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【Chapter 31】

Genauso wie Yoongi es den beiden vorgeschlagen hatte, begaben sie sich kurz nach ihrer Besprechung in ihr eigenes Dorf, während man ihnen das Versprechen gab, sich auf schnellstem Wege die anderen Dörfern über die derzeitige Lage in Kenntnis zu setzen. Es war nun von äußerster Wichtigkeit, dass sie in einer heiklen Situation wie dieser zusammenhalten und beweisen, dass die Dinge aus der Vergangenheit auch wirklich vergangen sind.

Niemals hätte Taehyung gedacht, dass er je mit der Geschichte dieser Welt konfrontiert werden würde; als kleines Kind lauschte er gerne mal, wenn jemand davon erzählte und man die Legenden verbal weiter vererbte, aber nie hätte er sich vorstellen können, selbst mal ein Teil davon zu werden, indem das Vergangene wieder zum Leben erweckt.

Meistens waren diese Geschichten auch nur ein Bruchteil der Vollkommenheit, die diese Historik aufzuweisen hatte, denn nicht jedem konnte man von den damaligen Zeiten erzählen, vor allem keinen kleinen Kindern, denn die Brutalität von damals war zu dieser Zeit in keinster Weise mehr vertreten. Damals musste man um sein Leben fürchten, heute konnte man seins leben, ohne jeden Tag mit der Angst aufzuwachen, dass es der Letzte sein könnte.

"Ich habe so Hunger", beschwerte Jungkook sich dann und in anbetracht dessen, dass ihre letzte wirkliche Mahlzeit schon eine Weile her ist, konnte Taehyung ihm dieses Hungergefühl auch nicht übel nehmen. Er selbst spürte es ebenso, nur noch nicht so stark, dass er sich deshalb beschweren würde, aber da die beiden sich sowieso in ihrem Dorf umhören sollten, konnten sie sich dort auch direkt etwas Essbares besorgen.

"Lass uns wieder zu dem Laden gehen, der dich beim letzten Mal so begeistert hat", schlug Taehyung vor und grinste bei der Erinnerung, wie Jungkook seine Mahlzeit so fröhlich in sich geschlungen hatte. Ihn glücklich zu sehen ließ ihn eine ihm fremde Wärme im Bereich seiner Brust spüren, definieren konnte er sie nicht, aber er liebte es, sie spüren zu können.

Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu diesem Laden, der sich nicht allzu weit von ihrer aktuellen Position befand und Jungkooks Magen freute sich schon darauf, nach all der Zeit endlich wieder gefüllt zu werden. Er hatte das Gefühl, dass dieser Hunger für ihn kein Fremder war, denn dann würde er anders damit umgehen und es nicht mit einer solchen Fassung und Ironie tragen.

Die beiden redeten nicht viel auf ihrem Weg dorthin, Jungkook erkundigte sich lediglich, wo man denn einen dieser so genannten Ältesten finden würde und Taehyung überlegte für einen Moment. "Sie halten sich gerne bei den Kindern auf oder in unserem Dorf, zur Not kann man sich auch einfach erkundigen aber daran wird es nicht scheitern", erklärte Taehyung dann und seine Stirn legte sich in Falten, weil er sich anfing zu fragen, ob man ihm auch wirklich die Antworten liefern konnte. Was auf dieser Welt gab es, von dem er nichts wusste? Er verstand nicht, wie man etwas wie die Fragmente und deren Bedeutung vor allen geheim halten konnte, aber es machte durchaus Sinn in seinem Kopf.

Denn sollten sie wirklich ein übernatürlicher Aspekt sein und sollte man damit wirklich für Zerstörung sorgen können, war es wohl am Besten, wenn keiner davon bescheid wusste.

"Was denkst du, hat es mit allem auf sich?", erkundigte Jungkook sich dann, aber Taehyung beantwortete diese Frage nur mit einem Schulterzucken, als er mit einem erfreuten Grinsen dann den Laden erblickte, zu dem die beiden gehen wollten. Erleichtert atmete Jungkook aus und warf einen Blick in das in Königsblau getränkte Firmament über ihnen, genoss für einen Moment die leichte Windbriese und atmete tief durch. Es waren die kleinen Momente auf dieser Welt, in denen er seiner Pflicht und seinen Lasten für einen Augenblick entrinnen wollte und sich dann auf die Natur einließ, weil diese sein Freund war und sie dafür sorgte, dass er sich fühlte, als könnte er frei, stolz und erhaben durch die Lüfte dieses paradiesieschen Ortes schweben.

Die beiden kamen dort an und es dauerte nicht lange, da bestellte Taehyung ihnen das Essen. Es brauchte nur einen Augenkontakt, den für den Bruchteil einer Sekunde anhielt, um zu verstehen, was Jungkook ihm damit sagen wollte, auch wenn es bloß die Wahl seines Essens war, die genau dieselbe wie beim letzten Mal war. Die beiden suchten sich einen Platz und ließen sich an diesem nieder, da man ihnen das Essen sowieso dorthin bringen würde, war das also die perfekte Gelegenheit auf einen ruhigen Moment der beiden.

Eine Weile, in der sie sich nicht um ihre Pflichten kümmern mussten und sich besser kennenlernen konnten, denn in all der Zeit, die die beiden miteinander verbracht hatten, kamen sie nie dazu, viel über den jeweils anderen heraus zufinden. Vielleicht mochte das in Jungkooks Fall schwer sein, doch auch er konnte bestimmen, was er mochte und was nicht - viel wichtiger war ihm allerdings, etwas über seinen neuen Partner, Taehyung, herauszufinden.

