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9. Eintrag
"Jungkook, du hast wirklich Talent!", lobte Herr Choi mich und ich senkte verlegen lächelnd meinen Kopf. "Danke", murmelte ich und hörte das Seufzen meines Musiklehrers.
"Bist du sicher, dass du nicht in den Chor möchtest? Wir könnten einen Solisten wie dich gut brauchen!", begann er wieder doch ich schüttelte den Kopf. Ich war einfach nicht interessiert daran.
"Dann habe ich noch etwas", fuhr Herr Choi fort und ich blickte ihn fragend an. Der Mann klappte den Deckel der Pianotastatur hinunter und sah mich an. "Jungkook, ich schlage vor, du bewirbst dich bei einigen Entertainments. Deine Stimme muss gefördert werden!" Meine Augen wurden gross und ich ging einen kleinen Schritt zurück. "Na ja, ich weiss nicht...", murmelte ich.
Herr Choi seufzte wieder. Ich kratzte mich am Hinterkopf und sah ihn nervös an. "I-ich... ich denke mal darüber nach..."
"Tu das, Jungkook. Noch einen schönen Tag!", verabschiedete mein Musiklehrer mich und ich verliess den Raum.
Kaum schloss ich die Tür hinter mir, sprach eine tiefe Stimme: "Du solltest auf ihn hören."
Ich gab einen unmännlichen, kleinen Schrei von mir und wirbelte herum. Taehyung stand an die Wand gelehnt da, Hände in den Hosentaschen und den Kopf gesenkt. "Erschreck mich doch nicht so!", pampte ich ihn an. Er antwortete nicht und ich legte den Kopf schief. "Warum bist du hier?"
Nun seufzte er tief. "Du solltest auf ihn hören", wiederholte er lediglich und sah nun endlich auf. Erschrocken mustere ich sein mitgenommenes Gesicht. Er hatte Schrammen, seine Lippe war aufgeplatzt und das rechte Auge fing an, blau zu werden. Ich riss mich von dem Anblick los und schüttelte den Kopf. "Ich möchte aber nicht. Ich singe nicht vor vielen Leuten."
Er schnaubte abfällig und schenkte mir einen verachtenden Blick. "Du hast Angst. Du versteckst dein Talent!", fuhr er mich an, stiess sich von der Wand ab und begann davon zu laufen. Entrüstet blickte ich ihm nach und rief wütend: "Was ist mit dir, Taehyung?! Du versteckst deine gesamte Existenz vor anderen. Wer ist hier feige: Du oder ich?"
Nachdem ich gesprochen hatte, blieb er wie versteinert stehen. Langsam schloss ich zu ihm auf und stellte mich vor ihn. "Jede Stunde kommst du her und hörst mir zu. Warum? Du willst meine Nähe nicht, aber du willst mir zuhören? Das verstehe ich nicht!"
Er seufzte tief. "Ich brauche keine Freunde", murmelte er, "Sie sind eine Last und anstrengend. Sie verlangen von dir, aber geben dir selten etwas zurück. Keine zu haben, macht das Leben einfacher."
"Ja, aber auch einsamer." Aufmerksam blickte ich in seine faszinierenden, dunklen Augen. "Ich weiss ja nicht, welche Freunde du mal hattest, aber sie müssen scheisse gewesen sein. Freundschaft ist nicht nur geben. Es ist auch ein erhalten. So sollte es zumindest sein... Ich kann es dir beweisen", bot ich an.
Er lächelte herablassend. "Danke, ich verzichte", murmelte er halblaut und schob sich an mir vorbei.
Weg war Taehyung...
Es hämmert gegen meine Tür. "Jungkook!", brüllt Jimin nun zum sicher fünfzigsten Mal, "Verdammmt, deine Eltern haben dich nicht zu uns gebracht, damit du auch hier nur in deinem Zimmer verrottest! Komm doch endlich raus!" Er klingt verzweifelt und ängstlich.
Ich erwidere nichts, wie so oft schon.
Sie sagten mir, einen Menschen, der nicht gefunden werden will, den findet man auch nicht.
Also sollen sie aufhören damit, mir helfen zu wollen.
Denn genauso, wie man keinen Menschen findet, wenn er nicht gefunden werden will, kann man auch keinem Menschen helfen, der keine Hilfe will.
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