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【Chapter 38】

"Wie geht es deiner Handfläche?", kam es besorgt von Jungkook, als sie alle ziemlich niedergeschlagen den Weg zurück ins Dorf bestritten. Taehyung zischte und sie blieben für einen Moment stehen, der Braunhaarige musterte seinen Kameraden zwischen halbgeschlossenen Augen.

"Willst du dir zukünftig jedes Mal in die Hand pieksen lassen, wenn du deinen Gegner überwältigen willst?", fragte Yixing schnippisch und verschränkte seine Arme vor seinem Oberkörper. Peinlich berührt kratzte Taehyung sich den Hinterkopf mit seiner noch heilen Hand, sein Blick hingegen hing nach wie vor auf der Wunde, aus der zumindest kein frisches Blut mehr quillte.

"Es ist nicht so schlimm", versuchte er die anderen beiden von seinem Wohlergehen zu überzeugen, doch besonders glaubhaft war das mit seinem vor Schmerzen verzogenen Gesicht nicht. Jungkook schüttelte seinen Kopf und ziemlich schnell stand fest, sie müssten sich beeilen und die Wunde behandeln, bevor daraus noch etwas Schlimmeres entstehen kann.

"War es das jetzt? Sind wir den gesamten Weg hergekommen, nur um erneut zu scheitern?", fragte Taehyung kläglich und rollte mit den Augen, ihm war sein Zorn anzumerken und es kränkte ihn, dass er den Maskierten wieder nicht aufhalten konnte.

"Die einzige Möglichkeit, die wir jetzt noch haben ist die, ihn bei uns zu besiegen", murmelte Yixing dann und Jungkook blickte zur Seite.
"Mit besiegen meinst du... umbringen, nicht wahr?", fragte er und war sich nicht sicher, ob er die Antwort überhaupt hören wollte. Aber es stand fest für ihn, dass er den Tod eines Menschen nicht tolerieren wollte. Und noch dazu beschlich ihn ein merkwürdiges Gefühl, je häufiger er an das Gesicht dieses Mannes dachte.

"Wenn er eine Bedrohung für diese Welt ist, wird uns vielleicht nichts anderes übrig bleiben", antwortete Yixing, jedoch schien das Jungkook nicht zu beruhigen und er verlangsamte seinen Gang etwas, um neben Taehyung daherlaufen zu können.
"Woran denkst du?", flüsterte der Schwarzhaarige, als er die Sorge in dem Gesicht seines Partners entdeckte.

Dieser zuckte lediglich mit den Schultern, "Ich weiß gar nichts mehr."
Verwirrt musterte Taehyung den etwas kleineren daraufhin. "Wer ist dieser Typ? Warum reagieren meine Erinnerungen so auf ihn? Was habe ich mit diesen Fragmenten zutun? Wer bin ich? Verdammt, je näher wir denken der Antwort zu kommen, desto mehr Fragen stellen sich mir", ließ Jungkook seinen Gedankenstrom aus sich heraus und biss sich ziemlich schroff auf die Unterlippe.

"Ich glaube, diese Fragen und Antworten werden sich irgendwann ganz makellos wie ein Puzzle fügen, wir benötigen lediglich die Teile, die alle anderen miteinander verbinden", war die Antwort Taehyungs, die Jungkook wieder stutzig machte. Er fragte sich, wie der Schwarzhaarige es immer wieder schaffte, so optimistisch zu bleiben und ob er das auch wirklich war. Emotionen sind nicht gelogen, aber es ist ein riesen Unterschied zwischen dem was man fühlt und dem, was man andere glauben lässt zu fühlen.

"Das Fest scheint noch immer nicht vorbei zu sein", wisperte Yixing dann, als er die Lichter des Dorfes erkannte und sie bemerkten, dass es trotzdem schon sehr spät war. Aber wenn es einen Grund zum Feiern gab, würde man auch vor keiner Uhrzeit mehr Halt machen. Das bedeutete aber auch, dass noch genügend Leute wach waren, um sich um die Wunde von Taehyung zu kümmern und genau dieser Gedanke war der Anreiz für ihr nun rascheres Schritttempo.

