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Nervös streiche ich das einfache, weisse Hemd glatt und betrachte mich im Spiegel des Hotels. Ich habe Angst. Und irgendwie bin ich auch wütend.
Heute ist 6.6. und wenn ich ehrlich bin, würde ich einerseits am liebsten zu der Party gehen und Tae den Hals umdrehen, oder andererseits in den nächsten Flieger sitzen und zurück nach Seouls reisen, denn dort werde ich bereits wieder erwartet.
Nachdem Jin rausgekriegt hat, wo ich bin, war er stinksauer. Ich bin mir sicher, sollten wir uns das nächste Mal sehen, bin ich auf jeden Fall einen Kopf kürzer.
Mein Herz klopft mir bis zum Hals. Der Gedanke, Taehyung in wenigen Minuten gleich wieder zu sehen, ist irgendwie aufregend und angsteinflössend zugleich. In meinem Kopf herrscht ein einziges Durcheinander und ich weiss nicht, wie ich mich verhalten soll, wenn ich ihn sehe.
Ich male mir bereits die grössten Szenarien aus, die eintreffen könnten, doch jedes verwerfe ich wieder. Das Plausibelste ist, dass ich mitten auf der Party zusammenbreche, sobald ich ihn sehe, und weinen werde, wie ein kleiner Junge.
Und das würde ich gerne vermeiden.
Seufzend schnappe ich mir eine Jacke und verlasse dann das Hotelzimmer. Ich hoffe einfach, dass das kein totaler Reinfall wird.
Der weg zu der Veranstaltung ist nicht lange, bloss vier Strassen, die ich hinter mich bringen muss, bis ich bei dem grossen Firmengebäude stehe und schluckend die Fassade anstarre, die sich in den Himmel reckt, wie die Finger einer Hand, die Wolken fangen wollen.
Das Gebäude ist hell erleuchtet, jedoch betritt es niemand, alle diese gestressten Menschen um mich herum rauschen an mir vorbei. Und ich stehe da und frage mich, ob ich das wirklich tun soll.
Soll ich tatsächlich hinein und nach Taehyung suchen?
Ich fasse mir letztendlich ein Herz und laufe zur Eingangstür, wo ein schlanker, junger Japaner steht und mich misstrauisch mustert. "Name?", verlangt er, wie ich gerade noch dank meines schlechten Japanisch verstehen kann.
"Jeon Jungkook", sagte ich unsicher und der Typ sieht auf einem Klemmbrett nach, bevor er zur Seite tritt und mir den Weg frei macht.
Tief durchatmend betrete ich das Gebäude und höre bereits laute Stimmen aus den oberen Stockwerken. Mein Herz rast und meine Knie sind weich. Obwohl alles in mir schreit, wieder davon zu rennen, dringe ich weiter in das Innere vor und nehme die ersten Treppenstufen. Meine Hände zittern, weswegen ich mich mit einer am Treppengeländer abstütze, während ich die andere zur Faust balle, bis meine Fingernägel sich schmerzhaft fest in meine Handballen graben.
als ich im ersten Stock angekommen bin, sind die Stimmen lauter und die ersten Menschen sind da. Man mustert mich verwirrt und ratlos, sagt jedoch nichts. Ich kenne keine der hier stehenden Personen, weswegen ich leer schlucke, den Kopf senke und mit klopfendem Herzen hastig durch den Gang eile, zu den nächsten Treppenstufen.
Als ich im zweiten Stock bin, stehe ich am einen Ende des Flures, während im anderen eine Tür weit offen steht, aus der leise klassische Musik zu vernehmen ist, gemischt mit lautem Stimmengewirr. Hier stehen bereits mehr Menschen und ein Kellner eilt gerade herum und verteilt jedem, der möchte, ein Sektglas. Ich lehne ab, als er mir das Tablett mit einem freundlichen Lächeln hinstreckt, denn ich bin mir sicher, das Getränk wieder hochzuwürgen, wenn ich Tae sehe, denn gerade wird mir mit jeder Minute übler. Mein Herz schmerzt schon, so stark und schnell klopft es gegen meinen Brustkorb und mir ist unglaublich heiss.
Unsicher laufe ich weiter, ignoriere die vielen Blicke auf mir und betrete den vollgestopften Raum.
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