🔥46🔥
Jungkook
Die nächsten Minuten ziehen sich endlos in die Länge. Quälend langsam vergehen sie, fühlen sich fast schon wie Stunden an und selbst wenn ich mich stark versuche, wieder auf das Buch in meinen Händen zu konzentrieren, so gelingt es mir kaum. Immer wieder huscht mein Blick zu Yoongi Hyung, der nach wie vor nicht aufgehört hat, mich hasserfüllt anzustarren. Ich bin mir nicht sicher, ob er überhaupt blinzelt, denn egal wie oft und wann ich aufschaue, sein Blick liegt stetig auf mir, bohrt sich praktisch wie ein spitzer Dolch in mich hinein und lässt mich definitiv unwohl fühlen.
Hoseok Hyung konnte den Ältesten in der Wohnung zwar dazu bringen, sich auf den Barhocker zu setzen und dort nichts mehr zu machen, aber er sagt nichts gegen die Blicke. Hobi selbst hockt auf dem Barhocker neben Yoongi, wieder in sein Buch vertieft, wohl um ihm dort in der Küche etwas Gesellschaft zu leisten. Ich frage mich, wie lange das noch so weitergehen soll und wann endlich Ji und Seung Hyung nach Hause kommen.
Wie lange wird Yoongi Hyung brauchen, bis die Medikamente ihre Wirkung verlieren und seinen Körper verlassen? Wird die Dauer genauso kurzweilig sein, wie bei Hobi Hyung? Oder haben sie ihn höher dosiert?
Automatisch sehe ich von den Buchstaben, die zu Worten und Sätzen auf den weissen Seiten angereiht worden sind, wieder auf in Richtung Küche, nur um direkt wieder in die dunklen Augen meines Hyungs zu sehen, die wütend zurückstarren. Sein Blick scheint quasi auszusagen, dass ich mich glücklich schätzen kann, dass Hoseok ihm gesagt hat, er muss hier sitzen bleiben, sonst wäre ich jetzt wohl schon längst vom Antlitz dieser Welt getilgt worden. Wie hat er das nur geschafft? Das ist doch völlig unmöglich, wieso hat Yoongi auf ihn gehört, obwohl das Laborteam ihm mithilfe der Medikamente so harsch eingetrichtert hat, mich zu töten?
Da ich ihn immer noch ansehen, verengt Yoongi Hyung auf einmal bedrohlich die Augen ein wenig und ich mache mich hastig daran, meine Nase wieder in den Seiten des Buches zu vergraben, das ich in den Händen halte.
Angestrengt versuche ich mich wieder darauf zu konzentrieren, aber ich werde erlöst, als ich höre, wie ein Schlüssel in der Wohnungstür gedreht wird und diese dann aufschwingt. Ich blicke auf, in den Eingangsflur und erkenne Ji Hyung, der mit einem riesigen Grinsen auf den Lippen den Flur betritt, zwei Tüten in den Händen. "Wir haben Torte mitgebracht!", verkündet er glücklich, während Seunghyun ihm folgt und dabei tief seufzt. "Anstelle von roter Bete", meinte er trocken. "Und Ramen!", fügt Ji Hyung hinzu, so als ob Seung kein Wort gesagt hätte. Er streift sich die Schuhe von den Füssen, kommt zu uns und will dann bereits in die Küche, um dort die Tüten auf die Anrichte zu stellen, als er jedoch innehält, denn er entdeckt sicherlich Yoongi, der noch immer auf dem Barhocker sitzt. Immerhin sieht er jetzt nicht mehr mich, sondern den Platinblonden unweit von ihm an.
"Okay, was ist passiert? Da bin ich einmal weg und verpasse die ganze Show!", meint Ji und hebt die Augenbrauen, während er Yoongi Hyung mustert, der seine Augenbrauen zusammenzieht. "Wer ist das, Hoseok?", will er harsch wissen, woraufhin Hobi Hyungi hm eine Hand auf die Schulter legt. "Das ist ein Freund von uns, genau wie Seunghyun", erklärt er ruhig.
