Kapitel 7
Ich war eine halbe Stunde vor meinem offiziellen Arbeitsbeginn da. Jetzt wusste ich nicht, was ich tun sollte. Sollte ich noch schnell frühstücken gehen oder mit meiner frühen Anwesenheit glänzen? Möglicherweise werde ich nicht damit glänzen, sondern es wird als negativ aufgefasst, aber besser als zu spät zu kommen, war es auf jeden Fall.
Ich beschloss mir in der nächsten Bäckerei, die sich fünf Minuten Gehweg entfernt befand, eine Kleinigkeit zu kaufen und ging sofort wieder zurück zu dem Gebäude.
Nun war ich nur noch 15 Minuten zu früh und ich öffnete die Tür und trat ein. Von innen sah es sehr viel anders aus.
"Willkommen in der Bücherei!", begrüßte mich die Empfangsdame. Es wunderte mich, dass es überhaupt eine Empfangsdame gab. Nicht jede Bücherei besaß eine.
"Wie kann ich Ihnen helfen?", fragte sie freundlich. Sie musste wahrlich ein Talent sein, wenn man um diese Uhrzeit nicht böse oder furienmäßig mit Kunden, aber auch anderen Leuten, umging.
"Ja, ich müsste zu Mr. Kim", teilte ich ihr mit. "Heute ist nämlich mein erster Arbeitstag."
"Dann müssen Sie Jiyoon sein!", sagte sie und strahlte noch mehr. "Ich bin Sungyu, aber du kannst mich Sunny nennen!"
Kein Wunder, dass das ihr Spitzname war. "Freut mich, Sunny! Ich bin Jiyoon."
"Ich bringe dich mal zu Mr. Kim. Der wird sich freuen!", sagte sie und stellte ein Schild auf ihren Schreibtisch auf, auf dem "Komme gleich" stand.
Sie nahm mich bei der Hand und zweite mir alles, was sich auf dem Weg zum Büro befand.
Los war nicht viel, aber das wunderte mich nicht. Um diese Zeit ging so ziemlich keiner in die Bibliothek.
Aber auch je mehr ich von dem Gebäude sah - die Bücher, das Lager, die Räume, die man nutzen konnte, um zu lesen - wurde mir alles sympathischer. Es fing jetzt schon an mir hier zu gefallen. Vor allem mit einer Arbeitskollegin wie Sunny. Nun musste nur noch der Boss des Ganzen nicht ein Bösewicht sein.
"Hier ist das Büro", sagte Sunny und deutete auf die Tür, vor der wir standen. "Sei doch nicht so nervös! Du packst das schon! Er ist eh ganz ein Netter!"
Ich musste wohl mehr gezittert haben, als ich gedacht hatte, dass Sunny mich auf meine Nervosität hinwies.
Tief durchatmend nahm ich die Türklinke in die Hand und klopfte an. Sunny nickte mir aufmunternd zu, um zu deuten, dass ich hineingehen sollte. Ich wand mich der Tür vor mir wieder zu und trat herein.
Fast frei von jeglichen Büchern und auch anderer Ausstattung war dieses Büro. Es war ganz anders als der restliche Teil des Gebäudes - etwas älter, viel Holz und gemütlich. Dieser Raum war hell, anstatt Holz gab es viel Glas und es war modern.
Genau gegenüber von mir befand sich ein Schreibtisch. Aufgeräumt und beinah leer, bis auf den großen Computer, der aussah als wäre er ein Vermögen wert.
Vor diesem Computer saß jemand. Dieser Jemand schien mich aber nicht zu beachten. Hatte er nicht bemerkt, dass ich rein gekommen war?
Ich räusperte mich. Keine Reaktion.
"Ahm", sagte ich leise. Noch immer nichts. Nun sprach ich etwas lauter. "Entschuldigung!"
"Hmm?", kam es von dem Computer und Mr. Kim blickte an seinem Computerbildschirm vorbei, um zu sehen, wer ihn störte.
In diesem Augenblick traf es mich wie der Blitz. Anstatt eines alten, bisschen stämmigeren Mannes saß ein junger, gutaussehender Mann mir gegenüber. Sein Gesicht war kaum vergleichbar mit dem eines anderen. Er war wahrlich wunderschön.
Nein, Jiyoon! Lass dich nicht davon ablenken! Zu so einem schönen Menschen ist höchstwahrscheinlich eine böse Persönlichkeit mitgeliefert worden.
"Guten Morgen, Mr. Kim", stammelte ich hervor. "Ich bin Jiyoon, Park Jiyoon."
"Park Jiyoon", wiederholte er und dachte kurz nach. "Ah!", machte er und stand auf. "Unsere neue Kollegin! Freut mich Jiyoon. Ich bin Kim Seokjin."
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