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30. Eintrag

Mein Handy vibrierte.
Erst ignorierte ich es, doch schliesslich war meine Neugier zu gross und ich griff nach dem Gerät.

My love
Jungkook, es tut mir leid!

Schnaubend legte ich mein Handy wieder beiseite. So ging das bereits den ganzen Tag lang. Morgens um sieben hatte Taehyung angefangen mein Handy wortwörtlich zuzumüllen.

Der Ältere schrieb ständig, dass es ihm Leid tat, dass er nicht mit mir streiten wollte und ich, ganz die Diva, las jede Nachricht und antwortete nicht. Seine Anrufe nahm ich nicht ab und als er zuvor eine gute halbe Stunde gegen meine Tür gehämmert hatte, hatte ich ihn gekonnt ignoriert.

Erneut kündigte mein IPhone eine neue Nachricht an. Mit einem Seufzen nahm ich es wieder zur Hand.

My love
Du hast sicherlich nichts dagegen, wenn ich den Waggon in Brand stecke, oder?

Meine Augen weiteten sich. Dem Idiot traute ich absolut alles zu.

Das wagst du nicht!

Taehyung war durchgehend online und reagierte sofort auf meine Nachricht.

My love
Und wie ich das wage, Jungkook.

Ich schluckte leer. Dieser Waggon war sowas wie der Beginn, ich wollte das nicht zerstören, er sollte nicht kaputt gehen!

Krieg deine Hormone in den Griff!
Du bist so eine Dramaqueen.

My love
Dramaqueen? Wer hat mich ignoriert?

Gut, der Punkt ging an ihn...

Was willst du? Du hast mich angeschnauzt und jetzt soll ich dir direkt wieder in die Arme hüpfen?

My love
Bitte lass mich nicht alleine, Jungkook. Bitte bleib bei mir, nimm mich in die Arme, bitte.

Leer schluckend starrte ich die Nachricht an, als eine weitere eintraf.

My love
Bitte liebe mich...

Ich liebe dich doch, du Idiot!

My love
Ich muss dich sehen. Jetzt

Waggon?

My love

Waggon.

Ohne weiter Zeit zu verschwenden, stand ich auf, zupfte mein Shirt zurecht und verliess das Haus.

Wie war das? Ich liess mich nicht wie ein Spielzeug behandeln, dass er nach Lust und Laune benutzen konnte?
Ich log mich selber an. Ich war genau so ein Spielzeug.

Aber es war in Ordnung, ich wollte einfach nur bei ihm sein, also war ich auch bereit dazu, mich so behandeln zu lassen.

Ich erklärte mich einverstanden damit, dass er mich zerstören durfte.

Nur, dass ich das nie gut durchdacht und absolut keine Ahnung von den Folgen hatte...

Der Weg zum Waggon kam mir mit einem Mal so viel länger als sonst vor, der Hügel war steiler als an anderen Tagen und als ich oben stand, atmete ich schwer. Der Platz war verlassen, niemand war zu sehen. Ich ging davon aus, dass Tae drinnen war, weshalb ich auf den Waggon zueilte und die Tür aufschob.

Ich hatte Recht, Tae war drinnen, doch das sagte mir nicht wie sonst immer die leise Musik des Plattenspielers, sondern diesmal ein herzzerreissendes Schluchzen.

Alarmiert trat ich ein und fand Taehyung zusammengekauert in der hinteren Ecke vor. Sein Kopf war gesenkt, gegen die Wand gelehnt, die dünne Jacke war über seine Schultern gerutscht. Er sah schrecklich aus.

"Tae!" Das schlechte Gewissen ergriff mich, während ich auf ihn zustürzte.
Ich hätte bei ihm bleiben sollen, ich hätte trotz seiner Abweisung an seiner Seite sein sollen, ihm zeigen, dass er nicht alleine war.

Und was tat ich? Ich zickte rum, wie ein Mädchen, dass ihre Tage hatte.
Ich war ein katastrophaler Freund. Ich wollte mir für mein Verhalten Schläge verpassen.

Neben Taehyung fiel ich auf die Knie und schlang meine Arme um seinen bebenden Oberkörper. Der Ältere schluchzte auf. "J-Jung-" Ich unterbrach ihn leise: "Schon gut. Ich bin hier, ich bin bei dir."

Er erwiderte die Umarmung, krallte sich förmlich in meinen Körper und drückte mich an sich, als könnte ich ihm jeden Moment entrissen werden. "E-es tut mir l-leid", weinte er verzweifelt an meiner Schulter.

"Nein, mir tut's leid", hauchte ich und strich ihm in regelmässigen Bewegungen über den Rücken, "Ich liebe dich. Ich werde nicht gehen."

Er nickte schwach auf meine Worte.
"Bitte, v-verlass mich nicht."

"Niemals."

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