【Chapter 18】
"Denkst du, wir können sie jetzt schon abholen kommen?", ertönt die raue Stimme von Kook, der gerade gähnend und streckend aus dem Zimmer, das bis vor kurzem eigentlich noch das von Taehyung war, kam. Taehyung hatte ihm sein Zimmer überlassen und ließ sich demnach auf dem unbequemen Sofa nieder, doch da er dieses dem Braunhaarigen nicht zumuten wollte, nutzte er es selber für die kommende Zeit.
Der Angesprochene zuckte jedoch unwissend mit den Schultern, während er an seinem Kaffee nippte und sich ein wenig nach hinten lehnte, seinen Blick dann durch den Raum gleiten ließ und diesen dann an Kook haftete, der nach wie vor planlos in der Raummitte stand und offenbar nicht wusste, wohin mit ihm.
Aus diesem Grund stellte Taehyung seine Tasse wieder auf den Tisch und erhob sich murrend - die Zeit zum Arbeiten war wieder gekommen und auch, wenn Taehyung die Motivation dafür schon recht früh am Morgen verlassen hatte, führte kein Weg drum herum und er musste sich mit Kook im Schlepptau gleich wieder auf den Weg machen.
"Ich hoffe es, diese Kette ist alles was ich habe und ohne sie fühle ich mich so verloren", ertönte seine Stimme erneut, diesmal wieder in seiner üblichen Stimmfarbe, nur ein wenig leiser.
"Mach dir keinen Kopf, auf Yoongi kann man sich verlassen. Ich bin mir sicher, du wirst die Kette in Kürze wieder an deinem Hals tragen", erklärte Taehyung dem unsicheren Jungen und nickte auf seine Haustür, denn er war bereit zu gehen und hoffte innerlich zwar, dass Kook es noch nicht war und noch nicht gehen wollte, doch da dieser nur akzeptierend nickte, gab es keine andere Option mehr.
"Wenn du Hunger hast, sag ruhig bescheid. Dort gibt es auch Essen, also scheue dich nicht", wies er den Gedächtnislosen an und blickte ihn für wenige Augenblicke mit festem Blick an, dieser bestätige seine Aussage mit einem Nicken und bewegte sich langsam auf Taehyung zu, nur um vorne ebenso in sein Laufwerk zu schlüpfen und sich seine leichte Jacke überzuziehen. Na ja, eigentlich gehörte sie Taehyung, doch da er keinerlei eigene Klamotten mit sich hatte, war er auf die Klamotten des Schwarzhaarigen angewiesen.
Er blickte noch einmal zu Kook, um sich zu versichern, dass sie loslaufen konnten und legte seine Hand dann an den Türgriff, nur um diesen dann nach unten zu drücken und ihnen den Weg in die Freiheit zu ebnen. Augenblicklich kam den beiden die noch kalte Morgenluft entgegen und sorgte für einen erfrischenden Beigeschmack, die Sonne war noch nicht aufgegangen und mit etwas Glück konnten sie diesen Vorgang auf ihrem Weg noch beobachten.
Es dauerte nicht lange, da lief Taehyung die ersten Schritte und Kook begann ihm direkt zu folgen, nachdem er die Türe wieder geschlossen hatte.
"Irgendwas sollte ich mir einfallen lassen, um deine Erinnerungen eventuell anregen zu können. Irgendein Erlebnis oder irgendein Gefühl, doch wir haben bisher nur wenige Anhaltspunkte", begann Taehyung dann lautstark zu überlegen und warf einen Seitenblick zu Kook, der auf die Natur fokussiert war und Taehyung's Aussage nicht einmal bemerkt hatte.
Der Schwarzhaarige inspizierte den Jungen, der den umherfliegenden Schmetterling beobachtete und versuchte sich wieder ins Gedächtnis zu rufen, welch mysteriöse Aussagen Kook manchmal ausgesprochen hatte und in welchem Zusammenhang sie standen. Bisher gab es etwas bei Feuer, bei den Ruinen und als Yixing über diese Konfrontation und die Dorflegenden erzählt hatte.
Demnach... musste es doch irgendwie mit der Geschichte unseres Dorfes zusammenhängen. Irgendwas musste passiert sein, das Kook so sehr an seine Vergangenheit erinnerte, nur konnte ich mir nicht erdenken, was es sein sollte. In welchem Zusammenhang konnten diese Dinge stehen, wieso reagierte er bei diesen Dingen und wie konnte man sich eine derart seltsame Geschichte erklären?
