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Kapitel 5

Ich hatte das Wohngebäude verlassen, konnte Jungkook aber nicht finden. Er war doch nicht etwa nach Hause gefahren?

Trotz dessen musste ich mit ihm reden. Musste ihm endlich die Wahrheit sagen.

Mit einem Mal wurde mir sehr schlecht. Ich brauchte eine Toilette oder zumindest etwas Kübel-artiges. Und das dringend!

Die Dunkelheit um mich herum wurde mit schwachen Straßenlicht beleuchtet, in dem ich ein paar Gestalten erkennen konnte. Sie gingen spazieren auf dem Platz oder machten ihre letzten Einkäufe. Im Prinzip war mir das egal, aber ich brauchte jetzt Hilfe.

Ich brach zusammen und übergab mich auf den Boden und auch teilweise auf mich selbst. In dem Moment konnte ich nicht denken, aber ich war angewidert. Angewidert von mir selbst.

Ein paar Blicke bekam ich ab, meist kritisch und urteilend. Zugegeben, ich würde auch komisch schauen, wenn ein Mädchen aus einer Wohnung gestürmt kam und sich mitten auf der Straße übergeben würde.

"Geht es dir gut, Minji?", fragte ich meine Tochter in meinem Bauch. Natürlich antwortete sie mir nicht. Man könnte nicht einmal vermuten, dass sie hier war, weil mein Bauch noch nicht viel gewachsen ist.

"Komm", sagte jemand neben mir. Ich sah hoch und konnte erkennen, dass Jungkook mir seine Hand entgegen streckte. Meine Hände waren unter meinem Erbrochenen, deshalb half ich mir selbst auf.

"Du bist noch hier?", stellte ich fragend fest und war erleichtert, dass er nicht gegangen war. Plötzlich fiel mir ein, dass ich mich gerade mitten auf der Straße übergeben hatte und spürte wie meine Wangen eine rote Farbe annahmen. Gott, war das peinlich! "Hast du das gerade beobachtet?"

"War kaum zu übersehen", sagte er in einem Ton, den ich von ihm nicht gewohnt war. Irgendwie männlich und bestimmend.

"Wollen wir reden?", fragte ich vorsichtig.

Er sah zu Boden. Könnte er denn sauer auf mich sein? Heute war der erste Tag, an dem ich es bereut hatte, nicht zuerst mit ihm gesprochen zu haben. Jiyoon, wie konntest du nur so blöd sein?

"Ich... Ja, ich will reden", gab er von sich.

"Dann komm", forderte ich ihn auf und deutete auf die Richtung meiner Wohnung. "Hoseok hat dich für heute Nacht eingeladen, damit du nicht heim fahren musst und wir über alles reden können."

Jungkook versuchte zu lächeln. Wenigstens versuchte er es.

"Ahm, hast du vielleicht ein Taschentuch?", fragte ich ihn und sah auf meine Kleidung, die ein bisschen schmutzig war.

"Klar, hier", sagte er und reichte mir ein Taschentuch.

"Danke." Ich putzte mich damit ein bisschen ab und wir gingen los.

Wir redeten die paar Minuten, die wir zur Wohnung brauchten nichts. Es war komisch. Bis jetzt hatten wir uns immer etwas zum erzählen gehabt!

Kurz bevor ich bei der Eingangstür im Erdgeschoss bei Hoseok's Wohnung anläutete, drehte mich Jungkook, sodass ich nun mit dem Rücken gegen die Wand ihm gegenüber stand.

Ich hatte keine Angst vor ihm, immerhin war er mein bester Freund, aber diese plötzliche Bewegung wirkte ein bisschen bedrohlich.

"Jungkook..."

"Jiyoon... ich verstehe nur nicht", begann er und machte eine kurze Pause. "Ich verstehe nicht, warum du mir nichts gesagt hast! Immerhin erzählen wir uns alles und es geht ja auch um mein Baby!"

Ich wusste nicht, wie ich darauf antworten sollte. Ja, ich hätte ihn einweihen sollen. Ja, ich hätte nicht ohne ein Wort abhauen sollen. Ja, ich hätte alles anders machen sollen.

"Es tut mir leid. Ich bin nur... Ich wusste nicht, was ich tun sollte!", schrie ich mit einem Mal und merkte, dass sich meine Stimmung von reumütig zu wütend änderte. Ich spürte, wie mir heiße Tränen die Wangen runter rollten. Es versetzte mir einen Stich in meinem Herzen über die Tatsache zu sprechen, dass ich nicht stark genug war. Nicht stark genug um zu reden, und nicht stark genug um zu bleiben. "Meine Eltern haben mich verstoßen! Meine eigene Mutter hat mich 'Schlampe' genannt! Ich habe mich geschämt! Ich schäme mich noch immer! Ich habe große Fehler gemacht und die kann ich nicht ausbessern!"

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