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14

KAPITEL 14

Es war erschreckend, wie langsam die Zeit verging. Jeder einzelne Tag fühlte sich länger an als der davor und obwohl ständig etwas passierte, schien die Welt gleichzeitig stillzustehen. Dahlia hatte Hades nach seinem letzten Satz nicht mehr geantwortet. Stattdessen war sie einfach weitergezogen und hatte begonnen, Vorräte zu sammeln. Essen. Wasser. Medikamente. Alles, was irgendwie nützlich sein könnte.

Und die ganze Zeit über war Hades hinter ihr gewesen.

Schweigend.

Keine Provokationen. Keine Kommentare. Kein Streit.

dieses Schweigen machte alles nur schlimmer.

Denn seine Worte ließen Dahlia nicht mehr los.

„Ich will dich beschützen."

Sie wusste nicht, ob sie ihm glauben sollte oder ob das einfach nur ein weiteres Spiel von ihm war. Diese Unsicherheit machte sie wahnsinnig. Hades war manipulativ, kalt und unberechenbar. Ein Teil von ihr sagte ihr, dass sie ihm niemals vertrauen durfte.

Der andere Teil fragte sich trotzdem ständig, ob vielleicht doch etwas Ehrliches hinter seinen Worten gesteckt hatte.

Und dafür hasste sie sich.

Deshalb begann sie ihm aus dem Weg zu gehen, bevor das Ganze endgültig außer Kontrolle geriet.

————-

„Worüber denkst du so lange nach?" fragte Violet plötzlich.

Dahlia wurde aus ihren Gedanken gerissen und blickte kurz auf. Violet war mittlerweile die Einzige, die die Spannung zwischen Hades und Dahlia wirklich bemerkt hatte.

„Nichts. Alles gut", antwortete Dahlia sofort und vermied bewusst Blickkontakt, während sie weiter Konservendosen auf den Tisch legte.

Sie hatten sich diesmal ein größeres Gebäude gesucht, irgendwo zwischen verlassenen Wohnungen und alten Büroräumen. Es war groß genug, um länger dortzubleiben und stabil genug, um sich im Notfall zu verteidigen.

„Ich merke doch, dass etwas nicht stimmt", sagte Violet erneut und verschränkte leicht die Arme.

Dahlia seufzte innerlich.

„Hör mal, Ivy", fing sie ruhig an. „Es ist alles okay. Wenn irgendwas ist, bist du die Erste, die es erfährt, okay?"

Sie versuchte, möglichst überzeugend zu klingen.

Und tatsächlich nickte Violet schließlich langsam.

„Okay."

Doch wirklich glauben tat sie ihr nicht.

Die Nacht brach schließlich an und wie jeden Abend verriegelten sie sämtliche Türen und klebten die Fenster ab, damit kein Licht nach draußen dringen konnte. Die Geräusche der Kreaturen wurden nachts immer schlimmer und niemand wollte riskieren, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Dahlia saß alleine draußen im langen Flur vor dem Raum, in dem die anderen schliefen. Die Katana lag neben ihr an die Wand gelehnt, während sie gedankenverloren auf den dunklen Gang starrte.

Die Stille war unangenehm.

Nur gelegentlich hörte man draußen Wind oder entfernt dieses widerliche schrille Kreischen der Kreaturen.

Zwei Stunden vergingen.

Mittlerweile schliefen fast alle.

Außer Hades und Dahlia.

Hades bemerkte irgendwann, dass Dahlia fehlte und verließ ebenfalls den Raum. Als er sie im Flur sitzen sah, sagte er zunächst nichts. Er setzte sich einfach neben sie und lehnte sich gegen die Wand.

Nicht einmal vier Meter entfernt schliefen die anderen hinter der Tür.

„Was?" fragte Dahlia schließlich ruhig, ohne ihn anzusehen.

„Ich leiste dir Gesellschaft", antwortete Hades trocken.

Dahlia drehte leicht den Kopf zu ihm.

Doch ihr Blick erstarrte plötzlich.

Direkt hinter Hades bewegte sich etwas im Schatten.

Eine Kreatur kroch langsam aus der Dunkelheit hervor.

Ihre Haut sah aus, als würde sie ständig schmelzen. Schwarze, schleimige Masse tropfte langsam von ihrem Körper auf den Boden. Ihr ganzer Körper bestand aus offenen Löchern und eingerissener Haut, unter der sich etwas bewegte, als würden Würmer darunter kriechen. Die langen Gliedmaßen bogen sich unnatürlich nach hinten und ihre Augen waren groß, schwarz und vollkommen leer.

Doch das Schlimmste war ihr Maul.

Viel zu breit.

Viel zu viele Zähne.

Und zwischen den Zahnreihen tropfte dunkle Flüssigkeit heraus.

Die Kreatur bewegte sich lautlos.

Fast wie ein Schatten.

Dann sprang sie plötzlich direkt auf Hades zu.

Dahlia reagierte instinktiv.

Sie sprang sofort auf, zog ihre Katana und schlug mit voller Kraft zu. Metall durchschnitt Fleisch. Ein widerliches Geräusch hallte durch den Flur, als die Kreatur mitten in der Luft in zwei Teile zerfiel und blutige schwarze Masse gegen die Wände spritzte.

Hades blickte überrascht zu ihr hoch.

Sie hatte ihn gerade tatsächlich gerettet.

Doch Dahlia reagierte gar nicht darauf. Stattdessen sprintete sie sofort zur Tür und verriegelte sie zusätzlich.

Sie würde unter keinen Umständen zulassen, dass diese Dinger zu den anderen gelangten.

Hades stand ebenfalls auf.

