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"Asuka, ich-"

"Nein! Hör auf! Das ist nicht fair! D-das ist so ungerecht! Ihr h-habt das nicht verdient!" Ich höre, wie sie aufschluchzt, dann wird ihr Weinen jedoch gedämpft - vermutlich von Taehyungs Shirt, weil er sie umarmt und an sich drückt. Inzwischen sind seit dem Vorfall mit der Gasse zwei Tage vergangen und Taehyungs Mutter hat uns drei Zeit gegeben, damit ich verschwinde.

Und das tue ich gerade. Während Asuka sich lautstark darüber aufregt und sogar schon diese Frau anrufen wollte - Taehyung konnte sie davon abhalten, bevor sie grösseren Schaden anrichten konnte - und Taehyung sie versucht zu beruhigen, stehe ich im Schlafzimmer und packe meine Sachen, denn in vier Stunden geht mein Flieger.

In vier Stunden ist wieder alles wie vor einem Monat.

Seufzend nehme ich mein Handy in die Hand, betrachte die vielen kleinen Risse auf dem Screen und stecke wieder weg, nachdem ich auf die Uhr gesehen habe. Das Ding ist gerade mal einen Monat alt und Jin wird mich töten, wenn er das sieht. Das war sein Geld, womit ich es mir gekauft habe und er wird denken, ich konnte wieder nicht darauf aufpassen. Dabei hat Taehyungs Mutter es mir vor die Füsse geworfen.

Taehyungs Mutter. Ohne dieses Wesen wäre so einiges leichter. Leider gibt es sie und leider muss sie alles zerstören.

Hinter mir springt die Tür auf. Erschrocken wirble ich herum und japse nach Luft, als Asuka sich heulend mir um den Hals wirft. Überrumpelt von der Aktion stolpere ich einige Schritte nach hinten, bevor ich mein Gleichgewicht wiederfinde und sie zaghaft umarme. Dabei sehe ich zur Tür, wo Taehyung steht und mich mustert. Ich werfe ihm einen hilfesuchenden Blick zu, doch er zuckt ebenso ratlos wie ich mit den Schultern und verschränkt die Arme vor der Brust, ehe er den Blick senkt.

In den letzten Tagen war er abweisender zu mir, hat viel weniger den Kontakt gesucht und wollte beinahe gar nichts von mir wissen. Erst hat es mich verletzt, doch inzwischen habe ich es verstanden. Er tut das nicht aus Boshaftigkeit. Er tut es, um die Trennung für ihn und auch mich erträglicher zu machen. So wird es nicht abrupt sein, sondern ich habe mich jetzt schon daran gewöhnt, ihn nicht oft zu sehen. 

Wenn ich ihn gar nicht mehr sehe, wird es nicht mehr so sehr wehtun, wie damals.

"E-es tut mir leid", schluchzt das Mädchen an meiner Schulter, "I-ich w-wünschte, ich könnte e-es irgendwie-" Sie wird von ihrem eigenen Heulkrampf unterbrochen und verstärkt den Griff um meinen Hals. "Es ist nicht deine Schuld", murmle ich und tätschle ihr den Kopf, "Wir werden schon zurechtkommen... irgendwie", meine ich zuversichtlicher, als ich mich eigentlich fühle.

Ich werde mir Daheim erstmal wieder die Augen aus dem Kopf heulen, soviel ist sicher.

Sie lässt nach einigen Minuten schniefend von mir ab und hält den Kopf gesenkt. "Ich lasse mich scheiden. Und dann werde ich dieses... dieses Biest pfählen!", zischt sie und hickst dann leicht.

Taehyung lacht kalt auf. "Lass das mal lieber", meint er ruhig, "Wir wollen alle nicht, dass du dank meiner Mutter eingebuchtet wirst."

Sie dreht sich zu Taehyung um, spricht aber immer noch mit mir, als sie langsam aus dem Zimmer geht. "Bist du fertig, Jungkook? Wir müssen los."

Ich stopfe das von Tae geklaute Shirt hastig in meine Sporttasche und mache sie zu. "Ja, komme schon!", erwidere ich und folge ihr. Taehyung lehnt sich noch immer an den Türrahmen und hat bis jetzt kein Wort zu mir gesagt.

"Mach's gut, Tae", murmle ich und bleibe vor ihm stehen. Er sieht nicht auf, als er tief seufzt. "Wiedersehen, Jungkook", erwidert er leise und ich laufe an ihm vorbei, in den Eingangsflur. Ich bin noch nicht mal aus der Wohnung draussen und schon könnte ich weinen, mich wieder umdrehen und Taehyung in die Arme werfen.

Wie soll das funktionieren? Das wird niemals klappen - zumindest nicht für mich.

Ich ziehe meine Schuhe an, während Asuka bereits auf mich wartet, mit den Autoschlüsseln in der Hand. Sie hat angeboten, mich zum Flughafen zu fahren, da Taehyung ja nach wie vor Abstand hält. Ich richte mich auf und will dem Mädchen gerade aus dem Apartment folgen, als mich Taehyungs Stimme innehalten lässt: "Jungkook?"

Fragend drehe ich mich zu ihm um, sehe wie er direkt auf mich zu läuft und mich in eine feste Umarmung schliesst. Etwas überrascht erwidere ich die Umarmung, während er leise murmelt: "Wenn es sein muss, werde ich zu dir kommen und wir hauen gemeinsam ab. Nur du und ich, egal wohin, okay?"

"Einverstanden", flüstere ich und wir lösen uns etwas voneinander. Wortlos sehen wir einander an, mein Blick huscht ständig von seinen Augen zu seinen Lippen, doch ich weiss, dass er das nicht möchte, selbst wenn seine Augen danach schreien.

Ich ergreife seine Hände und drücke sie leicht. "Amsterdam soll schön sein", schlage ich vor und ein kleines, trauriges Lächeln ziert seine Lippen. "Wohin du auch willst, Kookie", antwortet er ruhig.

Ich nicke und gehe rückwärts, halte seine Hände solange, bis sie mir aus meinen Händen gleiten, bevor ich mich umdrehe und die Wohnung verlasse.

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