~35~
Ich weiss nicht, was mit Watty los ist, aber ich kann auf eure Kommentare, solange sie nicht im Kapitel sind, nicht mehr antworten, ich komme nicht hinein -.- Ich sehe auch nicht mehr, WO sie sind, sondern muss erstmal alles durchsuchen. Ist Wattpad einfach dumm, hat es seine Tage oder... WAS IST LOS MIT DIR?! - Auf jeden Fall, tut es mir leid, dass ich nicht antworten kann :(
Jungkook
Unsicher sehe ich die junge Frau an, die mit dem schwarzen Hoodie und den Jeans einen völlig anderen Eindruck macht, als letztes Mal. Da hatte sie diese Bürokleidung an, diesmal jedoch sieht sie aus, wie ein gewöhnlicher Teenager. Ihre Haare sind zwar wieder zu einem Zopf geflochten, allerdings weitaus unordentlicher als damals.
Auf ihren Lippen aber, sehe ich wieder dasselbe, hämische, boshafte Grinsen, wie vor einigen Tagen. "Du kamst ja rascher als erwartet", lächelt sie mit ihrer tiefen Stimme und verschränkt die Arme vor der Brust, bevor sie ihren Blick über den Rothaarigen gleiten lässt und dann auch mir kurz einen Blick schenkt. "Oh und sieh mal", lächelt sie noch eine Spur breiter, "Dein kleines Schosshündchen hast du auch gleich mitgebracht!"
"Was soll das, Sowon?!" Taehyung ist so wütend, dass seine Stimme lediglich ein scharfes Zischen ist. "Was?", fragt das Mädchen gespielt unschuldig und macht dazu einen perfekten Augenaufschlag. Sie ist mir unsympathisch, aber sowas von.
"Du weisst ganz genau was!", blafft er nun lauter und macht einen Schritt vorwärts, um sie zu packen. Ich ziehe leise an seiner Hand, welche noch immer fest mit meiner verschränkt ist und lege ihm beruhigend die Hand auf den Rücken. Ich weiss nicht, ob es ihm hilft, allerdings bleibt er stehen und atmet tief durch, also gehe ich von einer positiven Wirkung aus.
"Was?", lacht sie wieder, "Ich habe allen nur gezeigt, was du wirklich bist, Taehyung."
"Du weisst ganz genau, das stimmt nicht, du kleine, widerliche-" Ich unterbreche ihn leise: "Tae, wieso hat sie Mörder an deinen Spind gesprayt? Was soll das?"
Sie beiden scheinen zwar zu wissen, um was es geht, ich dagegen habe immer noch keine Ahnung und langsam aber sicher nervt diese Unwissenheit.
Der Blick des Mädchens schweift wieder zu mir, bevor ihre Augen gross werden und sie mit ihren geschminkten Lippen einen O-Mund formt, der sich aber bald schon wieder zu einem Lächeln verzieht, das noch boshafter ist, als das vorherige. "Du hast es ihm nicht gesagt?", fragt sie halblaut und sieht zu Taehyung auf, "Du hast es ihm tatsächlich nicht verraten?!"
"Es gibt nichts, was er darüber wissen müsste", knurrt der Rothaarige und ich runzle die Stirn. "Ich möchte es aber wissen! Was verheimlichst du mir?!", frage ich energisch und sehe ihn von der Seite an. Plötzlich jedoch, lässt der Ältere meine Hand los. "Jungkook, geh", verlangt er mit einer beherrschten Stimme.
Wieder werde ich an den Moment auf dem Parkplatz erinnert, wieder erfüllt mich die Sorge und automatisch gehe ich einen Schritt zurück, nur um dann wieder stehen zu bleiben. "Nein", beschliesse ich, "Sag mir erst, was hier los ist."
"Gar nichts. Diese Göre denkt nur, ihre Witze sind lustig", zischt Taehyung wütend und atmet hörbar aus. Sie kichert nur amüsiert. "Das ist kein Witz, Kleiner. Jeder Buchstabe hat seine Richtigkeit, vertrau mir", richtet sie das Wort an mich.
"Ich glaube dir nicht", murmle ich unsicher. "Das solltest du aber." Ihre Stimme wird kalt und ihre Augen bohren sich in meine, "Denk daran, was ich dir gesagt habe, Jungkook!"
Ich schlucke leer. Taehyung ist nicht der, den er zu sein vorgibt. Ja, irgendetwas ist da, das er wohl mit aller Kraft vor mir zu verstecken versucht - oder allgemein vor den Menschen. Aber macht ihn diese Sache direkt zu einem Mörder? Das kann ich einfach nicht glauben.
"Was?!", fährt der Rothaarige sie nun an, "Was hast du ihm gesagt?! Welche Lüge hast du verdammte, kleine Schlampe, dir wieder ausgedacht?!"
Diesmal läuft er wieder auf sie zu und presst sie gegen die Spinde. Die Dunkelhaarige grinst nur breit. "Wieso sollte ich dir das sagen, wenn du ihm nicht einmal erzählst, wer du bist, Tae?", wispert sie. Sie scheint nicht im Geringsten Angst vor ihm oder seiner Wut zu haben - sie scheint es sogar regelrecht zu geniessen, wie rasend Taehyung ist.
"Weil es nicht ich bin!", faucht er angespannt und mustert das Mädchen eingehend, die wiederum grinsend zu ihm aufschaut. "Doch natürlich", widerspricht sie, "Du bist ein Mörder, Taehyung."
