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35. Eintrag

Im Gegensatz zum Vorplatz, war die Halle hier leer. Sie wirkte wie ein riesiger Abstellraum, Golfbälle, Schläger, Golfkarts, alles stand hier drin. Taehyung liess mich los, drehte sich zu mir um und nahm mein Gesicht in seine Hände. "Es tut mir leid", murmelte er, "Ich hatte gehofft, du würdest sie nicht kennen lernen müssen. Mutter ist unmöglich!"

Ich winkte ab. "Ist schon okay. Es ist ja nicht deine Schuld", lächelte ich beruhigend und legte meine Hand auf seine. Ein gezwungenes Lächeln erschien auf seinen Lippen und er näherte sich meinem Gesicht. "T-tae stopp! W-was wenn jemand reinkommt und-" Er nahm eine Hand von meiner Wange und legte mir den Zeigefinger auf die Lippen. "Pssht", hauchte er, "Hier wird niemand reinkommen, vertrau mir einfach." Seine Stimme war ein leises Wispern, beinahe verführend, weswegen ich fast schon willenlos einfach nickte und Taehyung unsere Lippen sanft, dennoch so unglaublich intensiv miteinander verband.

Ich seufzte sehnsüchtig auf und erwiderte, während sich meine Arme um seinen Nacken schlangen. Seine Hände wanderten von meinen Wangen, meinen Rücken hinab, wobei seine Fingerspitzen ganz sanft meine Wirbelsäule entlang fuhren und mir eine Gänsehaut verpassten. Er übte mehr Druck auf meine Lippen aus, was ich ihm gleich tat und krallte meine Finger seine Haare. "Ich liebe dich", keuchte er, als wir uns voneinander lösten. 

"Ich dich auch", flüsterte ich und überbrückte den minimalen Abstand zwischen uns wieder. Taehyung stolperte vorwärts mit mir, bis ich mit meinen Füssen gegen etwas hartes stiess und erschrocken zusammenzuckte. Taehyung liess von meinen Lippen ab, als er mich sanft nach hinten drückte. 

Nach Halt suchend krallte ich mich in seinen Pullover, bis ich eine weiche Unterlage spürte. Ich lockerte meinen Griff und liess zu, dass Tae sich über mich lehnte und wieder gierig meinen Mund in Beschlag nahm. Ich spürte, wie er begann, meine obersten Hemdknöpfe zu öffnen, als ich sein Handgelenk packte. "Tae, nicht", sagte ich atemlos und blickte in seine dunklen Augen.

Er schien zu realisieren, wo wir waren und seufzte tief, bevor er sich aufrichtete und ich mich setzen konnte. Der Ältere drückte mir noch einen schnellen Kuss auf die Lippen, bevor er mit einem "Ich bin gleich wieder da", aus der Halle verschwand. 

Etwas verloren hockte ich auf der Rückbank des Golfwagens und wartete auf Tae, der bald darauf wieder die Halle betrat. In seinen Händen hielt er ein Tablett, auf welchem er die verschiedensten Dinge balancierte. Er eilte mit grossen Schritten damit auf mich zu und ich hielt ihm hilfsbereit die Hände hin, um ihm seine Last abzunehmen, als er bei mir angelangte.

Taehyung setzte sich neben mich und zeigte auf das mit vielen kleinen Köstlichkeiten beladene Tablett. "Such dir was aus", grinste, "Kommt alles ganz frisch aus der Küche, nur für uns..."

Ich lächelte breit und griff nach einem Donut. Tae nahm sich ein belegtes Toastbrot und gemeinsam hockten wir in dem Wagen und amüsierten uns alleine und in einer riesigen Abstellhalle tausendmal mehr, als all die Leute auf dem Vorplatz draussen gemeinsam.

Die Zeit verging wie im Flug und bald war das Tablett leer. Die Leute waren inzwischen alle gegangen und mein Freund musste noch bleiben, da seine Eltern einige Dinge klären mussten. Taehyung hatte aber bereits die nächste Idee., um sich die Zeit zu vertreiben Er zog aus seiner Jackentasche einen kleinen Schlüssel und kletterte auf den Fahrersitz. "Tae, was machst du da?!", zischte ich und kraxelte auf den Beifahrersitz, als er den Schlüssel einsteckte und den Motor anmachte.

Der Ältere grinste mir zu und strich mir über die Wange. "Keine Sorge, ich hab alles unter Kontrolle", lachte er leise und ich hob belustigt die Augenbraue. "Bist du dir sicher?", spottete ich, "Wenn du das Ding zu Schrott fährst-" 

"Dann werden meine Eltern einfach einen neuen kaufen. Und meine Mutter kann ruhig zahlen, dafür, dass sie doch so behandelt hat", schnaubte der Ältere und drückte einen Knopf auf einer kleinen Fernbedienung, sodass das Tor der Halle aufging. Taehyung lachte erheitert, als er das Gaspedal durchdrückte und hinausraste. Selbst ich musste lachen, als mein Freund, der eigentlich älter als ich war, jubelnd einen Kreis fuhr und dann bremste und mich grinsend anschaute.

"Taehyung!" Da war sie wieder, die bekannte nörgelnde Stimme. "Oh verdammt!", prustete Tae und drückte das Gaspedal ein zweites Mal durch, bevor er sich dann mit mir aus dem Staub machte, um seiner Mutter zu entkommen.

Lachend brausten wir über die Anlage, sahen vorne auf dem Platz seine Eltern, die uns - oder besser gesagt ihrem Sohn - etwas zuriefen, was wir nicht verstanden. Taehyung provozierte sie, indem er weiterfuhr, bis der Sprit langsam auszugehen drohte. Daraufhin brauste er den Hügel hinunter, und kam schliesslich vor seinen Eltern zum Stehen, die mehr als nur entsetzt aussahen.

Der Ältere sah lachend zu mir, was ich genauso gut gelaunt quittierte. Er sah so glücklich und zufrieden aus, frei von allen Sorgen. 

Dann lehnte er sich plötzlich vor, platzierte eine Hand an meiner Wange und zog mich in einen leidenschaftlichen Kuss.

Etwas überrascht von dieser plötzlichen Aktion reagierte ich erst nicht, bis meine Augen zuflatterten und ich meine Lippen gegen seine bewegte. Dann erschien ein Lächeln in meinem Gesicht.

Er küsste mich. Taehyung küsste mich tatsächlich direkt vor seinen Eltern, er hatte all seinen Mut zusammengenommen und das getan, obwohl sie keinen schwulen Sohn und er sie nicht enttäuschen wollte.

Keiner von uns wusste, dass das der entscheidende Fehler war, den wir begingen...


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