-52-
Unruhig tappe ich mit dem Fuss auf und ab, was den älteren Herren im Bus neben mir ziemlich zu stören scheint. Doch ich kümmere mich nicht darum, während ich nervös nach vorne sehe und erkenne, dass ich nach zwei Haltestellen aussteigen muss.
Seit der Party ist gerade mal ein Tag vergangen und ich habe heute endlich den Mut besessen, Asuka zu schreiben. Sie hat mir angeboten, heute Nachmittag zu ihr zu kommen, damit wir das endlich bereden können und jetzt bin ich auf dem Weg zu ihr.
Ich frage mich, was sie mir zu sagen hat und kann aufgrund dessen nicht still sitzen.
Als ich aussteige, versuche ich mich zu orientieren und eile dann los, um die besagte Adresse zu finden. Schliesslich, nachdem ich gute zehn Minuten herumgeirrt bin, stehe ich vor einem Wolkenkratzer und sehe mit klopfendem Herzen nach oben.
Jetzt kann ich noch umkehren, abhauen, den nächstbesten Flieger buchen und nach Korea zurückkehren. Wenn ich da hineingehe, weiss ich nicht, was ich danach tun werde. Doch ich fasse mir ein Herz, stosse die Tür auf und beginne, die Treppen hochzulaufen.
Mit jeder Stufe werde ich nervöser und klammere mich fester an das Treppengeländer. Als ich im sechsten Stock vor der Tür stehe, schlucke ich und hole tief Luft, bevor ich die Klingel betätige. Es dauert keine zwei Minuten und die Tür öffnet sich. Asuka strahlt mich an. "Hallo", begrüsst sie mich und tritt zur Seite, sodass ich das Apartment betreten kann. Ich ziehe mir Schuhe und Jacke aus und folge der jungen Frau ins Wohnzimmer. "Ich komm gleich wieder", meint sie lächelnd, "Mach es dir bequem!" Damit rauscht sie aus dem grossen Raum und ich sehe mich etwas um, als ich eine tiefe Stimme höre: "Du bist tatsächlich gekommen?"
Alles in mir erstarrt, bevor ich mich umdrehe und Taehyung ins Gesicht blicke. Anders als auf der Feier trägt er nun ein weites Tanktop und eine Jogginghose, sieht müde und erschöpft aus. Tiefe Augenringe zeichnen sich auf seinem Gesicht ab und seine Haare sind ein einziges Durcheinander. Das Tanktop allerdings bietet mir eine gute Sicht auf seine Schlüsselbeine und eine filigrane, pechschwarze Schrift, direkt darunter, die ich heute zum ersten Mal sehe.
Seit wann hat er ein Tattoo?
Ich kümmere mich nicht weiter darum, sondern weiche zurück, als er das Wohnzimmer gänzlich betritt. Asuka sagte mir nicht, dass sie mit "wir besprechen das" auch Taehyung miteinbezogen hat.
"Jungkook, bitte", fleht er leise und streckt die Hand aus. Ich schüttle den Kopf. "Weisst du, was du mit mir angerichtet hast?", frage ich leise, "Ich kann das nicht!"
Damit stürme ich aus dem Raum. "Verdammt, Jungkook!", ruft er mir nach und ich höre seine Schritte, als er mir folgt. Ich komme lediglich in den Eingangsflur, als er meine Hand packt und mich praktisch zu Boden reisst. Kaum knie ich auf den kalten Fliesen, schlingt er die Arme fest um mich und schluchzt auf.
"Lass mich nicht allein", wimmert er und verstärkt seinen Griff. Fast hätte ich aufgelacht. Was hat er denn über ein Jahr lang getan? "Lass mich los", fordere ich hektisch und versuche ihn von mir zu drücken, doch er ist unnachgiebig.
"Nein", weint er verzweifelt. Ich hole tief Luft, als Tae bereits weiterspricht: "W-wenn ich loslasse, w-wirst d-du gehen!" Meine Augen weiten sich und ich erwidere langsam die Umarmung. Sein Griff wird nur noch stärker. "B-bleib bei mir", bettelt er praktisch und ich spüre, wie mein Shirt von seinen Tränen nass wird. "Du bist auch nicht gelieben", murmle ich und lege meine Stirn an seiner Schulter ab. "E-es tut mir leid", haucht er mit erstickter Stimme, "Es tut m-mir so leid..."
Sein Körper wird von Schluchzern geschüttelt und mit jeder Sekunde fühle ich mich noch überforderter als zuvor schon. Der Ältere hat nie so verzweifelt gewirkt, seit ich ihn kenne. Nicht ein einziges Mal.
"I-ich brauche dich", wimmert er schniefend und seine Fingernägel graben sich in meinen Rücken. "Wieso? Wieso brauchst du mich, Taehyung?", frage ich leise und atme tief den mir so vertrauten, geliebten Duft des Braunhaarigen ein.
"Weil ich dich liebe!"
Bạn đang đọc truyện trên: Truyen4U.Com