【Chapter 42】
Es war sehr spät, als Jungkook und Taehyung in der letzten Nacht zu Bett gehen konnten, denn es gab vieles mit den anderen zu besprechen. Sie wussten schon von den Ereignissen in der anderen Ruine, denn Yixing hatte sie bereits eingeweiht und das war auch der ausschlaggebende Grund für die Sorge, die unter ihnen herrschte. Schließlich blieb das Ausmaß dieser Verbrechen nicht lange geheim und auch wenn nicht viele die Details kannten, wussten sie, was für eine enorme Gefahr sie abwenden mussten.
Jungkook hatte beim Erwachen das dumpfe Gefühl, dass der heutige Tag das entscheiden wird, worüber sie sich schon so lange den Kopf zerbrachen, aber sie waren vorbereitet.
Die Ruinen wurden rund um die Uhr bewacht und sollten sie angegriffen werden, dann würden die anderen ebenso alarmiert werden und konnten somit dann eingreifen.
Es waren immer zwei, die Wache standen und zwei, die den Posten von weiterer Entfernung im Blickfeld hatten und bei einem Angriff das Signal geben konnten. Auf diese Weise konnte man schnell genug handeln, bevor der Feind sich das letzte Fragment unter den Nagel reißen konnte.
"Du siehst so beschäftigt aus", ertönte die Stimme von Taehyung, der sich gerade sein Gesicht gewaschen hatte und nun zu Jungkook an den Tisch gesellte. Der Angesprochene nickte mit dem Kopf, denn er war tatsächlich ein wenig verloren. Es war nicht etwa die Angst, vor dem, was passieren wird oder passieren könnte, sondern das Wissen, dass er mit dem Feind in Verbindung stand, ohne es zu wissen. Er wollte Antworten haben und hoffte, diese auch zu bekommen, aber weil er wusste dass keiner Halt vor einem Mord machen würde, fürchtete er um die lange ersehnte Klarheit.
"Bin ich auch. Ich möchte einfach nur wissen, wer ich wirklich bin und woher ich komme. Dort draußen gibt es eine Person, die mir das beantworten kann und ausgerechnet diese muss von uns gejagt werden", erklärte Jungkook seine Sorgen und ließ seine Stirn auf der Tischkante fallen. "Wir werden deine Antworten schon aus ihm heraus bekommen, vorher lasse ich nicht zu, dass ihn jemand bestraft. In Ordnung?", versprach Taehyung dann seinem braunhaarigen Partner und dieser nickte lächelnd.
Beide erhoben sich von ihrem Platz und beschlossen dann, sich auf den Weg zu machen. Immerhin waren auch sie ein Teil des Planes und mussten ihre Wache antreten, wenn die Zeit reif dafür war und wenn Taehyung sich recht entsinnte, dann waren sie sogar als nächstes dran.
"Komm, lass uns gehen", schlug er dann vor und zuversichtlich gingen sie nach draußen.
Je näher sie der Ruine kamen, desto unruhiger wurde Jungkook und er fühlte, dass etwas dort drinne nach ihm rief. Als sie das Innere von ihr betraten und zunächst in Finsternis gehüllt waren, konnte der Braunhaarige seinen Herzschlag mitverfolgen, aber als sie auf die anderen beiden Wächter trafen, verschwand sein rasantes Herzklopfen erneut und ein Gefühl der Sicherheit machte sich in ihm breit. Er hasste es, mit solchen Gefühlen alleine zu sein.
"Ihr könnt nach draußen gehen, ab hier übernehmen wir", meldete sich Taehyung zu Wort und dankbar nickten ihre Gegenüber, wünschten den beiden noch viel Erfolg, ehe sie die Ruine verließen.
"Spürst du etwas?", fragte Taehyung an Jungkook gerichtet, der seine Finger an die Wand in der Nähe des Fragments gelegt hatte. Ein Lächeln zeichnete sich auf den Lippen des Braunhaarigen ab und seine Hand wanderte automatisch zu den Ketten an seinem Hals.
"Was hat es bloß mit alldem auf sich?", wisperte er leise an sich gerichtet und plötzlich bekam er wieder eine Vision.
Jungkook erkannte einen weinenden Jungen und einen etwas Älteren neben ihm. Der Ältere Junge schien des Kleinen zu trösten und hoffte offenbar, dass der weinende Junge bald keine Träne mehr vergoss, doch es war nicht so einfach, wie er es gerne wollte. Immerhin war alles um sie herum in Schutt und Asche gelegt, keine Menschenseele befand sich noch in ihrer Umgebung und sie waren völlig auf sich alleine gestellt, wie zwei Kinder, die ihr Zuhause verloren hatten.
Und als Jungkook das Gesicht des Jüngeren erkannte, stockte ihm für einen Moment der Atem, ehe er wieder zurück in die Realität geschleudert wurde.
"Was hast du gesehen?", fragte Taehyung dann, als er bemerkte, dass Jungkook wieder aus seiner kurzen Starre erwacht war.
Jungkook schluckte schwer und blickte zu Taehyung, "Mich selbst."
Skeptisch zog Taehyung seine Augenbrauen zusammen, "Du hast dich selbst gesehen?" Jungkook nickte.
"Ich als Kind mit noch jemandem, aber ich weiß nicht, wer das war", erklärte er seine Vision und ballte seine Hand zur Faust.
"War das dann also ein Ausschnitt aus deiner Vergangenheit?", hinterfragte Taehyung und der Braunhaarige begann zu überlegen.
"Ja", brummte er, "Aber ich weiß nicht, wo wir waren oder warum alles zerstört war."
"Aber das macht keinen Sinn, diese Welt war nie zu unserer Lebzeit zerstört und ich kann davon ausgehen, dass du nicht älter als ich bist", widersprach Taehyung murmelnd und überlegte scharf.
