»17«
[Jungkook]
„Ich glaub mir wird schlecht", meinte ich und hielt die Hand vor meinen Mund. Lucas schaute mich plötzlich verwirrt an und drehte sein Handy wieder zu sich, dabei die Augen weiter aufreißend.
„Das sollte da nicht sein! Ich wollte dir das hier zeigen!", meinte er und zeigte mir ein anderes Bild. Ein Bild, auf dem Taehyung zu sehen war, wie er einem komplett in Schwarz gekleideten Mann eine ziemlich gefüllte Tasche in die Hand drückte. „Ich habe ihn gestern noch spät in der Nacht hinter dem Club gesehen, in dem ich arbeite. Es war ganz komisch und ich hab das Gefühl, dass da irgendwie schmutzige Dinge im Umlauf sind. Also hab ein Auge drauf."
„Wie kannst du jetzt einfach so von dem Thema ablenken, wenn du mir gerade erst ein Bild von dir und meiner Mutter gezeigt hast, welches ganz offensichtlich nicht alt sein kann, weil du da schon blonde Haare hast?"
Lucas wurde rot. Er kratzte sich am Hinterkopf und schien nicht wirklich zu wissen, was er sagen sollte. Daher übernahm ich das Reden.
„Wie kam es dazu? Das ist nun wirklich ein großer Altersunterschied", meinte ich leise und brach somit dann auch das Eis. Anfangs konnte ich noch konzentriert der Geschichte zuhören, die vor ca. eineinhalb Jahren began, als Lucas mich das erste Mal Zuhause besuchte und meine Mutter ihm schöne Augen machte, dann aber plagte mich immer mehr der Gedanke an Taehyung.
Ich wollte unbedingt herausfinden, was das mit diesem Bild auf sich hatte, wer der Mann war, den er gestern nach unserem Gespräch noch getroffen hatte und was in dieser Tasche war. Fast schon wie eine Szene aus einem Drogenfilm sah das aus, aber ich wusste, dass Tae nicht solche Geschäfte machte und sein Geld auf wirklich ehrliche Weise verdiente.
Es bereitete mir einfach nur Kopfschmerzen, diese Neugier. Diese Neugier alles über diesen Mann zu wissen, auch wenn es vielleicht besser gewesen wäre, wenn ich gar nicht davon erfahren hätte. Auch wenn Taehyung Teil meiner Familie war, hatte ich meine Grenzen zu setzen und sollte nicht einfach in Dingen herumschnuppern, die nichts mit mir zutun und mich nichts anzugehen hatten.
Vielleicht hatte ich auch einfach zu viel Fantasie und es war nichts Schlimmes, um das es sich handelte. Vielleicht war das ein Verwandter Taehyungs oder ein Freund, mit dem er einfach abends noch in einen Club gegangen ist. Vielleicht dieser Freund seine Tasche dort vergessen oder er hat ihm Sachen ausgeliehen.
So sehr ich es auch wollte, tat ich mich wirklich schwer damit, irgendwelche Möglichkeiten zu suchen, die nicht alle ins negative laufen und bedeuten, dass Taehyung ein Dealer oder böser Mensch war, denn ich wusste ganz genau, er würde niemals illegale Dinge tun. In all den Jahren, vermied er es sogar schlimmer Wörter vor mir zu sagen, er schaute nicht einmal Actionfilme und das aufregendste war eben das Spiel, was wir immer spielten.
Ein ruhiger Mann. Er las viel, trank wenig bis keinen Alkohol, ernährte sich ausschließlich von gesundem Essen, machte viel Sport, war ein wirklich intelligenter Kerl, arbeitete hart und viel, kümmerte sich um uns und war immer für mich da. Taehyung war tatsächlich ein perfekter Vater, aber ich wollte ihn so gern als einen perfekten Freund haben, dass mein Unterbewusstsein schon nach Gründen suchte, ihn in den Augen meiner Mutter als schlechten Vater dastehen lassen zu können, damit sie sich von ihm trennen und ich ihn ganz für mich allein haben würde.
Ich fragte mich tatsächlich selbst, wohin sie ganzen Vorsätze verschwunden waren, über ihn hinweg zu kommen, denn wie es gerade aussah, stand ich auf gerader Strecke auf ein großes Ziel hinzu, welches ich vielleicht niemals erreichen würde. Aber ich war dafür ein relativ ehrgeiziger Junge.
Vielleicht stimmte es ja auch und Taehyung war wirklich kein guter Mensch, weswegen meine Mutter sich ja von ihm trennen könnte und dann würde ich ins Spiel kommen, ich hatte nämlich kein Problem damit. Er könnte von mir aus auch der Mafia angehören, ich würde ihm dann zu Füßen liegen und gehorchen.
Aber dann überkam es mich.
Ich versuchte immer eine Möglichkeit zu finden, mit der sich meine Mutter von Taehyung trennen würde, was alle bedeutete, dass ich ihn in ihren schlecht dastehen lassen müsste, dabei war sie diejenige, die ihn nicht verdiente. Sie war der Fehler in dem Konstrukt und musste fallen, damit Taehyung sich von ihr trennen würde
„Dann hat sie halt ihre Hand auf mein Bein gelegt", hörte ich ihn irgendwie im Hintergrund sagen.
Und Lucas gab mir alles, was ich dafür brauchte, direkt in die Hände.
„Du bist wirklich der Beste!", rief ich fast schon, stand auf, beugte mich über den Tisch und zog ihn in eine ganz feste Umarmung. „Wir sehen uns bald mal wieder, aber ich muss jetzt los. Bitte schick mir das Bild von dir und Mama, es ist wichtig!"
———
Ob Jungkooks Plan wohl aufgehen wird 🤔
Vielleicht hat er auch wesentliche Sachen verpasst, weil er Lucas nicht zugehört hat... wer weiß 🤷🏼♀️
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