Kapitel 1-Eindringling
Es dauerte eine Weile, bis das Mädchen die junge Frau eingeholt hatte. Als sie endlich bei ihr war, musste sie erst mal kurz eine Verschnaufpause einlegen. Die Twi'lek schien ziemlich überrascht zu sein, sie zu sehen.
„Steht dein Angebot noch?", fragte sie hoffnungsvoll.
Die Frau lächelte.
„Klar. Freut mich, dass du es dir anders überlegt hast. Ich glaube ich habe mich dir noch gar nicht vorgestellt, oder?"
„Nein, aber das habe ich wohl auch noch nicht. Mein Name ist Sabine."
„Hera. Freut mich dich kennenzulernen."
Wenn Sie ehrlich war, als Hera »Schiff« gesagt hatte, hatte Sabine eher an einen Sternenjäger oder höchstens an einen kleinen Frachter gedacht – nicht an ein riesiges Raumschiff, das beinahe größer war als ein Haus.
„Warte. Das ist-", stammelte sie.
Die Twi'lek-Frau, die scheinbar Hera hieß, nickte.
„Genau. Willkommen auf der Ghost." Sie öffnete die Rampe. „Ich bin wieder da!", rief sie hinein, und es dauerte keine zehn Sekunden, bis ein braunhaariger junger Mann mit Pferdeschwanz an der Leiter auftauchte.
„Na endlich! Du warst stundenlang wie vom Erdboden verschluckt!"
Hera zuckte die Schultern.
„Ja. Wer hätte gedacht, dass die imperiale Akademie so schwer zu finden sein würde?"
Sabine wurde hellhörig.
»Die Akademie? Was wollen sie auf der Akademie? Die wollen mich nicht ausliefern, oder?«
Einen Moment lang dachte sie darüber nach zu rennen, aber einerseits war die Rampe bereits geschlossen, und andererseits schien der junge Mann ziemlich überrascht zu sein, sie zu sehen. Er warf Hera einen flüchtigen Blick zu, dann schaute er wieder verwirrt Sabine an.
„Wer ist deine kleine Freundin?"
„Kanan – Sabine. Sabine – Kanan.", stellte Hera die Beiden einander kurz vor.
„Verstehe. Hey Sabine.", sagte Kanan und streckte seine Hand nach ihr aus. Sie schüttelte sie.
„Freut mich, dich kennen zu lernen."
Er nickte bloß. Beinahe wirkte er schüchtern, und dazu ziemlich irritiert. Aber sie konnte genau sehen, was es wirklich war. Das, was sie selbst so oft hinter Unsicherheit versteckte, wenn sie jemand neues kennen lernte. Misstrauen. Und dadurch fühlte sie sich hier bloß noch mehr unwohl. Ungewollt und gefährdet. Die Twi'lek schien beinahe sofort zu spüren, dass zwischen den Beiden die Chemie nicht ganz stimmte. Sie drängte sich dazwischen.
„Süßer, würdest du so gut sein und nach den Schildsystemen sehen?"
Kanan seufzte entnervt. Jeder, der sie ein wenig kannte, wusste, dass das ihre nette Art war, zu sagen »verschwinde«. Und die nicht so freundliche Art wollte wirklich niemand erleben. Aber er würde auch nicht leugnen, dass er ein kleines bisschen sauer war, dass sie ihn vor der Fremden »Süßer« genannt hatte. Normalerweise störte er sich nicht daran, wenn sie das tat, immerhin waren sie jetzt schon sehr lange zusammen... aber ihm machte es deshalb etwas aus, weil das Mädchen gut und gerne eine Spionin des Imperiums sein könnte, und ihre Beziehung sie auch sonst nicht das geringste anging.
„Klar.", murmelte er leicht angesäuert.
Damit drehte er sich um und war verschwunden.
Die Twi'lek schaute ihm kurz nach und verdrehte die Augen.
„Bitte entschuldige. Manchmal ist er unmöglich."
»Ich sollte ihm das nicht übel nehmen. Nicht, nach allem, was er durchgemacht hat.«, fügte Hera in Gedanken hinzu.
Sie kletterte die Leiter hoch, dann bedeutete sie Sabine, ihr zu folgen.
