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Jungkook Pov

Das Gebäude an sich war bereits beängstigend genug, aber dieser Raum ist quasi die Bestätigung für alle Vorurteile und alle Vorstellungen die jemand von einem Gefängnis haben kann. 

Nervös bewege ich mich auf dem kalten Stuhl hin und her und klopfe mit den Fingernägeln gegen die durchsichtige Abtrennung zwischen den beiden Sitzen, wobei ich nicht weiß ob das nun Plastik oder irgendeine seltsame Art von Glas.

Erst als ich das klirren von Handschellen und das schlürfen über den viel zu glatten Boden höre, hebe ich den Blick und setze mich gerade in diesem metallenen Ding, das sie Stuhl nennen, hin.

Er lässt sich widerwillig von den Beamten auf der anderen Seite in den Stuhl drücken und schiebt ihn näher an die Art Tisch, der vor ihm steht.

Während ich ihn betrachte, als hätte ich ihn seit Jahren nicht mehr gesehen, würdigt er mich keines einzigen Blickes.

Seine Haare hängen ihm schlaff ins Gesicht, seine Augenringe sind dunkler als noch vor einem Monat, als ich ihn das letzte mal gesehen habe, die Haut blasser.

Ich habe mir Sorgen gemacht, hatte Angst das genau sowas passieren würde, aber ihn so zu sehen, so verletzt und das Wort 'hintergangen' quasi ins Gesicht geschrieben, das macht mich traurig.

Trotzdem versuche ich ruhig zu bleiben und ihn nicht sofort mit all diesen Sorgen zu überfallen als ich mich vorbeuge und durch die Löcher der Trennwand zu ihm spreche.

"Wie fühlst du dich, Taehyung?", frage ich und versuche mich mit einem tröstenden Lächeln, aber als ich merke, dass das nicht so recht klappen möchte, gebe ich auf.

Er hat die Arme vor der Brust verschränkt, die Lippen aufeinander gepresst und er kaut auf irgendetwas in seinem Mund herum, aber als er mich endlich ansieht, hört er damit auf.

Er legt die Hände auf den Tisch vor ihn, als wolle er mir die Handschellen präsentieren, die er dank mir trägt und jetzt erst sehe ich den Ausdruck in seinem Gesicht. Es ist Hass.

"Was willst du von mir hören? Möchtest du, dass ich dein Gewissen beruhige? Denn das werde ich nicht."

Er beugt sich noch weiter vor, bis der Hass in seinem Blick fast im ganzen Raum zu spüren ist.

"Man fühlt sich, als wäre man in eine Falle gelaufen, aber so fühlt man sich immer, wenn man versucht irgendwo Licht zu sehen, wo keines ist."

Ich weiß nicht, was in diesem Moment mehr weh tut, seine Worte darüber, dass ich sein Vertrauen missbraucht habe oder die Tatsache, dass ich es vielleicht nicht mehr gut machen kann.

"Tae, ich bin hier um dir das ganze zu erklären."

"Lass stecken", sagt er fast schon lässig und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Er hat sich in einem Monat so stark verändert, dass ich nicht mehr weiß wer diese Person vor mir ist. Es ist, als hätte er mir meine Maske der Ignoranz abgenommen und sie selber aufgesetzt.

"Es muss Schmerzhaft sein, aber er ist es, der uns zu Menschen macht. Lass mich dir bitte erklären..."

"Erklären warum du mit Jiyu geschlafen hast? Ich habe bereits gesagt, dass du das nicht musst, es ist mir egal. Wir sind nicht mal in einer Beziehung, nicht wahr?"

Ist das die Art, wie er das ganze sieht? Denn dieses Gehabe, von wegen das ganze macht ihm nichts aus, das kaufe ich ihm nicht ab. Ich habe seinen Blick gesehen, als er mich mit meinem Fehler konfrontiert hat und Jimin hätte mich nicht geschlagen, wenn es Tae egal gewesen wäre.

Aber er möchte mir nicht zeigen, wie sehr ich ihm weh getan habe. Er verbirgt seinen Schmerz und seine verletzlichkeit lieber. Genau sowie ich es auch immer getan habe.

