Kapitel 9
"Wo warst du?", fragte Jungkook als ich die Tür Wohnung betrat.
"Ich war arbeiten", erwiderte ich und reflektierte vor meinen Augen den ganzen Tag noch einmal. Er war eigentlich ziemlich gut verlaufen. Nachdem ich fertig gelesen hatte, war ich mit Sunny, und dem Einverständnis von Minzy, auf einen Kaffee gegangen. Nach der Pause hat Minzy mir freundlicherweise alles gezeigt, bis Seokjin hereinkam.
Sie war ganz plötzlich sehr streng mit mir und auch sehr bestimmend. Ich vermutete, dass sie Seokjin ganz besonders toll fand und sie ihre Konkurrenz - vor der sie nichts zu befürchten hatte - schlecht aussehen lassen wollte.
Seokjin ignorierte sie aber komplett und fragte, ob bei mir alles in Ordnung sei. Ich hatte ihm gesagt, dass alles perfekt wäre und da war er auch wieder verschwunden.
"Arbeiten?", fragte Jungkook und holte mich in die Realität zurück.
"Ja, arbeiten. Ich hab gestern ein Interview gehabt und sie wollten, dass ich gleich heute anfange", erklärte ich ihm. "Wo ist eigentlich Hoseok?"
"Warte. Ganz langsam mal. Was arbeitest du? Wo arbeitest du? Ist dir bewusst, dass du schwanger bist? Und warum hast du uns gestern nichts mehr gesagt?"
"Jetzt, mach du mal langsam. Es ist eine Bibliothek, ein paar Stationen entfernt von hier. Und das ist keine schwere Arbeit, aber ich brauche das Geld. Ich schulde Hoseok eine Monatsmiete und auch für Essen und so. Wo ist er jetzt eigentlich?", fragte ich und dachte schnell nach, ob ich eine seinerLebenen übergangen hatte. "Oh, und erzählt habe ich es nicht, weil ich es vergessen habe und zuerst Hoseok geweint und dann du aufgekreuzt bist. Da vergisst man ein paar Dinge halt."
"Aber Jiyoon, das war wichtig! Du kannst die nicht vorstellen, welche Sorgen wir uns gemacht haben!", meinte er und ich hörte einen strengen und tadelnden Unterton heraus. "Immerhin geht es um deine Gesundheit und Wohlbefinden."
"Um mich brauchst du dir keine Sorgen zu machen."
"Doch! Vor allem hast du auch noch dieses Ding in dir", meinte er.
Dieses Ding? Er meint damit doch nicht etwa...?
"Wie redest du von Minji?!", fragte ich leicht hysterisch. Berechtigt hysterisch. Er konnte sie doch nicht Ding nennen.
"Ich habe mir etwas überlegt", sagte er und wich meiner Frage aus, und auch meiner Wut. "Wenn Minji dir dein Leben so kaputt macht, könntest du doch abtreiben."
"WAS?!"
Jetzt war ich wirklich wütend. Nein, ich werde meine Tochter behalten und wenn es notwendig war, würde ich alles dafür tun. Ich würde mir ein schönes leben mit mir machen, denn umsonst hatte ich nicht alles hinter mir gelassen. Minji war nun ein Teil von mir und das war gut so.
"Sie ist immerhin auch deine Tochter", sagte ich ihm und war von meinem Wutanfall weg, aber dafür den Tränen nahe. Dämliche Hormone!
"Ja, ich weiß", gestand er und seufzte. "Ich will doch nur nicht, dass du von unserem Fehler dein Leben komplett wegwirfst und auch ruinierst! Ich trage ja irgendwie Mitschuld."
"Jungkook."
Er sah auf, in mein Gesicht. Ich fühlte mich elend und hielt ihn im Moment nicht aus.
"Wo ist Hoseok?"
"Der ist bei Taehyung."
Taehyung?!
"Gut. Ich werde ihn holen, bevor er etwas dummes machen kann", sagte ich und drehte gleich wieder um, Richtung Ausgang.
"Warte, Jiyoon!", sagte er und hielt mich am Handgelenk fest. "Du bist gerade erst gekommen. Ruh dich etwas aus."
"Ruhe habe ich momentan nur, wenn ich dein Gesicht nicht sehe. Wie kannst du nur so zu mir sein? Ich dachte, wir wären beste Freunde?"
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