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Jungkook
Hoseok und ich befinden uns im Wohnzimmer, als es an der Wohnungstür klingelt. Verwirrt sehe ich bei dem Geräusch von meinem Buch auf, das ich mir aus dem Regal genommen habe und mustere die Tür zum Wohnzimmer. "Haben Ji und Seung Hyung nicht einen Schlüssel?", meine ich leise, denn sie sind wohl die einzigen, die bei uns klingeln, wo sie doch vor einer Stunde gemeinsam einkaufen gefahren sind.
"Ich geh mal nachsehen", meint Hobi Hyung und legt das Buch, dass er für sich aus dem Regal genommen hat, auf den Kaffeetisch, vor dem Sofa, ehe er aufsteht und das Wohnzimmer mit grossen Schritten verlässt, um zur Tür zu gehen. Ich senke meinen Blick wieder auf die Buchseiten und lese weiter, allerdings nicht sehr viel, denn auf einmal höre ich eine tiefe, heisere Stimme laut "Hoseok!", rufen. Automatisch blicke ich wieder auf, während ich die Luft anhalte. Ich kenne die Stimme. Das ist Yoongi Hyung.
Mein Herzschlag beschleunigt sich, als ich daran denke, was das letzte Mal passiert ist, als wir uns begegnet sind. Er ist wieder hier, doch wie hat er das geschafft? Wie hat er uns gefunden? Und was passiert jetzt? Letztes Mal, als er mich gesehen hat, wollte er mich umbringen und ich bin mir sicher, dass er das heute immer noch tun will, wenn er weiterhin unter dem Einfluss des Mittels steht. Doch was ist mit Hobi Hyung, wenn er ihn hier sieht? Sie alle machen sich Sorgen um ihn, also wird er ihn sicherlich wieder mitnehmen, ob jener das will oder nicht. Und sobald er zurück in der Station ist, werden sie ihm das Mittel wieder geben und der Fortschritt, den wir gerade erreicht haben, wird verloren sein.
Ich komme auf die Beine, werfe das Buch achtlos auf den Tisch neben Hobi Hyungs und verlasse dann eilig das Wohnzimmer. Mein Herz schlägt mir bis zum Hals, aber ich habe kaum eine andere Möglichkeit, wenn ich verhindern will, dass Yoongi Hyung Hoseok einfach mitnimmt, selbst wenn ich keine Ahnung habe, was ich anstellen soll.
Als ich in der Nähe des Eingangsflures bin, höre ich bereits Hoseoks leise, gehetzt klingende Stimme, als er wohl auf Yoongi einredet. "Mir geht es gut, Hyung", meint er ruhig, "Du musst mich nicht mitnehmen."
"Du hast doch keine Ahnung, was du da sagst!", erwidert Hyung scharf und als ich schliesslich im Flur ankomme und nur wenige Schritte hinter Hoseok Halt mache, sehe ich den Blondschopf Hobi gegenüber stehen und ihn beinahe wütend ansehen. "Yoongi, du brauchst dir keinerlei Sorgen zu machen, ehrlich", versucht Hoseok es erneut, doch als ob der Älteste meinen Blick auf sich gespürt hätte, sieht er über Hobis Schulter, direkt in meine Augen.
Innert Sekundenbruchteilen verändert sich seine Miene, von ernsthaft, zu wütend und er kneift die Augen zusammen, als er Hoseok beinahe harsch zur Seite schiebt und den Flur betritt. "Du!", faucht er hasserfüllt und kommt direkt auf mich zu.
Vielleicht war das hier nicht gerade meine beste Idee. Mit einem unsicheren "Hyung", weiche ich zurück, hebe kapitulierend die Hände und löse meinen Blick nicht von ihm. Mein Herz hat zuvor schon gerast, doch jetzt schiesst mein Puls erneut in die Höhe, als Yoongi keine Anstalten hat, stehen zu bleiben, nur als er den mir bereits allzu bekannten Dolch aus seinem Stiefel zieht, bevor er ihn auf mich richtet. "Yoongi, bitte tu ihm nichts!", mischt Hoseok Hyung sich ein und hält Yoongi am Oberarm fest, um ihn aufzuhalten, doch jener reisst sich los und sieht über die Schulter zum Jüngeren. "Bleib genau da stehen! Er wird dir wieder wehtun, wenn wir ihn nicht ausschalten", erwidert er kalt. "Ich habe ihm niemals weh getan, Hyung!", rufe ich verzweifelt, doch er lacht nur kalt auf und beschleunigt meine Schritte. Ich will weiter zurückweichen, stolpere jedoch über meine eigenen Füsse und gehe zu Boden, sodass ich dann auf meinem Hintern auf dem Flur hocke und ängstlich zu ihm aufschaue, als er weiter auf mich zukommt. Sein Blick ist wütend und er wirkt wie ein Raubtier, dass gleich seine Beute fängt.
