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Taehyung Pov

Müde reibe ich mir auch den letzten Schlaf aus den Augen während ich durch den Flur in die Küche schlendere.

Es ist komisch, wie erholt ich mich, trotz der Müdigkeit fühle, nur weil ich mir etwas von der Seele reden konnte, weil Jungkook einen Schritt auf mich zugegangen ist und mir einen Teil meiner Sorgen abgenommen hat.

Ich hätte mich wahrscheinlich mit jedem glücklich geschätzt, der mich damals von der Straße gekratzt und mir das Leben gerettet hätte, aber ich bin froh das es Jungkook war, weil ich seine Art mag.

Sowas nennt man wohl gute Freunde.

Ich stelle die Wasserflaschen auf der Kücheninsel ab und möchte mich gerade wieder umdrehen um irgendetwas zu essen zu holen, als mir der Zettel auffällt, der ebenfalls darauf liegt.

Ich vergesse das Essen und gehe einmal um die Kücheninsel herum um den Zettel in die Hand zu nehmen, aber bevor ich ihn lese, bemerke ich das auch darunter noch was liegt, nämlich Geld, eine ganze Menge Geld.

Verwirrt lasse ich die Scheine liegen und widme mich dem Zettel mit der grauenhaften Schrift.

Ich dachte mir, du würdest gerne mal die Wohnung verlassen und einbisschen frische Luft schnappen. Tu mir einen gefallen und zieh dich warm am, bedien dich aus meinem Kleiderschrank. Das Geld gehört dir, mach dir einen schönen Tag und hab Spaß, aber achte darauf das du nicht zu sehr auffällst.

Viel Spaß, Tae.

Mit einem Grinsen falte ich den Zettel zusammen und verstauen ihn in der Innentasche meiner Jacke. Na ja, eigentlich ist es Jungkooks Jacke, aber sie war ihm zu klein und mir hat sie perfekt gepasst, deswegen hat er sie mir geschenkt.

Ich kann es nicht glauben.

Derselbe Kerl, der die letzten Monate nur davon geredet hat wie gefährlich es doch für mich sei diese Wohnung zu verlassen, schmeißt mir hier Geld auf den Tisch und bittet mich praktisch darum es auszugeben. Es ist wirklich viel zu überraschend um es sofort zu glauben, trotzdem laufe ich ohne zu zögern in Jungkooks Zimmer.

Mit einem breiten Lächeln reisse ich den Schrank auf und schnappe mir das schlichteste was ich finde: Ein weißes T-Shirt, eine Jeans und einen schwarzen Kapuzenpullover. Ich weiß er sagte, ich soll mich warm anziehen, aber daran denke ich in dem Moment, als ich praktisch in die Schuhe springe nicht.

Alles woran ich noch denken kann ist, mir den Ersatzschlüssel zu schnappen und wie ein Kleinkind aus der Wohnung zu laufen.

×××××

Hoseok steht bereits am Brunnen als ich ankomme und winkt mir sofort über die Straße zu als er mich sieht. Er schmeißt die Decke von seinem Schoß und legt das Brot, welches er gerade dabei war zu essen, zur Seite und wartet an der Ampel auf der anderen Seite auf mich.

Seine Freude mich zu sehen ist sichtbar groß, aber ich erwidere die Umarmung die er mich schenkt sofort, denn sie ist ehrlich und gibt mir das Gefühl wirklich gemocht zu werden.

"Dich hat man hier seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen, Tae", sagt er und schlägt mir gegen den Oberarm.

Ich habe Hoseok in der Zeit kennengelernt, als ich heimlich Jungkooks Wohnung verlassen habe während er bei der Arbeit war. Er ist ein Obdachloser, der zusammen mit einem Freund von zu Hause weggelaufen ist. Apropos Freund...

"Wo ist Namjoon?", frage ich und sehe mich um, kann aber keinerlei Spur von dem Jungen mit den blonden Haaren entdecken.