„Komm, ich zeige dir dein Zimmer." Die Mandalorianerin tat wortlos das, worum sie gebeten worden war. Sie folgte der Fremdweltlerin schweigend durch einen kurzen Gang mit Türen links und rechts, bis Hera eine davon öffnete. „Ich gebe dir Bescheid, wenn das Essen fertig ist. Fühl dich wie zuhause."
Es war ein einigermaßen großer Raum, deutlich größer als die, die sie sich in der Akademie hatten teilen müssen. Und dazu noch ein Doppelstockbett, vollkommen leer. Ein Zimmer nur für sie... das fühlte sich richtig gut an. So wohl hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt. Auch wenn die Wände etwas zu grau für ihren Geschmack waren. Wäre es nicht nur für eine Nacht gewesen, hätte sie sich sofort daran gemacht, das zu ändern... aber so wartete sie lieber auf Heras Anweisungen, bevor sie wild drauf los malte.
Das Mädchen hatte gerade begonnen, ihre Tasche auszupacken, als sie plötzlich von hinten von einer großen violetten Pranke gepackt und aus der Koje gezerrt wurde. Dann hörte sie ein kurzes Knirschen, wie von einem Commlink.
»Wollen sie mich jetzt doch ausliefern?«
„Hera, wir haben einen Eindringling.", knurrte eine feindselige, fast bedrohliche Stimme.
Dennoch war Sabine ziemlich erleichtert, denn dass die Person, die sie da so festhielt, dass sie sie nicht sehen konnte, ausgerechnet nach Hera rief, erhöhte die Wahrscheinlichkeit, dass es sich hierbei um ein einfaches Missverständnis hielt.
Und tatsächlich, die Twi'lek war beinahe sofort bei ihnen.
„Was meinst... Oh nein. Zeb, lass sie los!"
„Entschuldige, ich dachte sie wäre..."
„Ja, ich hab's verstanden, jetzt lass sie los."
Die Stimme schnaubte verächtlich, dann landete Sabine wieder auf dem Boden. Sie stand auf und klopfte sich die Klamotten ab.
„Au! Hey! Für wen hältst du... Oh." Sie hatte sich umgedreht und sah nun in die grünen Augen eines ziemlich wütend wirkenden Lasats. „Hera...", murmelte sie ein wenig beunruhigt.
„Zeb, lass Sabine zufrieden. Ich habe sie hergebracht.", mahnte die Twi'lek Zeb.
Der Lasat kratzte sich betreten am Hinterkopf.
„Entschuldige, das wusste ich nicht." Er reichte ihr die Pranke. „Mein Name ist Zeb."
„Echt? Da wäre ich ja nie selbst drauf gekommen.", meinte sie sarkastisch, immerhin war sein Name ja gerade erst gefallen. „Da du meinen Namen auch schon kennst können wir uns das vorstellen genauso gut sparen.", fügte sie hinzu und schlug ihm spielerisch gegen den Arm.
Er lachte.
„Vorsicht Kleine, ich bin stärker als ich aussehe."
„Na ja, das gilt für mich auch. Und nenn mich nicht Kleine.", gab sie sofort zurück und funkelte ihn drohend an.
„Warum nicht?"
„Ich beiße."
Er verdrehte die Augen.
„Ja nein, ist kla-AUTSCH! HEY!"
Sie musste lachen.
„Das war dafür, dass du mich vorhin hast fallen lassen. Jetzt sind wir quitt."
Zeb rieb sich den Arm, aber er musste grinsen. Die Mandalorianerin wusste definitiv wo ihr Platz war-und zwar definitiv nicht irgendjemandem unterstellt. Sie war ein Freigeist, ließ sich nicht so leicht unterkriegen, und irgendwie gefiel ihm das. Genau so hatte er sich die Mandalorianer immer vorgestellt-Kämpfer, unbezwingbar, unzerbrechlich. Und dieses Mädchen, dass er hier vor sich hatte, war definitiv keine »Kleine«. Hera musste auch ein wenig lachen.
„Ich muss dann jetzt weg und mit Kanan reden. Bringt euch nicht gegenseitig um, während ich weg bin. In Ordnung?"
Nicken von sowohl Zeb als auch Sabine war die Antwort.
Die Twi'lek konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
»Da haben sich ja mal Zwei gefunden.«
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