Er wird mich nicht verschonen, genauso wenig, wie er es bei seinem ersten Versuch getan hat. Er geht immer noch davon aus, dass ich Hoseok Hyung verletzt habe und sie allesamt verraten, also kann ich seinen Hass und den Blutdurst verstehen. Doch es tut dennoch so verdammt weh. Hilflos rutschte ich vor ihm weg, doch er ist schneller und bückt sich zu mir, um mich am Kragen meines Oberteils zu packen und mich so wieder auf die Füsse zu zerren. Ich wehre mich nicht einmal, als er mich gegen die Wand des Flures bugsiert, mich hart dagegen presst und die Spitze des Dolches an meinem Hals ansetzt und leicht Druck anwendet, sodass sie sich unangenehm gegen meine Haut bohrt. Ich schlucke leer. "Bitte Hyung", flüstere ich leise, doch er zischt nur abfällig.
"Gib mir einen Grund, wieso ich dich nicht auf der Stelle umbringen sollte", wispert er drohend, "Du hast ihn in Gefahr gebracht, du hast ihn verletzt, du hast mit uns allen nur gespielt. Du bist ein verdammter Verräter und du verdienst nichts anders als den Tod." Ich komme nicht dazu, etwas zu antworten, als Hoseok neben ihm erscheint und Yoongi mit einem "Nicht!", zu sich umdreht, bevor er sein Gesicht in die Hände nimmt und ihn einfach küsst. Perplex beobachte ich die Szene, kann mitverfolgen, wie Yoongi tatsächlich auf den Kuss eingeht, ihn erwidert und wie ihm der Dolch dann einfach aus der Hand fällt und mit einem Klirren auf dem Boden aufkommt.
Ich zögere ich nicht lange, sondern hebe es schnell auf, bevor Yoongi Hyung es tun kann und laufe dann rückwärts, die beiden nicht aus den Augen lassend, sollte Hoseoks Ablenkung nicht mehr funktionieren, selbst wenn es gerade nicht so aussieht, als ob das in Kürze passieren wird. Ich bin kaum ein paar Schritte gegangen, als der Älteste sich auch bereits wieder von Hoseok löst, selbst wenn er das dem Anschein nach eher widerwillig macht. "I-ich- ich muss-", fängt er leise an, die Stimme rau und beinahe etwas verwirrt klingend, doch Hobi Hyung unterbricht ihn mit einem: "Shhh, du musst gar nichts. Setz dich einfach auf einen der Stühle in der Küche, ja?"
"Aber Jungkook-", will er widersprechen, als Hoseok ihm wieder dazwischen kommt und sein Gesicht in die Hände nimmt: "Nichts 'aber Jungkook'! Ignorier Jungkook einfach, setz dich und mach am besten einfach gar nichts!"
Der Ältere dreht den Kopf zu mir und schenkt mir einen wütenden Blick, "Aber er hat-" Erneut geht Hoseok dazwischen und dreht dabei auch bestimmt wieder seinen Kopf zu sich, damit er ihn ansehen muss. "Er hat gar nichts gemacht, Hyung", meint er sanft, "Setz dich jetzt dahin."
"Hoseok, er hat dich verletzt!", antwortet Yoongi unnachgiebig, doch Hobi Hyung schüttelt den Kopf. "Hat er nicht", erwidert er ruhig, "Und jetzt setz dich endlich in die Küche. Das ist ein Befehl."
Etwas irritiert verfolge ich das Gespräch mit. Denkt Hyung wirklich, das funktioniert? Yoongi ist darauf angesetzt worden, mich umzubringen, mit Medikamenten dazu gebracht worden, auf ihre Befehle zu hören. Nur weil Hobi ihm sagt, er soll sich hinsetzen und nichts tun, wird er das doch nicht machen.
Er beweist mir dann allerdings das Gegenteil, denn der Blondschopf vor ihm nickt tatsächlich langsam. "Okay", murmelt er leise und ich weite überrascht die Augen, bevor ich mitverfolgen kann, wie Hoseok mit einem kleinen Lächeln nickt und ihm noch einmal einen kurzen Kuss auf die Lippen presst, ehe Yoongi Hyung sich von ihm abwendet und mich einen Moment lang einfach nur ansieht. Seine Miene verdunkelt sich, als unsere Blicke sich treffen, vorwurfsvoll und voller Hass schaut er mich an, doch tatsächlich sagt oder tut er nichts, was mir gefährlich werden könnte. Er kommt auf mich zu und ich weiche zwar automatisch zurück, aber bis auf ein abfälliges Schnauben erhalte ich keine Reaktion mehr von ihm, denn er geht an mir vorbei zur offenen Küche und setzt sich dort auf einen der Barhocker, bevor er sich so dreht, dass er mich wieder missmutig ansehen kann.
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