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[Jungkook]
„Ich sehe du bist beschäftigt", sagte Taehyung nur und ging wieder, hinter sich die Tür schließend. Auf seinen Lippen lag ein leichtes Grinsen, da war ich mir auch ganz sicher, und auch seine Augen wanderten immer wieder an mir herab, bis er dann weg war. Ob er nun das Bild von sich gesehen hatte oder nicht, wusste ich nicht, denn ich hatte ihn nicht auf mein Handy schauen sehen, daher konnte ich vom jetzigen Augenblick aus nur noch hoffen. Aber worauf?
Tae war der Verlobte meiner Mutter und bald würden die beiden schon den Altar hinunter laufen und heiraten. Ob er das nun gesehen habe oder nicht, er hatte mich in einer sehr misslichen Lage erwischt und ich war nicht sonderlich stolz darauf. Anderes Jungs in meinem Alter, hatten allesamt schon ihre Partner, machten es mit denen oder hatten wenigstens bereits sexuelle Erfahrungen gemacht, während ich hier wie ein Geisteskranker mir auf das Bild meines baldigen Stiefvaters einen hinunterwedelte.
Am liebsten sollte man mich einfach hinter Gitter bringen oder in eine Klapse einweisen, denn ich war eine Gefahr für diese Gesellschaft. Nicht doch, dass ich jemanden verletzen würde, aber meine Dummheit könnte sich noch auf andere abfärben und letztendlich eine Masse auf bescheuerten Menschen verursachen.
Ein Blick in den Spiegel und ich sah, dass mein Gesicht noch immer hochrot angelaufen war, meine Ohren ebenso. Für mich war die ganze Sache hier gegessen und ich wollte es einfach nur noch vergessen, weshalb ich meine Hände schnell wusch, mich dann aber dazu entschied, einfach duschen zu gehen. Da ich nichts mehr von Taehyung hörte, dachte ich, er sei ins Bett gegangen oder wenigstens wieder zurück in seinem Zimmer. So erschreckte ich mich regelrecht schon, als ich ihn plötzlich in meinem Zimmer sah, dort auf meinem Bett sitzend, die Beine leicht auseinander, sich etwas nach hinten gelehnt und noch immer dieses schwache Grinsen auf diesen perfekten Lippen, von denen ich mir nur vorstellen konnte, wie gut es sich wohl anfühlen würde, sie zu küssen.
„Na endlich, du hast mich ewig warten lassen", sagte er. Seine Stimme klang so anders, so rau und gleichzeitig so ruhig, immer noch sehr tief, wie sie halt war, aber sie klang definitiv nicht nach Taehyung, jedenfalls nicht nach dem Taehyung, den ich kannte. „Und untenrum noch immer ganz aufgeregt, bin ich etwa Schuld daran? Ich wusste ja gar nicht, dass du solch dreckige Gedanken haben kannst."
Ich stand einfach da, die Beine zitterten leicht und schluckte einmal laut den Kloß in meinem Hals hinunter. Mir nervös auf die Lippe beißend, versuchte ich schnell eine Ausrede zu finden, aber von allen, die mir in den Sinn kamen, war keine gut genug, als dass ich sie Taehyung jetzt auftischen konnte, schließlich hatte ich keinen Plan, was er dachte und was ich daher auch sagen sollte.
„Taehyung, ich kann das erklären", murmelte ich und versuchte mir schnell noch was einfallen zu lassen, aber es ging einfach nicht. „Geh raus! Ich möchte nicht, dass du hier bei mir im Zimmer bist!"
Seufzend schaute ich auf den Boden, denn etwas Besseres kam mir nicht in den Sinn. Für gewöhnlich tat ich das eben - meinen Problemen einfach aus dem Weg gehen. Mir war nicht bewusst, wie viel Taehyung gesehen hatte, ob er da Bild von sich sah, aber ich wusste definitiv, dass er mich eiskalt dabei erwischt hatte, wie ich es mir selbst gemacht hatte und peinlicher konnte es einfach gar nicht sein.
„Wieso denn? Ich möchte den Spaß doch nicht verpassen!", erwiderte er und lachte darüber. Scheinbar war für ihn die ganze Situation nur ein Scherz und somit bekam ich sofort das Gefühl, dass er über mich lachte. Nein, ich war mir sogar sicher, dass er das tat. Er lachte vom ganzen Herzen, kriegte sich schon fast gar nicht mehr ein. Er lachte einfach.
Mit jeder weiteren Sekunde, die er dort auf meinem Bett saß und über mich lachte, brach mein Herz ein kleines Stückchen mehr, bis ich es nicht mehr zurückhalten konnte und der Damm brach, die Tränen aus meinen Augen floßen wie Wasserfälle. Mein ganzer Körper erschauderte einfach, ich hatte die Hände zu Fäusten geballt und weinte wie ein Kind. Schluchzte sogar.
Auch wenn Tae nun wohl merkte, dass er mich durch sein eigentlich so schönes Lachen wahrlich verletzt hatte, deswegen zu mir kam und seine Hände an meine Schultern legte, um mich noch ein wenig aufrecht zu halten, da ich mit gesenktem Kopf weinte, war mir diese Situation einfach zu viel. So drückte ich ihn sehr unsanft von mir weg und rannte an ihm vorbei aus meinem Zimmer heraus, nach unten ins Erdgeschoss und dann weiter in den Keller, wo sich ein kleiner Raum mit einem Sofa befand, in dem ich öfter mal war, wenn ich nichts von der Welt hören wollte.
Zwar war es kalt und dunkel dort, dennoch sperrte ich mich selbst ein und legte mich auf dieses Sofa, ignorierte jedes Mal, das Taehyung nach mir rief und gegen die Metalltür klopfte. Die Beine hatte ich eng an meinen Körper gezogen und immer wieder gingen mir die Bilder von Taehyung, wie er mich auslachte, durch den Kopf und verschmolzen dort mit Bildern von meinen Klassenkameraden, die mich auslachten am ersten Tag, als ich nach dem Tod meines Vaters in die Schule kam.
„Du hast immer gesagt, du bist nicht wie die anderen", murmelte ich leise vor mich hin. „Aber du bist genauso. Du lachst auch. Du lachst über mich."
———
Was es wohl damit auf sich hat? Ich weiß es, aber ihr nicht höhö :p
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