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Jungkook
Voller Faszination betrachte ich den dunklen Rauch, der langsam aufsteigt. Ich wage nicht zu blinzeln, in der Angst, auch nur das kleinste an diesem Schauspiel verpassen zu können.
Auf einmal stoppt der Rauch mitten in der Luft, bevor er eine andere Richtung einschlägt, er dichter und grösser wird und damit auch Yoongis ganzer Arm verschwunden ist. An seiner Stelle findet sich nichts wieder, keine Wunde an der Schulter, gar nichts. Er ist einfach weg, wie durch Zauberhand.
Und trotzdem ist er weiterhin da, sichtbar als den schwarzen Rauch in der Luft, der langsam wieder zu Yoongi zurückkehrt und genau die richtigen Proportionen des Armes annimmt. Neugierig strecke ich die Hand aus und greife in den dichten Rauch, der nun auch wieder das Körperteil darstellt.
Ich greife in Leere, spüre nichts ausser die Luft, der Rauch bleibt an Ort und Stelle und als ich beinahe enttäuscht eine Schnute ziehend meinen Arm wieder zurückziehe, kann ich Yoongis tiefes Lachen hören. Ich blicke auf ihn sein Gesicht, sehe das amüsierte Lächeln und kaum senke ich den Blick wieder auf seinen Arm finde ich diesen wieder wie gehabt in Fleisch und Blut vor.
"Und wie machst du das?", frage ich neugierig nach, woraufhin der Ältere mit den Schultern zuckt. Sein Blick wandert im Flur umher, als er schliesslich antwortet: "Ich kann es nicht erklären, ich... ich mache es einfach, verstehst du? Ich brauche gar nicht wirklich darüber nachzudenken und es passiert bereits, wenn ich es will", lautet seine Antwort und holt aus seiner Hosentasche eine kleine Packung.
Ich ziehe die Beine an und schlinge meine Arme um diese, bevor ich meine Wange auf meine Knie ablege und ihn so von der Seite mustere. Wir sitzen seit einer gefühlten Ewigkeit in dem Gang von Trakt B und es sind auch bestimmt schon mehrere Stunden vergangen.
Glücklicherweise konnte Seokjin sich für mich einsetzen und es wurde mir erlaubt, Trakt B und C zu betreten. Zwar hatte ich nicht vor, B noch einmal betreten zu wollen, aufgrund von Yoongi, doch als ich mich heute auf zu C machen wollte, hat er mich abgefangen.
Als ich ihn fragte, ob er mich wirklich töten würde, hat er angefangen zu lachen und sagte: "Nein, aber ich tue gerne so, als ob. Es jagt den Menschen Angst ein. Und mit Angst kontrolliert man den Mensch am besten."
Tja, ich bin ihm dann gefolgt und hier sind wir nun, im Flur wo auch das Graffiti an der Wand zu sehen ist, sitzen am Boden und tuen nichts weiter, als zu reden oder unseren Gedanken nachzuhängen. Meist stelle ich die Fragen und er antwortet mir. Yoongi ist genau genommen gar nicht so boshaft und kalt, wie er erst gewirkt hat, er ist ein eher stiller, aber netter Kerl.
"Genau ist es auch, wenn ich mich bewege. Ich brauche mich nicht erst darauf zu konzentrieren, leise und unbemerkt zu sein, ich bin es einfach. Aber das kennst du ja bereits von dir selbst, dass du gar nicht darauf achten musst", schmunzelt er anschliessend und zieht eine Zigarette aus der Packung, bevor er ein Feuerzeug hervorholt und sich die Kippe zwischen die Lippen steckt und anzündet.
"Wie meinst du das 'Ich kenne es von mir selbst'?", hake ich verwirrt nach und lehne mich etwas zu ihm. Yoongi schenkt mir einen irritierten Blick, nimmt die Zigarette zwischen Zeige- und Mittelfinger und antwortet perplex: "Na, dass du nicht auf deine Fähigkeiten achten musst, damit sie eingesetzt werden."
Ich runzle die Stirn und lehne mich zurück. Könnte er damit Recht haben? Setze ich meine Fähigkeiten etwas bereits ein, nur ich merke davon nichts?
"Apropos", unterbricht er die aufkommende Stille wieder, "Was ist deine Fähigkeit?" Ich blicke ihn überrascht an und beisse mir unsicher auf die Unterlippe. Wenn ich es wüsste, wäre ich wohl um einiges schlauer, doch ich selbst weiss nicht einmal, was ich beherrsche.
