»19«
[Jungkook]
„Bist du dir auch wirklich sicher, dass keiner hier reinkommen kann?", fragte ich nervös und versuchte weiterhin meine nackten Beine mit dem Sakko zu verstecken, den Taehyung bis eben noch getragen hatte. Wir befanden uns im Fahrstuhl und dafür, dass er meinte, das Gebäude würde kalt gehalten werden, war mir ziemlich heiß, denn die ganze Situation kam mir einfach viel zu unangenehm.
„Ja. Mach dir keine Sorgen, dieser Fahrstuhl führt nur von meiner Etage aus zur Garage runter und ist nicht verbunden an andere Stockwerke. Außerdem habe ich auch weitergegeben, dass in den nächsten zehn Minuten keiner den Tiefgaragen-Bereich betreten darf, weshalb es nicht nötig ist, dass du dich hier so versteckt", sagte der Ältere und schaute mich leicht grinsend an. Tae fand es wohl sehr witzig, dass ich hier nur in Boxershorts durch sein Firmengebäude laufen musste.
Er hatte aber recht. Es kam niemand und es hatte mich auch keiner gesehen, sodass wir kurze Zeit später in seinem Mercedes saßen, wobei ich stets das Jackett über meinen Beinen ließ, da ich mich nicht wohl dabei fühlte, so freizügig alleine mit Taehyung im Auto zu sitzen. Daher blieb es den Großteil der Fahrt auch unangenehm ruhig, bis er dann doch endlich die Stille brach.
„Wirklich eine Überraschung! Sonst schreibst du mir ja auch nicht, dass ich dich irgendwo abholen soll. Gab es dafür einen bestimmten Grund oder soll ich von nun an dein Taxi sein? Ich hätte damit auf jeden Fall kein Problem", behauptete der Blondhaarige und grinste weiterhin wie doof vor sich hin.
„Wollte eigentlich mit dir über etwas reden, aber ich denke das tut jetzt sowieso nicht zur Sache", meinte ich leise, lehnte mein Kopf bockig schmollend an das Fenster und schaute raus. „Meine Laune ist jetzt sowieso hin."
„Ich bin mir sicher, deine Laune wird sich wieder heben, sobald wir nachher im Restaurant sind und essen. Essen macht alles und jeden glücklich!", sagte Tae. „Und wenn du mir nicht sagen willst, was du vorhattest, ist das auch nicht schlimm. Ich kann warten, bis du bereit bist mir zu erzählen, was du erzählen wolltest."
Und damit ließ er mich einfach so schlecht fühlen. Meinetwegen gab es Chaos im Büro und jetzt zeigt er auch noch so viel Verständnis für mich, wobei ich kurz davor bin seine Verlobung zu zerstören und ihm somit auch das Herz zu brechen. So schön es für mich klingen mochte, möglicherweise in eine Beziehung mit Taehyung zu kommen, sobald er sich von meiner Mutter trennen würde, ich konnte diesen Plan einfach nicht durchziehen. Er war ein zu guter Mensch und ich wollte ihn wirklich nicht verletzen.
Aber die Dinge nahmen ihren Lauf, auch ohne dass ich damit etwas zu tun hatte. So hörten wir ein lautes Gespräch sobald wir das Haus betraten. Zwei Stimmen. Die einer Frau und die eines jungen Mannes.
„Ich wusste doch, ich hätte dich das Bild nicht machen lassen dürfen! Wie konntest du das Jungkook zeig? Spinnst du eigentlich?", hörte ich meine Mutter laut rufen. Dann war es für einen kurzen Augenblick ruhig.
„Das wollte ich ja auch gar nicht! Ich habe Taehyung gestern in der Nähe vom Club gesehen und es kam mir nur so komisch, wie er einem Mann eine gestopfte, schwarze Tasche in die Hand gedrückt hat! Das Bild von uns beiden im Bett kam da aus Versehen dazu", sagte die andere Stimme. Lucas.
Man hatte Taehyung und mich noch nicht bemerkt, da wir die Tür noch nicht geschlossen hatten und gerade erst im Eingangsbereich standen. Ich schaute zu dem Mann, der wie eingefroren dort stand, die Hände zu Fäusten geballt hatte und tiefe Atemzüge machte.
„Das war nur Geld! Wieso zeigst du ihm das denn auch? Wir haben uns so viel Mühe dabei gegeben, so zu tun, als würden wir seinen neuen Freund akzeptieren, aber es gibt keine Chance dafür, dass ich meinen Sohn mit jemandem zusammen sein lasse, der so alt ist wie mein Verlobter. Taehyung hat ihm eine Menge Geld zugesteckt, dafür das Yoongi, so heißt er, sich nicht mehr vor Jungkook blicken lässt!"
Damit verlor ich mein letztes Bisschen Anstand, das ich noch hatte, und stampfte fast schon zum Wohnzimmer, wo sich meine Mutter und Lucas befanden. Ich weiß nicht wieso, aber meine ganze Wut ballte gerade auf meinen Freund aus der Schulzeit, sodass ich ausholte und ihn schlagen wollte. Bevor ich das aber tun konnte, packte mich augenblicklich ein fester griff und ich wurde zur Seite gedrückt.
„Wenn ich bitten darf", sagte Taehyung. Er klang wütend, aber gleichzeitig war seine Stimme so ruhig. Sein Blick konnte gerade wahrscheinlich töten und er hatte sich auch aufgebaut, war bestimmt bereit dazu jemanden zu schlagen wie ich es tun wollte, hielt sich aber zurück und wirkte damit umso bedrohender. „Wir möchten uns als Familie unterhalten. Du wirst hier nicht länger benötigt."
Das ließ Lucas sich kein zweites Mal sagen und verschwand so schnell es ging, schaute aber noch einmal zurück zu Mutter, die ihm ebenfalls traurig hinterher schaute.
„Mich lässt du eine Menge Geld bezahlen dafür, dass ich deinem Sohn den Freund nehmen soll, weil der so alt ist wie ich. Aber selbst führst du eine Affäre zu jemandem, der so alt ist wie dein Sohn? Deswegen wolltest du eine offene Beziehung führen, obwohl wir bald heiraten?"
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Drama 🌚
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