"Nein!" Mit der Faust schlägt er neben ihrem Kopf gegen die Wand, "Nein, verdammt, ich bin kein Mörder!"
"Nein, nein! Versuch nicht, es abzustreiten. Wir beide - und jeder andere auch - wissen, was du getan hast. Du brauchst es nicht zu vertuschen", meint die Dunkelhaarige leise, "Du hast sie umgebracht, Tae. Du warst es."
"Ich habe sie nicht umgebracht!", schreit er sie an. Ich dagegen stehe bloss stumm daneben und kann meine Augen nicht von dem Spektakel nehmen. Das uns noch kein anderer bemerkt hat, ist ein Wunder, in wenigen Minuten beginnt die erste Stunde und gleich werden hier jede Menge Schüler aufkreuzen. Ich weiss nicht, ob die beiden bei solch eine Diskussion gesehen oder gar gehört werden möchten.
Obwohl, der Frau wird es wohl nichts ausmachen, es wird mehr Taehyung sein, dem es missfällt, gehört zu werden.
"Du hast sie vielleicht nicht umgebracht, aber du warst der Grund!", spuckt sie nun hasserfüllt. Er schüttelt den Kopf. "Nein", murmelt er und tritt zurück, "Nein, ich war es nicht!"
"Du warst es", beharrt sie auf ihrer Meinung, "Du warst ihr Grund und das macht dich zu ihrem Mörder, Taehyung. Wie kannst du damit leben? Wie kannst du damit leben, einen Menschen auf dem Gewissen zu haben? Wie kannst du damit leben, meine beste Freundin auf dem Gewissen zu haben? Wie kannst du damit leben, deine Freundin auf dem Gewissen zu haben?"
Mir stockt der Atem und ich weite die Augen. "D-du hast was?", entfährt es mir halblaut mit zerbrechlicher Stimme. Taehyung wirbelt herum, er scheint wohl vergessen zu haben, dass ich noch hier war. In seinen Augen schimmern Tränen und er schüttelt vehement den Kopf. "Nein, das ist nicht wahr!", redet er auf mich ein, "I-ich... Jungkook, bitte, ich habe niemanden umgebracht und ich bin auch an keinem Tod Schuld - egal in welcher Weise!"
"Ja, lüg ihn nur weiter an. Lüg dich weiter an. Innerlich weisst du, was du angerichtet hast. Du kannst es nur nicht zugeben - Aber du weisst es!", meint die junge Frau leise und läuft an ihm vorbei. Sie wirft mir einen Blick zu, sagt jedoch nichts weiter und verschwindet den Flur entlang.
Taehyug und ich sehen uns stumm an. Sekundenlang, Minutenlang, bis es plötzlich klingelt. Der schrille, überraschende Ton, lässt mich zusammenzucken und ich starre zur Wand, wo der Lautsprecher mir so zu verstehen gibt, dass ich mit meinen Büchern in die nächste Stunde sollte, wo ich doch gerade jetzt nicht auch nur das kleinste Bisschen ans Lernen denken kann. Viel zu sehr, beschäftigt diese Unterhaltung mich nun.
Taehyung soll seine Freundin umgebracht haben?
Als ich wieder zum Rothaarigen sehen will, steht der nicht mehr an seinem Platz. Ich entdecke ihn nicht in dem Aufkommenden Gewühl der Schüler und drehe mich suchend im Kreis, bis ich ihn auf den Ausgang zulaufen sehe.
"Taehyung!", rufe ich laut, ignoriere jegliche Blicke und renne wieder los. Wieso versucht er mich immer abzuhängen, wenn es Dinge gibt, die er nicht erzählen will? Bei mir hat er auch nicht locker gelassen, es ist also mein Recht, nun auch nicht locker zu lassen und ihm wie ein Hund zu folgen.
Und genau das tue ich auch. Seinen Namen rufend schlänge ich mich zwischen den Leuten hindurch, ignoriere die Tatsache, dass ich nun schwänzen werde und kriege ihn draussen auf dem Hof zu fassen. Ich greife nach dem Saum seines Shirts und bringe ihn so zum Stehen.
"Jungkook, du solltest mich in Ruhe lassen", lässt der Ältere leise vernehmen. Ich umrunde ihn und stelle mich dann vor ihn, sehe ihn an, doch er hält seinen Kopf gesenkt. Taehyung starrt lediglich auf seine Schuhe. "Wieso? Bist du so wütend, dass du dich nicht beherrschen kannst? Dieses Risiko werde ich eingehen", erwidere ich ruhig. Diesmal fürchte ich keine Schmerzen. Er soll mir endlich sagen, was los ist, ich möchte für ihn da sein. Denn er scheint jemanden zu brauchen. "Nicht deswegen", verneint er meine Frage, "Du hast Sowon gehört, du weisst, was ich getan habe."
"Ich glaube ihr nicht", stelle ich klar.
Nun hebt er langsam den Kopf. "Jungkook", beginnt er leise und mit einer gefährlich klingenden Stimme, die mir eine Gänsehaut verpasst, "Hast du ihr nicht zugehört?" Er sieht direkt in meine Augen und ich erwidere diesen Blick tapfer, selbst wenn die Kälte, die er ausstrahlt, diese Abweisung, diese Haltung, die nach Gefahr schreit, mir Angst bereitet. Wie konnte er sich nur dank einiger Worte und dann noch in so kurzer Zeit von einem liebenswürdigen Freund in solch einen kalten, abweisenden Menschen verwandeln?
"Ich habe jemanden umgebracht."
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