Also zucke ich ratlos mit den Schultern, was ihn mit der Stirn runzeln lässt. Er zieht einmal tief an der Zigarette und bläst dann lässig den Rauch aus. "Du weisst es nicht?", fragt er, während sein Kopf noch immer in den Nacken gelegt ist und er den grauen Rauch anstarrt, der immer höher hinauf tanzt, bis er langsam verschwindet.
"Ich weiss es nicht", bestätige ich leise, "Ich schätze, alle warten darauf, dass irgendetwas mit mir passiert oder ich etwas überwältigendes tue, aber bis jetzt war es nicht der Fall. Vielleicht bin ich auch einfach ein missglücktes Experiment", scherze ich gegen Ende und versuche mit dem gespielten Spott die Angst zu ignorieren, die sich wie eine Faust um mein Herz schliesst. Was, wenn ich wirklich nur ein missglückter Versuch bin?
Yoongi schürzt die Lippen. "Ich glaube, sie verstecken dich deshalb vor uns, weil deine Fähigkeit noch nicht entdeckt wurde. Und ich denke, dass diese Leute wohl kaum ein missglücktes Experiment weiter aufbewahren. Töten wäre da schon eher ihre Lösung."
Ich erschaudere. Vielleicht wissen sie es ja nur noch nicht und warten noch ein wenig, bis sie beschliessen, dass es nichts wird und sie mich umbringen? Ich antworte nicht mehr auf seine Worte, als ich auf einmal ein leises Winseln vernehme. Alarmiert richte ich mich auf und blicke mich im sonst leeren Flur um, bis ich ein kleines Fellknäuel um die Ecke tappen sehe.
Es ist ein Hund, mit schwarz-braunem Fell, der sich aufmerksam umzusehen scheint, schnuppert und schliesslich lauthals bellt. Ich habe nie zuvor ein Tier gesehen, natürlich hat man mir von Hunden, Katzen und allerlei anderen Wesen erzählt, aber gesehen habe ich nie eines und wie sie sich verhalten, ist mir auch unklar.
Dementsprechend bin ich auch ziemlich verschreckt, als das kleine Tierchen so zu kläffen beginnt und dabei auf uns zuhüpft mit seinen kurzen Beinchen. In Sekundenschnelle stehe ich auf den Beinen und stolpere vor dem Hund zurück, in der Angst, er könnte mir etwas tun. Meine Reaktion lässt Yoongi laut lachen, denn der Hund kommt schwanzwedelnd vor ihm zum Stehen und hechelt dabei, während er mit seinen schwarzen Knopfaugen treuherzig zu ihm aufschaut.
Der Blondschopf drückt die Kippe achtlos auf den weissen Fliesen auf, bevor er die Kippe ebenfalls dort liegen lässt und dafür den Hund hochhebt und auf seinem Schoss absetzt. "Der tut dir nichts, keine Sorge", beruhigt er mich und streicht einmal über das Fell des Tieres.
"Sitz", verlangt er bestimmt von ihm und brav tut der Hund, was ihm gesagt wird. Seine Worte geben mir eine kleine Sicherheit und auch die Neugierig sorgt dafür, dass ich interessiert wieder nach vorne komme. "Er wird mir nicht wehtun?", hake ich vorsichtshalber nach.
"Nicht, wenn ich ihm das nicht befehle", grinst der Blonde und winkt mich zu sich. "Aber wieso hat er dann gebellt?", will ich wissen. "Er hat sich gefreut, du Trottel", lächelt Yoongi abwesend und krault den Hund hinter den Ohren, welcher noch immer mit seinem Schwanz wedelt.
"Er hört gut auf dich", stelle ich fest und knie mich neben die beiden. "Man kann nicht sagen, dass er mir gehört, aber ich darf ihn aufziehen, solange ich ihn auch erziehe und auf ihn Acht gebe", erklärt Yoongi mir schmunzelnd.
"Wie heisst er?", frage ich weiter und strecke zaghaft die Hand aus, um den Hund am Hals zu kraulen. Als er auf mich aufmerksam wird, schreckt er hoch und schnuppert erst an meiner Hand, bevor er sie mit seiner feuchten Nase anstupst und mir damit ein Lachen entlockt. Dazu kläfft der Kleine noch einmal.
"Seven", antwortet Yoongi nun, "Sein Name ist Seven." Strahlend blicke ich den Vierbeiner an, der aus seinen schwarzen Augen treudoof zurückschaut und mein Herz geht auf.
"Ich bin sicher, wir werden gute Freunde, Seven!"
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