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Prolog

"Lass dich hier nie wieder blicken!"

"Aber Mama..."

"Nein, Jiyoon!", schrie sie weiter. Den ganzen Abend hatte sie schon geschrien. "Du bist eine Schande. Nichts weiter als eine Schande. Für dich, für mich, für uns und die ganze restliche Familie!"

Ich war kurz davor zusammenzubrechen. Solche Wörter von einer so nahen Person zu hören war schwer. Nein, es war noch schwerer sie von der eigenen Mutter zu hören.

"Mama", brachte ich hinter den Tränen hervor. "Bitte hör mir zu..."

"Nein, du hörst mir zu", schrie sie weiter. "Ich werde dir nie wieder zuhören! Du bist nicht mehr meine Tochter! Ich habe keine Tochter mehr!"

Wie konnte sie so etwas sagen? Bitte nicht, Mama... Ich brauche dich jetzt!

Ich bewegte mich noch immer nicht vom Fleck. Ich stand schon die ganze Zeit im Flur und wusste nicht recht, was ich sagen sollte. Tränenverlaufen stand ich vor meiner Mutter.

"Du bewegst dich ja noch immer nicht. Los! Hol deine Sachen und verschwinde aus meinem Haus! Lass dich nicht mehr blicken!"

"Papa! Sag was!", bettelte ich, aber es brachte nichts. Er sah mich enttäuscht an und seine Miene verdunkelte sich. Neben ihm stand mein kleiner Bruder. Ich konnte erkennen, dass auch ihm eine Träne herunterkullerte, er sagte aber nichts.

"Bitte...", versuchte ich es erneut. Es brachte nichts.

"Hau ab", waren die ersten Worte von meinem Vater und sie trafen mich mitten ins Herz.

"Papa! Mama!", raunzte mein Bruder.

"Ruhig jetzt", ermahnte ihn unsere Mutter. "Geh und hol deine Sachen. Ich will dich hier nie wieder sehen."

Ich gab auf. Es brachte nichts mehr. Sie würden nicht locker lassen.

Kopfsenkend ging ich auf mein Zimmer und packte das Nötigste in einen Koffer. Die Fotos an meiner Wand würde ich wahrscheinlich nicht mehr brauchen. Obwohl es schon zwei Wochen her war, dass Namjoon mit mir Schluss gemacht hatte, konnte ich mir sein Gesicht auf dem Foto noch immer nicht anschauen. Daneben hing ein Bild von Namjoon, Yoongi und mir, bevor Namjoon und ich ein Paar wurden. Rund herum waren Bilder von meiner Familie und auch anderen Freunden, wie Hyori, meiner besten Freundin und Jungkook.

Jedes lachende Gesicht versetzte mir einen Stich in mein Herz.

Am liebsten würde ich mein ganzes Zimmer mitnehmen, aber das konnte ich nicht.

Ich ging die Treppe runter, wo meine Familie auf mich wartete. Meine Mutter öffnete die Tür und deutete mir, dass ich rausgehen sollte.

Fest meinen Koffer umklammernd tat ich, was sie von mir verlangte. Ich trat heraus in die kalte Nachtluft.

Vorsichtig drehte ich mich um und sah das traurige Gesicht meines Bruders und das ernste Gesicht meines Vaters. Meine Mutter schloss die Tür. Ein Wort gab sie noch von sich, als die Tür ins Schloss fiel.

"Schlampe."

Das war die Krönung. Ich brach zusammen und saß auf dem Boden. Ich konnte das nicht mehr ertragen. Wie sollte das auch ein einzelner Mensch ertragen können?

Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte und aufstehen konnte, verließ ich das Grundstück und zwang mich mich nicht noch einmal umzudrehen. Es war hart, aber ich musste da jetzt durch.

Vorsichtig rief ich Hyori an.

Komm schon, heb ab, betete ich. Nach dem vierten Biepen wollte ich schon aufgeben und mir einen Plan B überlegen, aber im letzten Moment hob sie doch ab.

"Jiyoon? Hast du es ihnen erzählt? Wie wars? Wie geht es dir?", fragte sie eifrig.

Ich riss mich zusammen, um ihr eine Frage zu stellen. "Darf ich heute bei dir übernachten?"

Sofort wurde es still. "Oh-oh... Ja klar! Keine Frage! Komm so schnell wie möglich! Soll ich dich von irgendwo abholen?"

Obwohl ich ihr für ihre Reaktion und ihr Dasein sehr dankbar war, war ich unfähig zu antworten. Sie war die Beste, die es gab und je geben wird.

Besser fühlend, weil ich ein Dach über den Kopf hatte für heute Nacht, drückte ich den roten Kopf auf meinem Handy.

"Komm Kleiner!", sagte ich und strich mir über meinen Bauch. "Wir gehen zu Mami's bester Freundin. Sie wird auf uns aufpassen, egal was passiert!"

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