen. Schwer. Dominant. Nervig.
Zwanzig Minuten lang sagte keiner von beiden ein Wort.
Dann blieb Dahlia abrupt stehen und drehte sich plötzlich zu ihm um.
„Geh zurück."
Ihre Stimme war ehrlich genervt.
„Deine Präsenz widert mich an."
Hades blieb direkt vor ihr stehen.
„Sicher, dass es nur Ekel ist?"
Dann trat er langsam einen Schritt auf sie zu.
Dahlia zog sofort eine Augenbraue hoch.
„Was soll es sonst sein?"
Mittlerweile ging er ihr wirklich auf die Nerven. Diese Art, wie er sprach. Wie er sie ständig ansah. Als würde er versuchen, etwas aus ihr herauszuziehen.
„Ich will, dass wir uns gut verstehen", sagte Hades ruhig und trat noch näher. „Ich will dich besser kennenlernen."
Seine Stimme blieb wie immer emotionslos.
Doch genau das machte die Worte nur noch seltsamer.
Dahlia ließ ihn näherkommen, obwohl sie nicht wusste warum.
Vielleicht wollte sie hören, was er diesmal für ein Spiel spielte.
„Was willst du damit sagen?", fragte sie ernst. „Dass du deine Spielchen nicht so gemeint hast? Dass es dir plötzlich leid tut?"
Ihre Augen wurden dunkler.
„Keine Ahnung, ob du das bemerkt hast, Hades... nur weil ich keine Angst vor euch habe, heißt das nicht, dass ich keine Gefühle habe."
Hades blickte direkt in ihre Augen.
Und zum ersten Mal seit Tagen wich Dahlia seinem Blick nicht aus.
Er machte noch einen Schritt auf sie zu und blieb gefährlich nah vor ihr stehen.
„Ich hab nicht nachgedacht", sagte er ruhig. „Ich hatte das Gefühl, dass du nichts Gutes für mein Team willst und ich wollte testen, wie du reagierst."
Dahlia starrte ihn fassungslos an.
„Achso."
Ihre Stimme troff vor Sarkasmus.
„Also wenn ich dich geküsst hätte, wäre ich plötzlich schlecht für dein Team gewesen? Merkst du eigentlich selbst, wie absolut bescheuert das klingt?" Sie zog eine Augenbraue hoch.
Und Hades bemerkte sofort wieder diesen trotzigen Blick von ihr, den er gleichzeitig hasste und faszinierend fand.
„Das ist mir im Nachhinein klar geworden", sagte er ruhig.
Keine Entschuldigung. Keine Reue.
Einfach nur eine Feststellung.
„Ich will, dass wir Freunde werden."
Dahlia musste fast lachen.
Doch bevor sie etwas sagen konnte, sprach Hades weiter.
„Ich will deine Freunde beschützen."
Kurz machte er eine Pause.
Dann sah er ihr direkt in die Augen.
„Und ich will dich beschützen."
Dahlia wusste nicht, was sie darauf antworten sollte.
Denn Hades log nie.
Er sagte nur nie die ganze Wahrheit.
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