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10. Eintrag
Mit geschürzten Lippen musterte ich den anderen, am Ende der Cafeteria. Er hockte zuhinterst in der Ecke, an einem Vierertisch, jedoch alleine und kritzelte etwas in sein Notizbuch. Taehyung schien hochkonzentriert und ich versuchte irgendwie herauszufinden, was im Kopf dieses Jungen vorging.
Er war verdammt nochmals komisch! Mied meine Nähe, aber kam zu jeder meiner Einzelstunde und hörte vor der Tür zu, wie ich sang. Wann immer ich hinaus in den Gang trat, sah ich, wie er davonlief.
Ich verstand das nicht. Welcher Mensch tat sowas?
Er widersprach sich selbst!
Mochte keine Menschen, aber hörte mir zu? Irgendwie war das.... krank? Komisch? Verrückt, vielleicht?
Ich kniff die Augen leicht zusammen und legte den Kopf schräg, während ich weiter in meinem Becher mit Fertigem Ramen aus dem Supermarkt herumstocherte. "Jungkook!" Ich schreckte hoch und blickte in Jimins Gesicht. Der Ältere sah mich missbilligend an. "Du hörst uns gar nicht zu!", beschwerte er sich und ich sah vorsichtig in die Runde. Tatsächlich schien jeder auf eine Reaktion meinerseits zu warten.
"'Tschuldigung, war in Gedanken", murmelte ich und mein Blick wanderte wieder zu Taehyung. Dieser hielt noch immer den Kopf gesenkt und schrieb, während sein Pony ihm fast schon in die Augen fiel und seine Sicht leicht störte.
Ihm schien das aber nicht im Geringsten etwas auszumachen.
Eifrig fuhr seine linke Hand mit dem Stift über die Seite, während er die Stirn leicht runzelte, plötzlich innehielt, seine Lippen kurz befeuchtete und dann wieder weiter schrieb. "Jungkook, schon wieder!", hörte man nun Jin. Ich sah auf, blickte sie kurz an und murmelte: "Entschuldigt mich kurz..."
"W-wa- wohin willst du denn jetzt?", vernahm ich Yoongi, ignorierte ihn jedoch und steuerte mit dem Becher Ramen in meiner Hand auf den Tisch von Taehyung zu. Dieser schien mich nicht zu bemerken und schrieb weiter. "Ist das eine Geschichte?", fragte ich direkt, als ich direkt gegenüber von ihm stand.
Taehyung schreckte hoch und drehte sein Notizbuch direkt um, damit ich ja keinen Blick auf dieses erhaschen konnte. "Keine Panik", schmunzelte ich, "Ich hab nicht vor, es zu lesen."
Er schnaubte und wollte anscheinend aufstehen. "Warte!", hielt ich ihn aber auf und legte meine Hand auf seine, welche immer noch auf dem Tisch lag. Taehyung blickte wieder zu mir hoch, die dunklen Augen bohrten sich in meine.
Er sah so abweisend aus, dass es mich schon fast verletzte. "Was", zischte er lediglich. "Ich wollte dir Gesellschaft leisten. Aber ist schon in Ordnung", seufzte ich betrübt, "Du scheinst tatsächlich keinerlei Menschen um dich herum zu wollen. Bleib sitzen, ich geh bereits wieder."
Ich drehte mich um und trat bereits wieder den Rückweg zum Tisch meiner Freunde an - die mich natürlich alle anstarrten, wie ich erkennen konnte - als ich Taehyungs halblaute Stimme hörte: "Menschen sind Monster."
Ich blieb wieder stehen, schaute über meine Schulter und sah, wie er aus dem Fenster blickte. "Was hast du gesagt?", fragte ich sicherheitshalber noch einmal nach. Der Ältere seufzte nun und drehte seinen Kopf zu mir, den er lässig in die Hand gestützt hatte.
"Du wirst nicht aufgeben, oder?", brummte er, "Du kannst mich tatsächlich nicht in Ruhe lassen. Weisst du nicht, dass Menschen, die keine Hilfe wollen, niemals Hilfe annehmen werden?"
Ich verstand nicht ganz, worauf er hinauswollte. Für mich schien es einfach, als dass er wirklich bloss seine Ruhe haben wollte. Ich hatte es inzwischen einige Male probiert, war immer abgewiesen worden, also sah ich ein, dass es vielleicht besser war, wenn unsere Wege getrennt waren. Selbst wenn er eine aussergewöhnlich interessante Person war, so fand ich.
"Doch. Jetzt gerade, in dieser Sekunde", erwiderte ich auf seine erste Frage, "Du scheinst keine Gesellschaft zu wollen, das muss ich akzeptieren." Nun legte er seinen Arm wieder auf den Tisch und den Kopf schräg, während wir uns einfach nur anschauten. "Du bist interessant", meinte er auf einmal und ich konnte mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen. Er fand mich interessant? Mein Leben war so aufregend wie ein Wetterbericht.
Er dagegen, er war wirklich faszinierend. In diesen braunen Augen konnte ich fast schon einen Sturm aufziehen sehen. Ich wusste nicht, ob es ein heftiges Gewitter war, aus Zorn, oder doch bloss ein angenehmer Sommersturm.
"Man sieht sich, Taehyung", verabschiedete ich mich schliesslich und machte bereits den nächsten Schritt, als er mich zurückhielt: "Jungkook!"
Fragend drehe ich mich auf dem Absatz wieder zu ihm um und sah, wie er seufzte, den Block zuklappte und dann auf den freien Platz vor ihm wies.
"Leiste mir Gesellschaft... bitte."
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