"Ich bin an deiner Seite, du musst dir keine Sorgen machen", fuhr Taehyung fort und erwiderte den besorgten Blick seines Partners. Wann auch immer ihre Blicke sich begegnen, fühlte Jungkook ein ihm so ungewohntes Herzklopfen und er fühlte sich behütet, als würde er seine Last nicht mehr alleine tragen, als würde man ihm seine Angst nehmen.
"Was ist, wenn wir uns verlieren?", wollte Jungkook dann aber wissen, doch Taehyung schüttelte den Kopf.

"Ich verspreche es. Ich werde an deiner Seite bleiben und wenn das alles geschafft ist, werde ich dir das Meer zeigen", erwiderte er und musste grinsen. Die Augen des Braunhaarigen begannen zu funkeln, denn er konnte sich kaum ausmalen, wie atemberaubend schön es dort sein musste. Er kannte bloß das Feuer, die Finsternis und die Zerstörung, die sich stückchenweise in seine Erinnerungen schlichen. Aber Wasser hatte etwas lebhaftes und wenn Feuer Leben nimmt, dann kann Wasser Leben erschaffen.

"Wer könnte bei sowas denn noch widerstehen?" - "Genau meine Rede!"

Sie schenkten sich gegenseitig ein aufrichtiges Lächeln und für einen Moment schien es tatsächlich so, als würden sie ein unbeschwertes Leben führen, als würde die Zeit um sie herum stehen bleiben. Vielleicht mochte dieser Augenblick etwas vergängliches sein, das war alles, das von der Zeit betroffen war, denn es war egal was passierte, sie arbeitete wie ein stummes Zahnrad und hielt das gesamte Systen am Leben. Aber Momente, die ein Ende haben werden automatisch zu einer Erinnerung, an die man sich mit einem Lächeln zurückerinnern kann.

"Hey, was trödelt ihr da hinten so rum? Seht zu, dass ihr euch beeilt!", hörten sie dann Yixing nach ihnen rufen, der schon ein Stück weiter vorn stand und auf die beiden wartete. Sie hatten gar nicht mitbekommen, dass sie langsamer wurden, aber es war oft so, dass man alles um sich herum ausblendete und sich nur auf das konzentrierte, für das gerade Platz zum Denken war.
"Ist ja gut, wir kommen schon", rief Taehyung zurück und grinste, ehe er einen Zahn zulegte und Jungkook es ihm gleich tat.

In diesem Schritttempo legten sie auch den restlichen Weg zurück, bis sie irgendwann wieder in dem Dorf ankamen, das ihnen Sicherheit und gute Laune versprach. Es war spät und dementsprechend war auch die Stimmung hier. Überall roch es verschieden, an manchen Ecken nach Köstlichkeiten, an anderen wiederrum nach Alkohol und Schweiß. Die Leute waren hier auch nicht ohne, sie kippten die Getränke wie die Weltmeister herunter und Jungkook beobachtete das mit verwirrter Miene.

Er verstand den Sinn dahinter nicht, etwas zu trinken, das dafür sorgt, dass einem alles egal wird und einen zu dummen oder gar gefährlichen Dingen verleitet.

"So sind die Menschen hier halt" hörte er Taehyung dann wieder sagen und begann dann zu lachen. Denn wenn das die einzigen Probleme waren, die diese Leute hier hatten, würde er nur viel zu gerne mit Taehyung an diesem Ort bleiben. Er fragte sich, ob er auch Freunde und Familie hat, ob diese genauso sind wie die Menschen hier. Und natürlich wunderte er sich, ob er diese jemals zu Gesicht bekommen würde.

Was ihn aber am meisten beschäftigte war die Frage, ob er an Taehyungs Seite bleiben kann. Denn ob nun mit oder ohne Erinnerungen, er hatte diesen Mann echt lieb gewonnen und konnte es sich nicht mehr vorstellen, sein Leben ohne ihn zu verbringen.

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