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54🍂

Jungkook

Einen Moment lang sehe ich Taehyung noch in die Augen, ehe ich mich schliesslich langsam aufrapple, sodass ich nicht mehr über ihm bin, sondern vor ihm hocke. Der Braunhaarige stösst die Luft aus, die er seit meinem Kuss angehalten hat und schliesst dann die Augen, als wäre er erschöpft.

"Hyung?", frage ich leise nach und lege den Kopf schief. Er gibt nur ein leises Brummen von sich.

"Liebst du mich überhaupt noch?"

Ich komme einmal mehr auf die Beine und strecke meine Arme etwas von mir, um mich auszubalancieren, während Taehyung sich in der Zwischenzeit aufsetzt und mich perplex anstarrt. "Was soll die Frage?", höre ich ihn sagen, doch dem schenke ich bereits keine Beachtung mehr, vielmehr ziehen die Bäume am Wegrand meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich laufe einige Schritte auf sie zu, näher zum Auto und dem Wegrand und mustere fasziniert die farbigen Blätter, von denen viele bereits gefallen sind und sich nun um die Baumstämme herum ansammeln.

"Ich liebe den Herbst", platze ich heraus und drehe mich mit einem heiteren Lachen wieder zu Taehyung um, der mich immer noch verdattert ansieht, "Du auch, nicht wahr, Hyung? Den Herbst mochtest du von allen Jahreszeiten am liebsten!"

Einmal mehr wende ich meinen Kopf und sehe mir die roten, gelben oder gar schon braunen Blätter im fahlen Schein der Strassenlaternen an und stosse ein tiefes Seufzen aus. "Ich wünschte, ich wäre der Herbst", meine ich mit leiser Stimme und höre Taehyung aufschnauben. "Was redest du da schon wieder?"

"Na, du liebst den Herbst", beginne ich zu erklären und deute auf die Bäume, "Wenn-wenn ich... der Herbst wäre... würdest du mich lieben..."

"Hör auf", dringt seine tiefe Stimme leise an mein Ohr. Verwirrt sehe ich zurück zu ihm, lege den Kopf schief und ziehe die Augenbrauen zusammen. Taehyung schüttelt langsam den Kopf und kommt selbst auf die Beine. "Jungkook, du solltest dich hinlegen. Du bist vollkommen betrunken."

Ich lache auf, doch wirklich fröhlich ist es nicht, vielmehr kommen mir die Tränen, während ich seinen Blick erwidere: "Es ist die Wahrheit", erwidere ich mit brüchiger Stimme, "D-du... du liebst mich nicht."

Mit diesen Worten entfährt mir bereits das erste Aufschluchzen und ich schenke ihm ein verbittertes Lächeln, während meine Sicht verschwimmt, durch die aufsteigenden Tränen. "W-wieso war es fü-für dich so einfach, wenn i-ich es immer noch n-nicht g-geschafft hab? I-ich liebe dich, a-aber du- du-"

Ich verstumme perplex, als ich spüre, wie Taehyung mein Gesicht behutsam in seine Hände nimmt. "Jungkook, das ist nicht wahr, hör auf zu weinen", flüstert er leise, während er mit seinen Daumen die Tränen von meinen Wangen streicht, die bereits gefallen sind. Ich schüttle den Kopf. "I-ist es", beharre ich mit belegter Stimme, doch er schüttelt den Kopf. "Ist es nicht", widerspricht er mir und ehe ich mich versehe, hat er einen sanften Kuss auf meine Stirn gehaucht, "Ich liebe dich."

Ich starre ihn lediglich verdutzt an, während Taehyung beginnt, überall auf meinem Gesicht Küsse zu verteilen. "Ich liebe dich", wiederholt er leise, "Und jetzt hör auf zu weinen, denn was du sagst ist nicht wahr." Er sieht mich an und lacht ein wenig. "Was?", fragt er mich leise und streicht mir die verbliebenen Tränen von den Wangen, "Ich hab dir vor Tagen schon gesagt, ich liebe dich, sieh mich jetzt nicht so überrascht an."

"A-aber... du stösst mich ständig... weg", nuschle ich leise und ziehe die Augenbrauen unzufrieden zusammen. Der Braunhaarige vor mir seufzt und nickt. "Ich weiss, ich weiss."

"Beweise es", verlange ich von ihm, woraufhin er seufzt, dann aber kurz nickt. Einen Moment lang, sehen wir uns still an und ich will bereits fragen, ob er es mir endlich beweist, als er sich vorlehnt und seine Lippen sanft auf meine drückt.

In der ersten Sekunde spüre ich pure Überraschung doch diese wird rasch überschattet mit heisser Freude, die mich komplett einnimmt in wenigen Momenten. Ich erwidere den zarten Druck und merke, wie er beginnt seine Lippen vorsichtig gegen meine zu bewegen. Ich tue es ihm gleich und schlinge meine Arme wie von allein um seinen Oberkörper und verstärke den Druck ein wenig.

Zu meiner Überraschung zieht er sich nicht zurück, vielmehr vertieft er den Kuss und lässt seine Hände in meine Haare wandern. Erst einige Sekunden später lösen wir uns voneinander und ich schlage mit einem glücklichen Kichern die Augen auf und sehe direkt in Taehyungs. "Ich liebe dich", murmelt er einmal mehr und ich denke gar nicht mehr über meine Handlungen nach, als ich mich bereits wieder vorlehne und meine Augen zufallen lasse, um einen weiteren Kuss zu ergattern.

Tatsächlich geht er darauf ein und schlingt seine Arme gänzlich um meinen Nacken, woraufhin ich meinen Kopf etwas neige und den Kuss so vertiefe. Ich spüre, wie mein Herz schmerzhaft schnell gegen meinen Brustkorb schlägt und werde automatisch leidenschaftlicher, als er erwidert. Meine Hände finden ihren Weg an seine Hüfte und ich ziehe ihn etwas näher an mich heran, während ich mich von ihm löse, nur um gleich darauf einen weiteren, sanften Kuss auf den plumpen, roten Lippen zu hinterlassen.

Ich will mich ganz von ihm lösen, doch kaum ziehe ich mich zurück, folgt Taehyung meiner Bewegung und reckt seinen Kopf fordernd. Mit einem zufriedenen Grinsen komme ich der Aufforderung nach und küsse ihn ein weiteres Mal, geniesse das Gefühl seiner Lippen gegen meinen und lasse nebenbei meine Finger behutsam unter sein Oberteil wandern. Während ich die warme Haut unter meinen Fingerspitzen betaste, spüre ich, wie der Ältere bei meiner Berührung erschaudert und dabei leicht an meinen Haarsträhnen zieht. Ich keuche leicht auf, ziehe ihn näher an mich heran und beisse ihn sanft in die Unterlippe, sodass er seinen Mund nur einen Moment später willig öffnet und ich seine Zunge sachte mit meiner anstupse.

Ich könnte wohl niemals glücklicher sein, als gerade jetzt. Einen anderen Menschen zu küssen mag für viele Leute nichts besonderes mehr sein, heutzutage, doch ich könnte mich nicht glücklicher schätzen, als mit dem Gefühl von Taehyungs roten Lippen, die sich gegen meine bewegen, während mein Herz vollkommen durchdreht und ich nichts anderes spüre, als pures Glück. Ich denke nur daran, wie schön sich das jetzt gerade anfühlt. Ich denke nicht an das was nachher passieren kann, dass was zuvor passiert ist, sondern nur daran, was sich gerade abspielt

Und das ist einer meiner schönsten Momente, die ich je erlebt habe.

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