"Das liegt daran, dass deine Vergangenheit nicht dieselbe wie die von Jungkook ist", wurden sie auf einmal von einer dunklen Stimme unterbrochen. Erschrocken drehten sich beide um und erkannten, dass sie viel zu unaufmerksam waren, um den maskierten Mann zu bemerken.
"Was soll das heißen?", fauchte Taehyung wütend und ballte seine Hände zur Faust, während er sich schützend vor Jungkook stellte.
Ihr Gegenüber nahm seine Maske ab, "Ihr wisst sowieso wie mein Gesicht aussieht, ich habe keinen Grund mich zu verstecken und vielleicht regen wir so ja auch Jungkooks Erinnerungen ein wenig an", sprach ihr Feind und blickte zu dem eben genannten.
"Ich will euch nicht bekämpfen und wenn niemand hier zu Schaden kommt, wäre das in meinem Interesse, also tut mir den Gefallen und tretet einfach zur Seite."
Kopfschüttelnd widersprach Taehyung dem Feind und stellte sich ihm mutig gegenüber. "Ich werde dich und deine Ambitionen mit einem Schlag fertig machen, hier und jetzt", schnaubte Taehyung dann der Miene ihres Feindes zu deuten, schien er zu verstehen, dass er hier nur mit Gewalt durchkommen würde.
"Also gut", antwortete er und zückte seinen Dolch hervor.
Kurz blickten sich beide Kontrahenten in die Augen, ehe der Kampf entfachte und es dies Mal um weitaus mehr ging, als nur das eigene Leben.
Dieses Mal hing so vieles davon ab, aber trotz dieses Wissens wussten sowohl Taehyung als auch Jungkook, dass einer alleine nicht gewinnen konnte. Als Taehyung die erste Wunde kassierte, sprang Jungkook dazwischen und versuchte den Feind zu erwischen.
Doch weil er nicht so viel Erfahrung hatte, war er vorhersehbar und der Feind hielt den Dolch so, dass er Jungkook stark verletzen würde, wenn er in Reichweite war.
Die Augen des Braunhaarigen weiteten sich, als sich in seinem Kopf plötzlich das abspielte, was gleich mit ihm passieren würde und sein Körper schaffte es gerade noch so zu stoppen, bevor er genau in den Dolch seines Gegenübers rennen würde. Doch dieser bemerkte den Halt und wollte angreifen, allerdings machte Taehyung ihm einen Strich durch die Rechnung, indem er ihm einmal in den Magen boxte und Jungkook zu sich zerrte.
"Verstehe, du hast sie also immer noch", murmelte der Typ ihnen gegenüber und Jungkook runzelte mit der Stirn. "Wovon sprichst du?", wollte er dann wissen und seufzte, denn es störte ihn zu wissen, dass jemand anders besser über ihn bescheid wusste als er selbst.
"Die Fähigkeit, etwas von der Zukunft zu sehen und es verhindern zu können", antwortete er.
Wenn Jungkook darüber nachdachte, hatte er dieses Gefühl schon einmal erlebt, als sie ihren ersten Einsatz hier in der Ruine hatten. Damals wurde Jungkook auch angegriffen und wusste, was geschehen würde und konnte dementsprechend darauf reagieren. Er hatte es bloß nicht wirklich wahrgenommen.
"Verdammt, wer bist du?", rief Jungkook laut aus und biss sich unsanft auf seine Unterlippe. Die Unwissenheit fraß ihn beinahe auf und Taehyung verwiel ruhig an Ort und Stelle, denn er wollte nichts riskieren und wenn Jungkook es durch Gespräche schaffte, Zeit zu schinden, dann würden gleich auch die anderen eintreffen und ihnen helfen.
"Jiyong, erinnerst du dich?", antwortete der bis eben noch Fremde und Jungkook weitete seine Augen. Dieses Gesicht kam ihm so unfassbar bekannt vor und er wusste nun auch, dass er es bereits gesehen hatte, in seinen Visionen.
"Aber das tut nichts mehr zur Sache", murmelte er weiter und blickte zu Taehyung. "Versuch mal das hier vorherzusehen", sagte er wütend im selben Moment, als er seinen Dolch auf Taehyung schleuderte und die Spitze sich unsanft in seine Brust bohrte.
Taehyung hatte nicht mal die Möglichkeit auszuweichen, er war unachtsam und plötzlich erfüllte sein Schmerzenschrei den dunklen Raum.
Langsam ging Jiyong auf Jungkook zu, "Ich tue dir wirklich nur ungern weh", fing er an zu flüstern, "Doch manche Sachen lassen sich wohl nicht vermeiden. Sicherlich verstehst du, dass ein einzelnes Opfer das Leben vieler retten kann."
Zitternd stand Jungkook Jiyong gegenüber und wollte etwas tun, doch sein Körper gehorchte ihm nicht mehr länger. Er wollte handeln, doch schaffte es nicht.
Aber plötzlich fing das Fragment hinter ihnen an zu leuchten, genauso wie die Kette an Jungkooks Hals und die in Jiyongs schwarzer Jackentasche, samt den anderen Fragmenten. "Was?", entwich es überrascht seinen Lippen und das Licht wurde immer greller.
Jungkook konnte nichts mehr sehen, aber er hörte einen überraschten Schrei und als sich das Licht langsam wieder legte, erkannte er auch die Situation vor ihm.
"Yixing!", rief er überrascht aus und erkannte, dass Yixing Jiyong gewaltsam am Boden hielt und ihn offenbar überrumpelt hatte.
Jiyong zischte verächtlich, "Komm mir nicht in die Quere!"
"Dein Spiel ist vorbei, Jiyong."
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Na, gibt es jetzt neue Theorien?
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