"Sag mal", eröffnete er damit das Gespräch und suchte erneut den Blickkontakt zu seinem Gegenüber. Dieser brummte und schaute Jungkook in seine Augen - seine Iriden schimmerten in dem Licht der Sonne in einem angenehmen Braunton, der ein Stück weit auch den Charakter seines Besitzers widerspiegelte. "Wie ist das eigentlich so, hier zu leben? Du wirkst auf mich immer so... einsam. Ich will mehr über dich und deine Vergangenheit herausfinden", erklärte Jungkook schüchtern und blickte auf den Tisch und seine daraufliegenden, ineinander verschränkten Hände.

"Über meine Vergangenheit?", hakte Taehyung noch mal nach und sein Gegenüber nickte eifrig mit dem Kopf, woraufhin Taehyung zu überlegen begann. "Lass mich nachdenken, was es Interessantes zu erzählen gibt", murmelte er leise vor sich hin und wirkte bereits völlig in Gedanken versunken.

"Ich erspare dir die Details über meine Familie, viel über sie weiß ich ohnehin nicht. Ich bin mit meinem Bruder groß geworden und er war für mich immer wie ein Vorbild und meine Autoritätsperson. Er hat mich vieles gelehrt und dafür bin ich ihm unendlich dankbar, nur durch ihn bin ich jetzt hier, an dieser Stelle. Eigentlich habe ich unser Treffen auch ihm zu verdanken, denn es war seine Idee, dass ich ein Teil der Sicherheit hier werde." Taehyung begann von früher zu erzählen und wirkte traurig, Jungkook allerdings empfand es als unangebracht, ihn jetzt zu unterbrechen und lauschte stumm weiter.

"Ich habe gelernt, mich zu verteidigen. Ich habe gelernt, was es bedeutet, ein Teil dieses Dorfes zu sein und ich habe gelernt, eigenständig zu denken und zu handeln", erzählte er weiter und hielt dann für einen Moment inne, weil man ihnen dann unser Essen gebracht hatte. "Guten Appetit!", wünschte ihnen die Brünette, die ihnen das Bestellte geliefert hatte und ging mit einem Lächeln auf den Lippen wieder davon. Die beiden bedankten sich und Taehyung begann zu seufzen.

"Sie ist hübsch, nicht wahr? Es erinnert mich an das erste und einzige Mal, als ich mit dem Thema Liebe konfrontiert wurde", begann Taehyung dann in eine völlig andere Richtung zu schwenken. "Als ich ein kleines Kind und meine Mutter noch bei uns war, sagte sie mir immer wieder, dass man das Herz einer Frau niemals brechen durfte. Vermutlich habe ich aber genau das getan, nicht absichtlich", fügte er am Ende noch hinzu und begann dann zu lachen, während er sich verlegen den Hinterkopf kratzte.

"Es ist nur, ich kann mit Frauen nicht wirklich viel anfangen, ich empfinde einfach nichts für sie. Ich weiß, das mag komisch klingen, man erlebt es auch nicht häufig, dass ein Mensch auf dasselbe Geschlecht steht. Aber genau das war damals der Grund, warum ich diesem Mädchen eine Abfuhr erteilt hatte und es tat mir unendlich leid, aber man kann seine Gefühle genauso wenig erzwingen, wie man etwas für sie kann."

Interessiert lauschte Jungkook dem, was Taehyung ihm zu erzählen hatte und er kam nicht um ein Auflachen umher. "Ist Liebe schön?", fragte er dann lächelnd, aber da war noch etwas anderes in seinem Gesichtsausdruck, das Taehyung noch nicht deuten konnte. "Ich weiß es nicht. Es kommt vermutlich darauf an, ob beide Seiten sich lieben oder nur eine diese Gefühle hat. Denn Zweiteres ist für beide einfach nur schlimm", erklärte er dann und fixierte mit seinem Blick einen Punkt unmittelbar hinter Jungkook. "Vielleicht komme ich je dazu, sie so zu spüren, dass ich glücklich werde und dann kann ich dir davon berichten."

Jungkook lachte, denn auch er wollte wissen, was es bedeutete, zu lieben und geliebt zu werden. Er fühlte ein seltsames Kribbeln im Bauch, wann auch immer er an dieses Thema dachte und noch viel seltsamer war es, als Taehyung ihm beichtete, dass er auf dasselbe Geschlecht und nicht auf das andere stand. Jungkook konnte sich nicht ausmalen, ob er in einer Welt wie diesen auf Verständnis oder Hass treffen würde, doch er selbst konnte behaupten, dass er niemals jemanden wegen sowas verurteilen würde. Auf keinen Fall.

"Ich will sie auch erleben können, irgendwann in meinem Leben möchte ich auch lieben können. Liebe soll immerhin... etwas Schönes sein und sollte kein Leid bringen. Wenn sie das tut, dann war es nur nicht die richtige Person, also lass den Kopf nicht davon hängen, die richtige Person wird schon noch kommen", ermutigte Jungkook dann den Schwarzhaarigen, doch dieser lachte bloß auf, denn das war momentan das Letzte, woran er eigentlich denken wollte.

"Bestimmt, du Experte", lachte Taehyung als Antwort, was Jungkook dann aber mehr als Veralbern sah und beleidigt seine Arme vor der Brust verschränkte.
"Du wirst schon sehen, glaub mir. Sobald wir hier fertig sind, werde ich es dir zeigen!"

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