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Jungkook Pov

"Wo ist Taehyung?", frage ich Jiyu, die gerade zusammengekauert auf der Couch im Wohnzimmer liegt und jetzt erst, wo ich die Frage stelle, zu bemerken scheint das ich überhaupt da bin.

Es ist bereits zwei Wochen her, seit sie einfach vor meiner Haustür aufgetaucht ist und mich um Hilfe gebeten hat. Seitdem ist es ziemlich komisch hier bei mir. In letzter Zeit mehren sich die Schichten, die ich im Krankenhaus schieben muss und jedes mal wenn ich danach nach Haus komme, ist Taehyung nicht da, dafür wartet jedes mal Jiyu auf mich.

Wir haben nicht viel geredet seit sie da ist, aber ich merke, dass es ihm nicht gefällt und obwohl ich ihn gerne fragen würde was wir ändern könnten, haben wir uns in den Wochen nur zwei Mal gesehen, nämlich Nachts.

"Er sagte, er würde einen Freund treffen." Sie zieht die Knie näher an ihren Oberkörper und verdeckt ihr Gesicht mit der dünnen Decke, mit der sie auch jeden Abend hier schläft.

Erst jetzt, wo ich das beben und schluchzen in ihrer Stimme höre, bemerke ich die Trauer. Irgendetwas stimmt mit ihr nicht.

Bei meinen ganzen eigenen Sorgen, habe ich sie vollkommen vergessen. Ihre Wunden sind mit der Zeit etwas verheilt, aber ich kann mir kaum vorstellen wie sich fühlen muss. Immerhin bestanden die letzten Wochen für sie nur daraus, sich von mir Vorwürfe anhören zu müssen und ignoriert zu werden.

Vielleicht war ich zu hart zu ihr. Sie hat mich aufgesucht und ich habe ihr zugestimmt, dass wir das ganze hinter uns lassen würden und von vorne anfangen. Ich habe ihr verziehen, ich stehe zu meinen Worten.

"Jiyu, was ist los?", frage ich und gehe vorsichtig auf sie zu, aber sie macht keine Anstalten die Decke irgendwie zur Seite zu packen und mich anzusehen.

"Es ist nichts. Das Essen steht im Kühlschrank, falls du es aufwärmen möchtest."

Ich sehe, wie sich unter der Decke etwas bewegt, als sie mit ihrer Hand über ihr Gesicht fährt. Es ist nichts?

Auch wenn wir uns drei Jahre nicht gesehen und auch nicht miteinander geredet haben, weiß ich wann es ihr gut geht und wann nicht. Gerade jetzt reibt sie unter der Decke ihre Füße aneinander, das tut sie jedes mal wenn sie nicht alleine sein will und jemanden bei ihr braucht.

"Erzähl mir was passiert ist", sage ich, hebe ihre Beine an und lege sie auf meinen Schoß als ich mich hinsetze. Erst jetzt wagt sie es ein wenig von ihrem Gesicht freizugeben und mich anzusehen.

Tatsächlich sind ihre Augen gerötet und sogar die falschen Wimpern hat sie abgenommen. Ich versuche mich an einem tröstenden Lächeln und lege ihr eine Hand auf das Schienbein, damit sie weiß wie ernst mir das ist.

Im Trösten oder Sympathie zeigen war ich nie wirklich gut, aber ich hoffe sie weiß, dass sie mit mir reden kann wenn sie etwas bedrückt.

"Interessiert dich das wirklich oder hast du nur keine Lust auf Tränen auf deiner teuren Couch?"

"Denkst du das wirklich?"

Sie sieht mir in die Augen, als versuche sie mich zu analysieren und daraus zu lesen, was wirklich in mir vor geht. Es ist, als wäre ich derjenige, der ihr Grund zum misstrauen gegeben hat und nicht anders herum, aber ich schweige bis sie die Decke ganz runter zieht und sich aufsetzt.

"Ich weiß, dass du Problemen möglichst aus dem Weg gehst, aber es wäre schön wenn du zuhörst."

