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▫▪Kapitel 29▪▫

JUNGKOOK

Nach all den Turbulenzen des Tages, war es echt mal eine entspannende Sache, mit Popcorn in der Hand auf einem bequemen Sofa zu sitzen, während meine Augen auf den Bildschirm vor mir gerichtet waren. Taehyung und ich waren nicht in der Position, in der wir uns besonders viel unterhielten, aber gerade diese Stille machte die Atmosphäre so angenehm für mich und ich konnte mir für einen Moment sogar vorstellen, mich an so ein Leben zu gewöhnen.

Allerdings wurde mein Gedankengang durch das Piepen von Taehyungs Handy ruiniert. Als dieser dann wie aus dem Nichts aufstand und sich aus dem Staub gemacht hatte, schossen mir alle möglichen Fragen durch den Kopf und die Tatsache, dass es mich eigentlich nicht interessieren sollte, schien wie ausgeblendet.

Ich konnte mir diese Neugier nicht erklären; vielleicht war es das Bild, das ich letztens in dem Wohnzimmer dieses Hauses gefunden hatte oder es lag tatsächlich an den Ereignissen des heutigen Tages. Daran, dass Taehyung mich vor den Menschen beschützt hatten, die mir das Leben schon seit einiger Zeit schwer machten.

Ich war immer auf mich alleine gestellt und war es nicht gewohnt, Hilfe von außen zu bekommen, aber das alleine war nicht der Grund, dass Taehyung für mich in ein anderes Licht gerückt war. Viel mehr erntete er einen kleinen Funken Respekt bei mir, denn offenbar hatte ich ihn komplett falsch eingeschätzt.

Menschen wie er waren in meinen Augen alle gleich. Sie waren reich, eingebildet, hochnäsig und im Grunde keine Menschen, denen man Gesellschaft leisten wollte, weil sie meistens nur über sich selbst redeten und einem das Essen vom Vormittag dabei hochkam. Außerdem waren sie oft Leute, die sich nie die Hände schmutzig machen würden. Weshalb auch? Sie bekamen alles in den Arm gelegt und hatten Leute, die ihnen die Drecksarbeit erledigten.

Taehyung hingegen wirkte viel eher in sich gekehrt, das war mir schon zu Beginn aufgefallen. Ich bemerkte, dass seine Kollegen ihn nicht leiden konnten, aber entgegen meiner Vermutung lag es nicht daran, dass er sie arbeiten bis zum Umfallen ließ, sondern viel mehr an der kühlen Art, wie er sie behandelte. Er hatte Macht und wusste das, aber es schien ihn nicht zu interessieren.

Es waren Spekulationen, die meinen Kopf einnahmen und letzten Endes konnte nur die Zeit all diese entweder bestätigen oder verneinen.

Als der Film zuende war, wusste ich nicht so recht, was ich nun tun konnte, denn müde war ich noch nicht und Taehyung war auch noch außer Haus. Ich wunderte mich, wohin er so plötzlich gehen musste und ich wollte es gerne wissen; ob mein Stolz das zulassen würde, war allerdings die andere Frage.

Still blieb ich auf dem Sofa liegen und beschloss mir noch mal Popcorn zu holen. Also erhob ich mich und spazierte langsam mit der fast leeren Schüssel in die Küche, in der sich der Rest befinden sollte. Dazu kam, dass mein Rachen sich wie ausgetrocknet anfühlte und ich mir deshalb noch ein Glas schnappte, das ich schnell mit Wasser füllte und dieses meine Kehle hinunter laufen ließ.

Danach kümmerte ich mich um das Popcorn und pflanzte mich wieder auf das Sofa, um den nächsten Film anzuschauen. Namentlich sagte mir keiner von ihnen etwas, aber solange sich der verborgene Inhalt als cool heraus stellte, hatte ich auch kein Problem damit, es mir anzuschauen. Und wie es schien, gefielen mir diese Art von Filmen, weshalb ich schon gespannt auf den Folgenden war.

Die Zeit verstrich, ich begann mich hinzulegen und testete mit der Zeit alle möglichen Positionen aus. Alles, wofür ich in meinem früheren Leben keine Zeit hatte. Ich genoss es, auf etwas weichem zu liegen und nicht ständig in der eisigen Kälte zu frieren, während mein Körper versuchte auf kaltem Boden Ruhe zu finden.

Auf einmal aber hörte ich, wie sich etwas an dem Schloss der Tür tat und sofort richtete sich meine Aufmerksamkeit in entsprechende Richtung. Es dauerte keine zehn Sekunden, bis sich die Tür öffnete und ich das Seufzen von Taehyung vernehmen konnte. Offenbar entledigte er sich gerade von seinen Klamotten.

Danach hörte ich, wie er sich offenbar auf den Weg in den Raum machte, in dem auch ich mich gerade befand. Als ich dann seine Gestalt erblickte, zog ich meine Augenbrauen zusammen und begann ihn zu mustern. "Wo warst du?", fragte ich ihn und versuchte es nicht allzu wissbegierig klingen zu lassen.

"Im Geschäft. Es gab etwas Wichtiges zu klären und dafür musste ich persönlich vorbeischauen", erklärte er mir mit ruhiger Stimme und atmete tief durch. Aber genau das ließ seine Mimik bröckeln, denn das tiefe Durchatmen wirkte, als sei er aufgewühlt und wolle es damit unterbinden. Ich war kein Menschenkenner, aber ich bin schon den verschiedensten Leuten begegnet und demnach fiel es mir einfacher, manche Dinge zu deuten.

Was aber dann meine Zweifel erweckte, ließ mich mulmig den Hinterkopf kratzen.
"Und woher hast du diese Schramme in deinem Gesicht?", hakte ich dann nach, denn offenbar schien er mir etwas zu verschweigen. Wir hatten kein Verhältnis, in dem wir uns alles erzählen mussten, nicht einmal Ehrlichkeit war hier ein Muss, aber ich fragte mich, was so wichtig sein konnte, dass er mich dafür anlügen musste und deshalb sogar eine Verletzung hatte. Na ja, ob es nur eine war, konnte ich nicht wissen.

Allerdings schüttelte er bloß seinen Kopf und winkte ab, "Nicht weiter wichtig."
Mir war klar, dass er nicht mit der Sprache herausrücken würde und weiteres Nachfragen würde mich da keinen Schritt weiterbringen. Jedoch war meine Neugier auch nicht groß genug, um das in Erfahrung bringen zu wollen. Da gab es andere Dinge, die mich mehr interessierten und in die ich viel lieber meine Zeit investieren würde.

"Ich gehe duschen", sagte er dann nur noch und wand sich zum gehen. "Mach das", murmelte ich ihm nur noch hinterher und beschloss dann, mich weiter dem Film zu widmen, der gerade den Höhepunkt zu erreichen schien.

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