Hoseok macht einen Gesichtsausdruck, den ich von Kindern kenne, die Mist gebaut haben und versuchen es ihren Eltern so gut wie möglich beizubringen. Es ist komisch. Ich weiß, wie Kinder aussehen wenn sie das tun, ich weiß wie man sich die Schleifen zu bindet, ich kenne sogar den Verlauf der russischen Revolution, aber ich kenne mich selber nicht.

Wieso habe ich alles wichtige vergessen, aber all die Kleinigkeiten weiß ich bis ins Detail?

"Namjoon war bei seinen Eltern, um sich mit ihnen auszusprechen. Vertragen haben sie sich zwar nicht, aber sie haben ihm ihr Auto gegeben, damit er darin schlafen kann und nicht auf der Straße."

Ich vergesse die Gedanken, die ich davor gehabt habe und höre Hoseok weiter zu.

"Dieser Idiot hat es aber direkt verbockt." Er verschränkt die Arme vor der Brust und sieht mich an, als erwarte er eine Erklärung, allerdings weiß ich nicht mal wovon er redet.

"Was ist passiert? Hat er jemanden überfahren?"

Gott, wenn das wirklich der Fall sein sollte, steckt er in enormen Schwierigkeiten. Aber wundern würde es mich nicht, wir sprechen hier von Namjoon.

"So schlimm ist es nicht."

"Was ist es dann?", frage ich und sehe ihn neugierig an.

"Als er einparken wollte, ist er einem Auto hinten rein gefahren." Er reibt sich erschöpft dir Augen und sieht mich vollkommen verzweifelt an. "Du hättest es sehen sollen, dieses wunderschöne Auto war ein einziger Haufen metallener Schrott."

Er legt seine Hand auf das Gesicht und schüttelt den Kopf als könnte er alleine die Vorstellung daran nicht ertragen.

"Wo ist er jetzt?", frage ich.

"Der Fahrer des kaputten Wagens, irgendein Arzt mit dem Namen Kim Seokjin, hat ihn gestern hier aufgesucht und ihm gesagt, er würde das ganze gerne privat und ohne die Polizei klären. Tja, er ist mitgegangen und hier bin ich. Ich warte darauf das er wiederkommt und etwas zu essen mitbringt, weil die Brezel an der ich da hinten herum knabbere bereits drei Tage alt ist."

Ich verziehen das Gesicht und stelle mir vor, wie die wohl schmecken muss. Schmeckt sie überhaupt nach etwas?

Bei Jungkook kann ich soviel essen wie ich will, ich kann trinken was ich will, aber ich weiß, wie es für Hoseok sein muss. Bevor Jungkook kam war ich immerhin auch einige Tage auf der Straße.

"Hier", sage ich und krame die hälfte des Geldes aus meiner Jackentasche, bevor ich sie ihm in die Hand drücke. "Für das, was ich vor habe brauche ich sowieso nicht den ganzen Betrag."

Mit großen Augen starrt er die vielen Scheine in seiner Hand an. "Bist du verrückt?", fragt er und sieht mich überrascht und verwirrt zugleich an. "Hast du das geklaut?"

Ich fühle mich zwar ein wenig schlecht dabei, ein Geschenk von Jungkook einfach so weiter zu geben, aber er meinte immerhin ich kann damit machen was ich will und Hoseok braucht es.

Aber dieser Idiot glaubt wirklich ich hätte es geklaut. Ich öffne gerade den Mund um zu antworten, als er den Kopf schüttelt und breit grinst.

"Vergiss es! Ich will gar nicht wissen, ob es geklaut ist. Danke, Taehyung, du hast was bei mir gut."

Er schenkt mir kein Tschüss, als er sich umdreht und mir zum Abschied zuwinkt, bevor er sich die wenigen Sachen die er besitzt schnappt und glücklich davon läuft.

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