Sie lässt ihre Beine auf meinem Schoß als ich nicke und fummelt an der Decke herum, unfähig mich anzusehen als sie anfängt zu sprechen.

"Nach dem ganzen Schlamassel damals... Da dachte ich, ich hätte euch beide verloren. Ich konnte dir nicht mehr in die Augen sehen, weil ich Schuld daran war was Sungho mit dir getan hat. Und ihm konnte ich nicht mehr in die Augen sehen, weil ich wusste das er mich geliebt hatte. Er liebte mich, genau so sehr wie ich dich liebte, deswegen wusste ich wie sehr mein Betrug ihn verletzt haben musste. Ich dachte, ich hätte alles kaputt gemacht, aber ich habe mich geirrt."

Sie sieht auf den Ring an ihrem Ringfinger herunter und dreht ihn mit einem Lächeln in der Hand, als wäre er alles wertvolle was sie auf dieser Welt besitzt. Sie sieht ihn an wie ihren größten Schatz.

"Sungho verzieh mir. Er sagte, dass er mich viel zu sehr liebe, als das er mich einfach gehen lassen kann und das er sich selber dafür hasst, dass er mir alles verzeihen würde. Ich war so glücklich, Jungkook. Ich dachte, dass ich ihn irgendwann vielleicht genau so sehr lieben könnte, wie ich dich geliebt habe."

Erneut kommen ihr die Tränen und sie zieht die Decke vor ihr Gesicht, damit ich nicht sehe wie sie weint. Ich lege meine Hand auf ihre und drücke sie sanft nach unten, damit sie mir ins Gesicht sehen kann. Sich zu verstecken ist nie gut.

"Was ist passiert?", frage ich, das schlimmste bereits ahnend. Sie wirkt niedergeschlagen, als wäre sie nur Heu, welches jeder Windstoß jeden Moment durcheinander wirbeln könnte.

"Er veränderte sich mit der Zeit. Seine Eifersucht nahm andere Dimensionen an, er wurde launischer und irgendwann..." Sie kneift die Augen zusammen und senkt den Blick. "Irgendwann waren Worte nicht mehr genug um seine Gefühle auszudrücken."

Mein Blut pumpt mir in den Kopf während ich langsam begriff, worauf sie hinaus wollte. Natürlich, die ganzen Blutergüsse an ihrem Körper und das Gesicht, das deutlich auf Gewalteinwirkung hin deutet.

"Vor zwei Wochen, als ich hierher kam, da eskalierte alles."

"Erst da eskalierte alles? Du hättest schon vorher her kommen sollen!"

Ich beuge mich vor, wische ihr die Tränen aus dem Gesicht und streiche ihr die Strähnen, die sich aus ihrem Zopf gelöst haben hinter das Ohr. Kein Mensch hat sowas verdient und egal wie sehr Jiyu mich auch verletzt hat, so was wünsche ich ihr nicht.

"Ich hatte Angst..."

"Mehr Angst, als du vor Sungho hast?", frage ich verständnislos und umfasse ihr Gesicht, um sie zu zwingen mir in die Augen zu sehen. "Wovor hast du solche Angst?"

Vorsichtig, fast zögernd hebt sie ihre zitternde Hand und legt sie auf meine. Mein erster Reflex ist es sie zurück zu ziehen, denn ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so kalte Fingerspitzen zu spüren bekommen. Außerdem ist es komisch.

Seit einer ganzen Weile hat mich niemand so berührt außer Taehyung.

"Ich hatte Angst vor einer Zurückweisung." Ihre Stimme ist leise, kaum mehr als ein Flüstern während sie mir immer näher kommt und die andere freie Hand auf meine Brust legt.

"Jiyu", fange ich an und nehme ihre Hand in meine um sie von meiner Brust zu nehmen, aber sie hält sie verzweifelt fest und sieht mir mit großen Augen in meine.

"Bitte, Jungkook." Ihre Hand wandert langsam nach unten, bis sie am Bund meiner Hose ankommt und anfängt an dem Gürtel herum zu fummeln. "Nur dieses eine, letzte Mal. Lass mich den Schmerz vergessen."

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