"Ich habe nachgeforscht, Taehyung. Wenn dich die Polizei geschnappt hätte, wäre deine Strafe schwerer ausgefallen, als wenn du dich selber stellst. Ich wollte nicht, dass du länger in dieser Hölle hier leidest als du eigentlich musst."

Ich möchte weiter reden, möchte ihm die ganze Wahrheit erzählen, aber ich kann nicht. Nicht, wenn er mich ansieht als würde er sowieso kein Wort glauben, was über meine Lippen kommt.

Die Wahrheit ist nämlich, dass ich wenige Tage zuvor erneut eine SMS bekommen habe, dieses mal aber wirklich nur eine und darin stand etwas, was mich beinahe um den Verstand gebracht hat.

Du musst ihn verstecken, sonst ist er Tot. Ich habe Beweise für seine Unschuld.

Eine SMS, die so viel bedeuten könnte, aber die für mich doch so eindeutig war. Aber welches Versteck war sicher genug? Keines. Man würde ihn überall finden, wenn man nur gut genug nach ihm suchen würde.

Das Gefängnis war der sicherste Ort für ihn, vorübergehend. Denn wenn es stimmte, was in dieser SMS stand, dann gab es etwas, womit wir beweisen konnten, dass Taehyung kein Mörder war, dass er zu Unrecht hier drin sitzt und wenn alles nach Plan läuft, dann würde ich bis dahin wissen wer diese Nachrichten schreibt.

Ich habe ihn verraten, aber ich habe es getan um ihn zu beschützen und ich hoffe es war keine dumme Entscheidung die ich in meiner Verzweiflung getroffen habe.

"Ich habe Fehler gemacht und das weiß ich, aber ich bin nicht perfekt", sage ich und sehe ihn wieder an, versuche ihm begreiflich zu machen warum ich so gehandelt habe, aber er schüttelt einfach nur den Kopf.

"Keiner von uns ist Perfekt, aber wir haben versprochen füreinander da zu sein, egal was passiert."

Das verletzt mich, es verletzt mich mehr als andere es vielleicht verstehen würden, weil ich weiß von welchen Versprechen er spricht. Nach dem Alptraum mit meinem Vater war er es der mich in den Arm genommen hat, der auf seinen Schlaf verzichtet hat um mich zu beruhigen und da haben wir uns auch dieses versprechen gegeben.

"Ich bin hier, bitte Taehyung, ich bin hier für dich. Ich gehe nicht."

Er lacht und wirft den Kopf nach hinten, als wäre das ein Brüller und nicht etwas, was mir normalerweise nur schwer fällt auszusprechen, aber was mir bei ihm so leicht fällt.

Als er sich wieder aufsetzt, wirkt er allerdings alles andere als aufgeheitert. Jetzt ist nicht mal mehr Hass in seinen Augen, da ist vollkommene Kälte.

"Aber ich gehe, Jungkook."

Er schiebt den Stuhl nach hinten und nickt den Beamten zu die sofort zu ihm gehen und sich jeweils rechts und links neben ihn stellen.

Er hat kaum einen Schritt gemacht, da springe ich auf und werfe sogar den schweren Metallstuhl um als ich mich nach vorne beuge und mit der Faust gegen die Abtrennung schlage.

"Nein, Tae!", schreie ich und haue weiter dagegen mit der Hoffnung er dreht sich wieder zu mir um und sagt den Beamten das er das Gespräch fortführen möchte.

So können wir nicht auseinander gehen. Ich habe ihm nichts von dem gesagt, was ich eigentlich sagen wollte. Meine Gefühle, das ich auf ihn warten und ihm helfen werde, das ich an seine Unschuld glaube.

Er kann nicht gehen, nicht so, nicht mit dem Hass den er gegen mich in sich trägt.

"Taehyung!", schreie ich erneut und schlage weiter gegen die Abtrennung, aber die Beamten führen ihn ohne sich beirren zu lassen fort.

"Taehyung!"

Das klirren der Handschellen mischt sich mit meinen schreien, oder wohl eher meinem winseln als ich realisiere, dass er wirklich gehen und nicht wiederkommen wird. 

Er verschwindet hinter der Gittertür und lässt nur die beiden Beamten und mich mit den ersten Tränen, die ich seit 14 Jahren vergossen habe zurück.

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