Es waren Fragen über Fragen, nur Antworten konnte ihnen keiner liefern und aufgrund der Vertiefung in seine eigenen Gedanken, hatte Taehyung nicht einmal die Rufe Kooks mitbekommen.
"Taehyung!", hörte man ihn wieder etwas lauter sagen und er blickte ihn besorgt an.
"Oh, tut mir leid. Ich war in Gedanken versunken. Was gibt's?", wollte er sich bei dem Braunhaarigen erkunden, doch dieser schüttelte bloß seufzend seinen Kopf und blickte ihn dann wieder ernst an.
"Du zerbrichst dir den Kopf, nicht wahr?", fragte Kook ihn nun, was Taehyung extrem verwirrte und ihn deshalb wunderte, wieso er ihn so direkt damit konfrontierte.
"Die Sache beschäftigt mich halt, natürlich mache ich mir da Gedanken, außerdem geht es doch um deine Erinnerung. Ich finde, du solltest es nicht wie einen Vorwurf klingen lassen, wenn du mich danach fragst", war die Antwort des Größeren und entgegen seiner Erwartungen, verzog Kook seine Miene nicht ein einziges, kleines bisschen. Seine ernste Miene blieb erhalten, so seriös hatte Taehyung den Jungen wohl noch nie erlebt.
"Es ist kein Vorwurf, ich bin dir dankbar für alles, was du für mich tust. Nur solltest du wissen, dass man bestimmte Dinge nicht erzwingen kann und sie eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Zerbrich dir nicht den Kopf, noch hat es vermutlich keinen Sinn. Reicht, wenn ich es tue", war die Antwort von Kook und Taehyung konnte nicht anders, als einmal tief durchzuatmen und ihn mitleidig zu mustern. Er fühlte sich immer noch schrecklich, weil er dem Jungen noch nicht helfen konnte und er wollte sich nicht eimmal vorstellen, wie es ihm in dieser Situation gehen musste.
"Du hilfst mir schon alleine mit deiner Anwesenheit und Fürsorge, du hast mir das Leben gerettet und ich weiß nicht, wie ich alleine das je wieder gut machen könnte. Setz dich also bitte nicht so unter Druck", beendete Kook seine Zurechtweisung und bekam dafür ein Lächeln von Taehyung.
Er machte sich eine Menge Stress, da hatte der Braunhaarige nicht unrecht, doch er besaß eben ein extrem ausgereiftes Helfersyndrom und dieses würde nicht ruhen, ehe er ihm geholfen hatte.
Noch vollkommen in ihr Gespräch vertieft, kamen die beiden vor der Zentrale an und verschufen sich Eintritt, folgten dem geheimen Gang in das Innere und würden sich schon bald wieder unterirdisch aufhalten.
Die beiden kamen in dem Hauptraum auf, wo einige von den Arbeitern gerade selbst am Kaffee trinken waren, doch kaum einer von ihnen unterbrach seine Aktivitäten, als die beiden den Raum betraten.
"Guten Morgen", rief Taehyung dann aber durch die Runde und sorgte dabei für Aufsehen, allerdings konnte Kook mit Erstaunen beobachten, wie diese ganzen ernsten Mienen aufgelockert wurden und die meisten diesen Gruß erwiderten, daraufhin dann vereinzelte Gespräche stattfanden. Es faszinierte ihn, wie eine einzige Person die gesamte Stimmung im Raum heben konnte und ihm wurde bewusst, was für ein wichtiger Bestandteil Taehyung in dieser Gruppe sein musste.
Ob Kook auch jemals wichtig für irgendwen war? Diese Frage schoss ihm augenblicklich durch den Kopf und verursachte ein merkwürdiges Gefühl in seiner Brustgegend, doch er beschloss für sich selbst, dieses dann zu ignorieren und sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren.
"Ist Yoongi schon da?", fragte er dann durch die Runde und einer von ihnen antwortete lachend, dass der Gesuchte die Zentrale nicht einmal mehr verlassen hatte.
Das musste bedeuten, dass er wohl die meiste Zeit hart am arbeiten war.
Die beiden gingen vor seinen persönlichen Raum und klopften an seiner Tür, seine Stimme ertönte einladend und versicherte Taehyung dann zumindest, dass er erstens erwünscht war und zweitens dass Yoongi wach war und sich eine Situation, wie aus der letzten Nacht, nicht wiederholen würde.
Die beiden betraten den Raum und blickten zu Yoongi, der sie bereits zu erwarten schien, denn seine Miene wirkte aufgeregt.
"Ich habe ein paar Dinge herausgefunden und ich denke, die könnten ziemlich interessant für euch sein."
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was könnte er denn herausgefunden haben? 🦋
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