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Mit klopfendem Herzen starre ich aus dem Fenster hinaus auf die Einfahrt. Meine Finger trommeln dabei voller Ungeduld auf die Küchenanrichte und ich versuche irgendwie, mich etwas zu beruhigen, doch es klappt nicht.
Ich musste zwei Monate warten, heute ist es endlich soweit. Zwei Monate voller Geduld, in denen wir geschrieben, geskypt oder telefoniert haben. Ich kann es immer noch nicht fassen, es wirkt alles wie ein viel zu schöner Traum, aus dem ich gleich aufwachen werde.
Aber ich kann mich kneifen, so fest ich will, ich wache nicht auf.
Geradezu sehnsüchtig starre ich aus dem Fenster, den Vorplatz an, wo der Wagen jeden Moment auftauchen sollte. Inzwischen kann ich es kaum mehr abwarten und wenn er nicht bald hier aufkreuzt, werde ich wohl durchdrehen.
Mein Blick huscht zur Küchenuhr, bevor ich wieder nach draussen starre. 14 Uhr. Er verspätet sich tatsächlich?! Wie kann er es wagen!
Seufzend will ich mich aufrichten und aus der Küche trotten, als ich ein lautes Hupen wahrnehme. Sofort klebe ich wieder an der Fensterscheibe und starre hinaus, während ich versuche so wenig wie möglich zu blinzeln.
Und dann sehe ich den schwarzen Wagen, der langsam die Einfahrt hinunterrollt.
"Er ist da!", schreie ich los, richte mich auf und rase unter dem Gelächter aus dem Wohnzimmer in den Eingangsflur. Die Mühe, mir Schuhe oder eine Jacke anzuziehen, mache ich mir nicht, weswegen ich die Tür einfach aufreisse und in Socken hinaus stolpere. Der Taxifahrer hat noch nicht mal gänzlich angehalten, als die Tür zur Rückbank aufgeht und er aussteigt.
"Taehyung!", rufe ich überglücklich und laufe ihm strahlend entgegen. Der Ältere breitet die Arme aus und ich springe lachend hinein, schlinge meine Beine um seinen Hüfte und drücke ihn fest.
Der Braunhaarige lacht leicht und erst nach einigen Minuten lasse ich von ihm ab, woraufhin er mich abstellen kann und sich dem Taxifahrer zuwendet, ihn bezahlt und seine Jacke aus dem Auto holt, bevor es wieder wegfährt.
Ich nehme seine Hand und während wir auf das Haus zulaufen, frage ich vorsichtig: "Wie geht es dir?"
"Ganz okay. Ich... naja, es waren immerhin meine Eltern, verstehst du? Selbst wenn sie nicht die besten waren", erklärt er leise. Ich nicke. "Aber ich bin glücklich", fügt er hinzu und ich sehe ihn an. Tae wirft mir ein sanftes Lächeln zu. "Weil ich bei dir sein kann."
Ich lache leise. Ich wüsste nicht, wie ich drauf sein würde, wenn meine Eltern bei einem Unfall sterben würden, aber Taehyung geht erstaunlich gut damit um. Vielleicht ist es leichter für ihn, weil er ihnen nicht besonders nahe stand, ich weiss es nicht.
Ich wusste auch nicht nicht, wie ich reagieren soll, als Asuka mir das übers Telefon mitgeteilt hat, ebenso, dass die Verlobung aufgelöst wurde. Einerseits bin ich so glücklich gewesen, andererseits hat mir Tae leid getan, der erstmal zusammengebrochen ist.
Trotzdem ist er jetzt endlich wieder in Korea, hat sein Erbe abgelehnt und mit mir zusammen.
Etwas Schöneres könnte ich mir nicht vorstellen.
Ich ziehe Taehyung mit mir in mein Zimmer, ohne ihn die anderen sehen zu lassen. Ich will endlich ein wenig Zeit mit ihm allein verbringen, ich habe ihn so lange nicht gesehen. Skype ist eine schöne Sache, aber real ist es etwas völlig anderes. Oben angekommen zieht er mich zu sich hin und drückt mir einen stürmischen Kuss auf die Lippen. Kichernd erwidere ich und stolpere mit ihm zum Bett, wo ich mich keuchend nach hinten fallen lasse.
Lachend stützt er sich neben mir ab und sieht mir tief in die Augen. Er sieht glücklich aus. Wirklich, unglaublich glücklich und das sorgt dafür, dass mir warm ums Herz wird. In der ganzen Zeit, in der ich Taehyung kenne, hat er niemals so sorglos und zufrieden ausgesehen, wie jetzt und das macht mich umso glücklicher.
Stundenlang liegen wir auf meinem Bett, kuscheln und reden, bis Taehyung einige Stunden später tatsächlich einschläft. Schmunzelnd betrachte ich sein Gesicht und fahre erst die Konturen nach, ehe ich ihm die hellbraunen Haare aus der Stirn streiche. Da er schläft, beschliesse ich eine Dusche zu nehmen, weswegen ich aufstehe und in Richtung Tür laufe.
Mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen, sehe ich noch einmal den schlafenden Tae an und schliesse die Tür.
Jetzt wird alles gut werden.
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