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Ich sehe, wie er leer schluckt. Nun sieht er noch trauriger aus und sein Biss auf seine Unterlippe wird sichtbar bester. "J-Jungkook", flüstert er heiser, doch ich weiche seinem Blick aus.

"Eigentlich", beginne ich mit fester Stimme, "Bin ich nur hergekommen, um dich zu sehen. Aber wenn ich so darüber nachdenke, war das die dümmste Idee, die ich jemals hatte..." Zaghaft sehe ich wieder zu ihm auf, sehe wie verletzt er ist und erneut schluckt.

"Ich freue mich, dass du glücklich bist, Taehyung. Dass es dir gut geht. Ich hoffe... ich hoffe, das wird immer so bleiben." Meine Worte sind nur ein Wispern, jeder Windhauch könnte sie forttragen. 

"Ich könnte dir echt eine reinhauen, dafür, dass du mir diese Karte geschickt hast", murmle ich dann und seine Augen weiten sich. "Ich habe dir keine Karte geschickt", widerspricht er mir sofort und ich schnaube nur belustigt.

Wer sonst, wenn nicht er?

"Spar's dir", sage ich lediglich, "Mach's gut, Taehyung." Mit diesen Worten drehe ich mich um und steure schnell auf den Ausgang zu. Ich will einfach nur noch weg hier. Ich will ein Ende, es soll alles aufhören. "Jungkook!", ruft Taehyung mir nach, doch ich reagiere nicht darauf, sondern eile weiter, zwischen den Leuten hindurch. Aus dem Augenwinkel kann ich das Mädchen von zuvor sehen, die mir einen besorgten Blick zuwirft.

Versehentlich remple ich einen Herr mittleren Alters an, doch ich mache mir nicht die Mühe, mich zu entschuldigen, sondern eile weiter, den Flur entlang, wo ich wieder angeschaut werde, die Treppen hinunter, in den ersten Stock und auch dort wieder die Treppen hinab.

Im Erdgeschoss will ich bereits um die Ecke auf den Ausgang zuhetzen, als mich jemand hinter mir am Handgelenk packt, mich mitreisst und in den nächstbesten Raum bugsiert.

"Hey!", rufe ich, doch mir wird die Hand auf den Mund gepresst und innert Sekunden erkenne ich den angenehmen, mir so vertrauten Geruch, der mir sagt, dass ich Zuhause bin.

Alles in mir versteift sich und ich stehe bewegungslos da, während Taehyung das Licht anschaltet, die Tür verriegelt und sich dann vor mich stellt. Und in diesem Moment schaffe ich es nicht mehr. Die Fassade, die ich mit aller Kraft aufrecht erhalten habe, bricht jetzt zusammen, wie ein Kartenhaus, gegen welches man einmal kurz pustet.

"Was willst du noch von mir?!", fahre ich ihn mit zitternder Stimme an, "Kannst du mich nicht einfach endlich in Ruhe lassen?!"

Er schüttelt den Kopf. "Nein", haucht er und klingt verzweifelt, "Nein, verdammt, ich kann nicht!"

"Geh zu deiner Verlobten, Taehyung!", befehle ich und schlucke den Kloss in meinem Hals hinunter, während ich merke, wie sich Tränen in meinen Augen sammeln.

"Jungkook, hör auf!", blafft er überfordert und fährt  sich durch seine Haare, "Hör auf", wiederholt er leiser und ich sehe ihn erschrocken an. Er erwidert den Blick nach kurzer Zeit und beisst sich abermals auf die Lippe. "D-darf... darf ich dich umarmen? Bitte, Jungkook. Nur einmal..."

Ich schluchze auf, nicke und taumle hilflos auf ihn zu. Der Ältere kommt zu mir, zieht mich fest an seine warme Brust und schlingt die Arme um mich. Ich beginne loszuweinen, vergiesse Tränen, die von seinem schwarzen Satinhemd aufgefangen werden und wünsche mir, die Zeit würde stillstehen.

Er soll mich nie wieder loslassen. Nie wieder. Er soll bei mir bleiben, er soll mich lieben, er soll für mich da sein, er soll mich küssen, mich berühren, er soll einfach an meiner Seite sein.

Er presst mich fest an sich und legt seine Wange auf meinen Kopf. 

"D-du hast deine V-versprechen gebrochen!", weine ich verzweifelt und kralle meine Finger fester in sein Hemd. "Ich weiss", flüstert er hilflos, "Und du hast keine Ahnung, wie sehr ich mich dafür hasse..."

"I-ich... ich kann nicht ohne dich!", wimmere ich, "Ich habe e-es versucht, a-aber ich schaffe es n-nicht, Tae!"

Sein Griff wird nur noch fester. "Denkst du, mir geht es besser, Jungkook?", fragt er heiser, "Ich tue nur so. Dabei denke ich jeden Tag an dich. Gott, du weisst nicht, wie sehr ich dich vermisst habe."

Das nützt uns beiden nichts - denn wir werden nicht beim jeweils anderen bleiben.

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