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▫▪Kapitel 30▪▫

TAEHYUNG

Eine Dusche war das, was ich an diesem Abend gebraucht hatte, um mich von unserer Mission zu erholen. Sie war weniger blutig verlaufen, als ich befürchtet hatte, eigentlich hatte ich bereits fest mit zumindest einer tiefen Wunde gerechnet. Doch offenbar existierte in diesen Möchtegern-Kriminellen noch ein Funken Verstand, sodass wir unsere Gespräche verbal hatten abschließen können. Wenigstens zu einem großen Teil. Die Schramme auf meiner Wange bewies, dass der andere Teil weniger reibungslos verlaufen war.

Ich spürte ein leichtes Brennen, als das klare Wasser in die offene Wunde drang. Es war kein schlimmer Schmerz, eigentlich war er sogar kaum spürbar. Jedoch konzentrierte ich mich darauf, da ich in Erinnerungen an das zuvor Geschehene schwelgte und mich automatisch zu fragen begann, wie Jungkook zu diesem Thema stand. Was würde er von mir halten, sollte er erfahren, was ich getan hatte? Zwar grenzten meine Taten nicht an Unmenschlichkeit, doch es waren Maßnahmen, die man normalerweise nicht in Betracht zog. Besonders, wenn man nicht das Geld zur Verfügung stehen hatte.

Leicht schüttelte ich meinen Kopf und verbannte diese Gedanken. Für einige Sekunden genoss ich noch das angenehme Wasser, das auf meinen Kopf prasselte, bevor ich es abstellte und nach meinem Handtuch griff. Gewaschen hatte ich mich schon, somit sehnte ich mich nur noch nach meinem Bett. Mein Körper sehnte sich nach der weichen Matratze und ausreichend Erholung, denn morgen wartete wieder Arbeit auf mich. So schön das Leben als Chef einer ganzen Firmakette auch war, es zog Arbeit mit sich und überließ mir die volle Verantwortung. Etwas, worüber ich zwar froh war, was aber gleichzeitig ätzend und ermüdigend sein konnte.

Rasch hatte ich mich abgetrocknet und meine bequemeren Klamotten angezogen, sodass ich schließlich fertig vor dem Spiegel stand. Für gewöhnlich ließ ich meine Haare trocknen, da ich nach dem Duschen noch immer etwas wach war und das Trocknen an frischer Luft deutlich gesünder war und ich zusätzlich Strom sparen konnte. Doch an diesem Abend verwendete ich meinen Föhn, sodass ich sofort schlafen gehen konnte.

Wenige Minuten später verließ ich das Bad und hing meinen Gedanken nach. Vollkommen unbewusst steuerte ich das große Fenster meines Appartments an, welches eine fantastische Sicht auf die Stadt versprach. Schon oft hatte ich hier gestanden und schweigend die Außenwelt betrachtet und nie fühlte ich mich einsamer, als in diesen Momenten. Es gab mir das Gefühl, allein zu sein, abgegrenzt von der Welt und der Gesellschaft. Das war es auch, wovon ich sprach, wenn ich reiche Menschen als einsam betitelte.

Man war stets auf sich allein gestellt.

Ein tonloses Seufzen verließ meine Lippen, die ich daraufhin schürzte und dann wieder erschöpft ausatmete. Meine Kräfte von diesem Tag hatten sich definitiv dem Ende geneigt und ich sollte mich endlich in mein warmes Bett begeben. Nicht einmal die Lichter der Stadt und der Mond hinter den paar Wolken motivierte mich dazu, die Nacht zu genießen, viel eher verstärkten sie mein Verlangen nach Schlaf. Aus diesem Grund drehte ich mich wieder um und wollte zu meinem Schlafzimmer gehen, bis ich zwei Dinge registrierte.

Erstens, das Fenster, durch welches ich so oft nachts blickte, befand sich im Wohnzimmer. Und zweitens, der Junge, den ich aufgenommen hatte, befand sich ebenfalls hier und schlief auf dem Sofa.

Ich wusste nicht, wie lange ich geduscht hatte, doch aufgrund dessen, dass der Fernseher ausgeschaltet worden war, schätzte ich, dass es selbst Jungkook zu spät geworden war. Wie ein unschuldiges Kind lag er dort, eingekuschelt in eine weiche Decke und schlief friedlich. Die fast leere Schüssel Popcorn stand auf dem Wohnzimmertisch neben der Fernbedienung, mit der er vermutlich den Fernseher ausgeschaltet hatte. Mir war überhaupt nicht mehr bewusst gewesen, dass er mich ja hierbei beobachten könnte, als ich - ganz in meinen Gedanken versunken - zum Fenster gegangen war. Aber das Glück war auf meiner Seite gewesen, demnach schien er meine Anwesenheit nicht bemerkt zu haben.

Eigentlich wollte ich sogleich aus dem Raum verschwinden, allerdings war da etwas an Jungkook, was mich hier behielt. Ich zögerte, etwas, das ich normalerweise nie tat, und ich betrachtete einfach schweigend den hübschen Jungen. Hatte ich ihn je schlafend gesehen? Am heutigen Morgen hatte er zwar noch geschlafen, doch zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht das Bedürfnis empfunden, ihn zu beobachten. Jetzt aber konnte ich mich nicht von seinem Anblick lösen. Seine Ausstrahlung veränderte sich voll und ganz, sobald er schlief und plötzlich wirkte er so friedlich und unbeholfen. Unterbewusst sehnte ich mich danach, ihn zu beschützen, ich wollte ihm all das Übel dieser Welt vom Hals halten. Ich empfand Sorge um ihn, jedoch nicht in einer liebenden Weise. Solche Gedanken und Gefühle hatte ich nie zuvor gehabt, weshalb sie mich verwirrten und leicht schüttelte ich meinen Kopf. Wahrscheinlich lag es ohnehin bloß am Urinstinkt des Menschen, die Schwächeren zu beschützen, eine Art Vater-Instinkt, immerhin war man im Schlaf am wehrlosesten.

Morgen würde dieses Empfinden wieder verschwunden sein, dafür musste Jungkook lediglich wieder ein giftiges Wort zu mir sagen. Da war ich mir sicher. Anders war es bisher nie gewesen.

Aber dennoch verharrte ich noch kurz hier. Mein Blick ruhte auf Jungkook und ich schaute ihm zu, fühlte mich für ihn verantwortlich. Deshalb kostete ich diese wenigen, ruhigen Minuten der Stille voll und ganz aus, bis ich mich letztendlich wieder in Bewegung setzte und in mein Schlafzimmer ging. Hier legte ich mich ohne zu zögern in mein Bett, kontrollierte meine Wecker und deckte mich zu, nahm währenddessen eine gemütliche Schlafposition ein.

Ein letztes Mal drehten sich meine Gedanken um Jungkook und dann schlief ich bereits ein.

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