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Es ist stickig und laut hier drinnen, die Luft ist von vielen verschiedenen Düften durchzogen; Gebäck, Deo, Parfüm.
Etwas verloren sehe ich mich um und versuche, in dem ganzen Gewühl meinen einstigen Freund zu finden. Doch keine Chance, er ist nicht zu sehen. Als mir erneut ein Glas Sekt angeboten wird, lehne ich wieder ab, schnappe mir aber eines der Häppchen auf dem Tablett eines vorbeilaufenden Kellners und verschlinge es mit zwei Bissen.
Etwas unsicher laufe ich weiter in den riesigen, vollen Raum hinein, betrachte das Ambiente und fühle mich automatisch noch unwohler als zuvor schon. Alles sieht so luxuriös aus, dass ich mir vollkommen fehl am Platz vorkomme.
An den Wänden hängen riesige Ölgemälde, der Boden ist aus teurem Parkett und all die Leute sehen aus, als wären sie Angehörige einer Königsfamilie. Leer schluckend versuche ich jedem aus dem Weg zu gehen und halte Ausschau nach Taehyung, der nach wie vor nicht anwesend zu sein scheint.
"Guten Abend!" Erschrocken zucke ich zusammen, als die sanfte, weibliche Stimme neben mir erklingt und wirble zu ihr herum. Es ist eine junge Frau, keine zwanzig, in einem hübschen, hellblauen Cocktailkleid. Ihre schwarzen Haare sind zu einem Dutt frisiert, aus dem sich eine kurze Strähne gelöst hat. Eine filigrane Kette schmückt ihren blassen Hals und sie schenkt mir ein freundliches Lächeln.
"G-guten Abend", erwidere ich mit kratziger Kehle und räuspere mich, da meine Stimme so heiser klingt. Sie legt fragend den Kopf schief. "Kann ich dir helfen?", will sie wissen und nippt an ihrem Sektglas.
Ich kratze mich verlegen am Hinterkopf. "Ja", gebe ich schliesslich zu, "Ich- Ich suche Taehyung. Kim Taehyung." Sie beginnt breit zu lächeln. "Taehyung? Ich habe ihn gerade noch irgendwo gesehen", sagt sie und sieht sich suchend um, "Komm mit!", weist sie mich dann an und huscht davon, in die Menschenmenge hinein.
Etwas verunsichert folge ich ihr, bis sie Halt macht und mit dem Finger nach vorne zeigt. Ich brauche einen Moment, bis ich die zwei Personen identifizieren kann, die sie meint. Einer ist ein älterer Herr, der andere steht mit dem Rücken zu mir und unterhält sich mit diesem. Das ist dann wohl Taehyung...
"Da ist er!", lächelt sie mir zu, "Er redet nur gerade... Taehyung?!", ruft sie schliesslich laut. Der Angesprochene redet noch einen Moment lang, bevor er sich umdreht und seinen Blick suchend durch die Menge wandern lässt. Mir bleibt der Atem stehen, als ich ihn mustere - er sieht so verdammt gut aus. Wunderschön ist eine Untertreibung.
Mein Herz beginnt wieder zu rasen, wie eine Dampflok und Taehyungs Blick gleitet über die Menschen hinweg, bis er bei uns landet. Als sich unsere Augen begegnen, weiten sich die seinen, während ich nur fassungslos dastehe und meinen Blick nicht von ihm lösen kann.
Vorhin hat alles in mir geschrien, wegzulaufen - jetzt schreit mich eine Hälfte an, in seine Arme zu rennen und die andere Hälfte, ihm eine zu verpassen.
Das Sektglas in seiner Hand rutscht ihm aus den Fingern und zerschellt auf dem Boden. Einige Leute drehen sich erschrocken zu ihm um, doch da eilt bereits einer der Kellner herbei und beginnt die Sauerei zu beseitigen. Die Frau neben mir kichert amüsiert. "Ich werde euch dann mal alleine lassen", meint sie belustigt und taucht wieder in die vielen Leute, während Taehyung langsam auf mich zukommt.
Ich bleibe an Ort und Stelle, meine Beine sind wie angewurzelt, ich schaffe es nicht, auch nur den kleinen Finger zu rühren. Mit jedem Meter, den er näher kommt, schnürt sich meine Kehle wie von selbst weiter zu, bis ich nur noch flach atme und mir schwindelig wird. Von nahem sieht er nur noch besser aus...
Er hat in den letzten Monaten wirklich eine ziemliche Veränderung durchlaufen; von seinen dunkelbraunen Haaren ist nun lediglich ein helles Braun übrig, er hat nun einen Seitenscheitel und seine Gesichtszüge sind etwas kantiger geworden. Er sieht so wunder-, wunderschön aus, dass ich auf die Knie fallen und alleine deswegen schon weinen könnte. Seine gebräunte Haut schimmert in dem dämmrigen Licht unglaublich attraktiv und seine rötlichen, vollen Lippen laden mich förmlich ein, sie mit meinen zu berühren.
"Jungkook", flüstert er hörbar ungläubig und ich schnappe nach Luft, als ich die tiefe, wunderschöne Stimme endlich, nach so langer Zeit wieder real vernehmen kann. Ich räuspere mich etwas. "Taehyung", nicke ich, um Fassung bemüht und gehe automatisch einen Schritt zurück, als er mir noch näher kommt und bereits die Arme etwas ausbreitet, um mich in die Arme zu schliessen.
"Nicht", flüstere ich verletzt, "Fass mich einfach nicht an. Bitte. Ich kann es nicht ertragen."
Taehyung geht augenblicklich einen Schritt zurück und lässt seine Arme wieder sinken. Sein Blick ist voller Trauer, er beisst sich verunsichert auf seine Unterlippe. "I-ich...", will er anfangen, doch ich unterbreche ihn: "Nein, sag einfach gar nichts", murmle ich. Meine Stimme ist so leise, dass sie beinahe übertönt wird, von den anderen, lauten. Doch Taehyung kann sie hören, aber auch nur er, da er so nahe bei mir steht.
"Du musst es nicht erklären. Ist schon gut, Taehyung. Ich wünschte nur, du hättest mir gesagt, dass du mich nicht mehr liebst, anstatt mich so zuzurichten. Ich wünschte, du hättest mich gar nie geliebt."
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