"Ein Freund von uns oder von Jungkook?" Sein Blick kommt wieder bei mir an und ich schlucke leer, während ich erkennen kann, wie Hobi gutmütig die Augen verdreht. "Von uns allen, Hyung", erwidert er sanft.
"Er ist noch nicht ausgenüchtert", stellt Seunghyun fest, der mittlerweile zu uns gestossen ist. Ich nicke bestätigend, obwohl das nicht nötig ist, denn diesen Fakt sieht man allein daran, wie er mit mir spricht und mich ansieht.
Ji scheint es jedoch nicht weiter zu hinterfragen, denn auf einmal zuckt er mit den Schultern und geht in die Küche, um die Tüten dann auf der Anrichte abzustellen. "Also haben wir bereits die nächste Dumpfbacke hier sitzen!", meint er fröhlich, "Der Schatten, nicht wahr? So wie der an dem Federvieh klebt."
"Das ist Yoongi Hyung, ja", erwidere ich leise und Jiyong lehnt sich etwas über die Anrichte, um Yoongi wohl genauer betrachten zu können. Letzterer lehnt sich daraufhin allerdings irritiert etwas zurück und sieht dann Hilfesuchend zu Hobi Hyung, welcher das ganze aber nur still mitverfolgt. "Ach du Scheisse", sagt Ji Hyung schliesslich auf einmal und stellt sich wieder gerade hin, "Was haben sie mit dir nur angestellt? Du bist der Älteste, stimmt's?"
Hoseok nickt an Yoongis Stelle, denn der Blonde schweigt beharrlich. Jis Blick huscht erst zu Seunghyun und sie scheinen sich kurz still auszutauschen, bevor er mich taxiert. "Wie lange sitzt er da schon?", will er nur wissen und ich zucke kurz mit den Schultern. "Dreiviertelstunden? Eine ganze Stunde?", schätze ich schulterzuckend, "Hobi Hyung hat es ihm aufgetragen und seither sitzt er da und sieht mich böse an."
"Das hat funktioniert?", hakt Ji ungläubig nach und lacht leicht, "Na, Mann, der muss echt hart in dich verschossen sein, dass die Medikamente das nicht unterdrückt bekommen haben und er auf dich hört", meint er dann an Hobi gerichtet und ich kann erkennen, wie Hoseok sich verlegen räuspernd durch die Haare streicht und weg sieht, doch der rote Schimmer auf seinen Wangen lässt sich nicht verbergen.
"Im Gegenteil", widerspricht Seunghyun Hyung dann allerdings, "Die Medikamente und seine Emotionen spielen uns in die Karten. Die Medikamente sind für den Gehorsam und die Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten da und genau das bewirkt es bei ihm; Gehorsam und die Einschränkung der kognitiven Fähigkeiten. Er tut, was man ihm sagt und denkt nicht darüber nach, weil es ein Befehl ist. Er hat nur eine höhere Autoritätsperson als das Laborteam und das ist Hoseok. Durch seine Emotionen hat er sich auf dich gepolt und so ist alles, was du ihm aufträgst, wichtiger, als die Befehle des Laborteams."
Mit wachsender Überraschung höre ich der Erklärung zu, genau wie Hoseok und schliesslich sehen wir alle ihn mit grossen Augen an, bis auf Ji, der hat sich über einen Pudding aus einer der Tüten hergemacht, und Yoongi, der weiter damit beschäftigt ist, mir hasserfüllte Blicke zuzuwerfen. "Du meinst, deswegen hat er auf mich gehört?", hakt Hobi ungläubig nach und der Älteste von uns nickt.
"Das ist Liebe", antwortet er schulterzuckend, "Nicht fähig zu unterdrücken und unberechenbar. Solange die Medikamente wirken, hast du ihn unter Kontrolle, also sollte nichts mehr geschehen, wenn du es ihm nicht aufträgst."
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