Dann hörten beide plötzlich ein Kratzen.

Nicht nur eins.

Mehrere.

Langsam tauchten vier weitere Kreaturen aus den Schatten des Flurs auf.

„Shit", murmelte Dahlia leise.

Man hörte mehr Überraschung als Angst heraus.

Sofort stellten sich Dahlia und Hades Rücken an Rücken vor die Tür. Ohne darüber zu reden wussten beide sofort, was zu tun war.

Sie durften die Kreaturen nicht in den Raum lassen.

Die Wesen bewegten sich langsam um sie herum. Ihre Knochen knackten bei jeder Bewegung. Aus ihren Mäulern kamen leise Stimmen. Flüstern. Stimmen von Menschen.

„Dahlia... hilf mir..."

„Bitte..."

„Nicht alleine lassen..."

Die Stimmen klangen erschreckend echt.

Doch Dahlia wusste inzwischen, dass genau das ihre Falle war.

Die erste Kreatur sprang plötzlich los.

Dahlia duckte sich im letzten Moment und rammte ihre Katana direkt durch ihren Schädel. Schwarze Flüssigkeit spritzte über ihren Arm, doch bevor die Kreatur überhaupt fiel, zog sie die Klinge wieder heraus und drehte sich sofort zur nächsten um.

Hades kämpfte gleichzeitig neben ihr.

Eine Kreatur sprang ihn frontal an, doch Hades packte sie mitten in der Bewegung am Hals und schleuderte sie mit brutaler Kraft gegen die Wand. Knochen brachen hörbar. Noch bevor das Ding wieder aufstehen konnte, zog Hades ein Messer und rammte es mehrmals direkt in den Kopf der Kreatur.

Das Kreischen hallte durch den gesamten Flur.

Eine weitere Kreatur kroch plötzlich über die Decke direkt auf Dahlia zu. Sie bemerkte es erst, als schwarze Flüssigkeit auf ihre Schulter tropfte.

Sofort blickte sie hoch.

Zu spät.

Das Ding sprang direkt auf sie.

Dahlia riss ihre Katana nach oben und blockierte das Maul der Kreatur nur Zentimeter vor ihrem Gesicht. Die Zähne schnappten wild nach ihr, während das Wesen versuchte, sie nach unten zu drücken.

Ihre Arme zitterten.

Das Ding war stärker, als es aussah.

„Dahlia!"

Hades trat plötzlich von der Seite gegen die Kreatur und schleuderte sie gegen die Wand. Noch während sie fiel, zog Dahlia ihre Katana durch den Hals des Wesens.

Der Kopf rollte über den Boden.

hinter Hades eine weitere Kreatur auf.

Ohne nachzudenken schmiss sich Dahlia direkt auf ihn.

Im selben Moment spuckte das Wesen eine schwarze, ätzende Flüssigkeit direkt dorthin, wo Hades eben noch gestanden hatte. Die Säure fraß sich zischend durch den Boden.

Beide krachten hart auf den Boden.

Für einen kurzen Moment lag Dahlia direkt auf Hades.

Dann wurde plötzlich die Tür aufgerissen.

„RUNTER!"

Ares sprang mit gezogener Glock hervor und schoss der Kreatur direkt mehrfach in den Kopf. Violet kam sofort hinterher und schoss Pfeil um Pfeil präzise durch die Köpfe weiterer Wesen, die plötzlich aus den Schatten auftauchten.

Kai und Atila stürmten ebenfalls hinaus.

Und zum ersten Mal kämpften beide Teams wirklich gemeinsam.

Dahlia sprang sofort wieder auf die Beine und griff erneut nach ihrer Katana. Gemeinsam bewegten sie sich plötzlich wie eine einzige Einheit. Ares schoss gezielt, während Dahlia und Hades im Nahkampf kämpften. Violet deckte alle aus der Distanz. Kai und Atila erledigten die Kreaturen, die versuchten von hinten anzugreifen.

Überall lag schwarzes Blut.

Schreie.

Metall.

Knackende Knochen.

Dahlia wirbelte ihre Katana durch den engen Flur und trennte einer Kreatur beide Arme ab, bevor Hades ihr direkt danach den Kopf einschlug. Gleichzeitig trat Atila ein Wesen gegen die Wand, während Kai ihm ein Messer direkt durchs Auge rammte.

Zwei ganze Stunden dauerte der Kampf.

Zwei Stunden voller Blut, Adrenalin und Schreie.

Als schließlich die letzte Kreatur tot am Boden lag, herrschte plötzlich komplette Stille.
Alle waren vollkommen erschöpft. Besonders Dahlia und Hades. Dahlia atmete schwer und stützte sich kurz auf ihre Katana.

„Seid ihr verletzt?" fragte sie sofort und blickte hektisch durch die Runde. Alle schüttelten den Kopf. Ares sah sie jedoch genervt an.

„Warum habt ihr uns nicht sofort geholt? Wir sind ein Team. Wir hätten das zusammen geschafft."

Dahlia atmete schwer aus.

„Ich wusste nicht, wie weit diese Dinger denken können", antwortete sie ehrlich. „Euch zu holen kam mir in dem Moment vor, als würde ich euch direkt in Gefahr bringen." Hades blickte sie schweigend an.Dann sagte er plötzlich:

„Danke."

Sofort schossen alle Blicke überrascht zu ihm.

Selbst Kai und Atila sahen ihn irritiert an. Dahlia blickte kurz zu Hades zurück.
„Alles gut", sagte sie ruhig. „Du hättest doch dasselbe getan."

Hades erwiderte ihren Blick.

Hätte er das gleiche getan?

Nein.

Definitiv nicht.

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